Wie mich eine kaputte Waschmachine glücklich machte
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Wie mich eine kaputte Waschmachine glücklich machte

Waschmachine und Autor (rechts) / (C) flickr - Dan Germain
Waschmachine und Autor (rechts) / (C) flickr – Dan Germain

Das Glück wartet an den ungewöhnlichsten Orten, manchmal sogar in einer kaputten Waschmaschine.

Ich möchte euch an dieser Stelle eine kleine Geschichte erzählen. Von Glück im Unglück, ausufernder Panik in der Klausurenphase und einer Firma, die euch, wenn auch nicht den Allerwertesten, dann wenigstens die Unterhosen rettet.

Alles begann nach meinem Umzug in eine neue WG. Dieser musste relativ spontan vonstatten gehen und so zog ich, zusammen mit allem anderen Krempel, auch mit einem großen Sack dreckiger Wäsche ein (davon wolltet ihr bestimmt unbedingt hören).

Nach kurzer Inaugenscheinnahme der neuen Waschmaschine stopfte ich sie bis zum Rand voll, so wie es sich eben gehört, und drückte auf Start.

Nach einigen Minuten ging die Maschine einfach aus und machte auch keine Anstalten mehr wieder anzuspringen.

Panik beschlich mich. Nicht nur befand sich ca. 80% meiner existentiell benötigten Wäsche in dieser Trommel, ich selbst befand mich zudem knietief in der Arbeit an einer wichtigen Hausarbeit über Gerechtigkeit in der Rentenpolitik, von der nicht nur mein Studium, sondern, unter Garantie, auch meine Karriereplanung, weiß Gott mein ganzes späteres Leben abhing!
Als ob ich nicht schon genug Stress hätte!

Ich drückte alle Knöpfe in verschiedener Kombination, kroch hinter den streikenden Übeltäter, rüttelte und fluchte, in einem Moment der Schwäche gab ich dem leblosen Teil sogar einen Tritt und beleidigte eine seiner engsten Familienangehörigen… und gab mich schließlich doch geschlagen.

Bilder schossen an meinem inneren Auge vorbei: ich, wie ich Atlas gleich die Maschine aus dem dritten Stock nach unten tragen muss, wie ich unzählige Stunden in tristen Waschsalons verbringe, fremde Menschen um Kleingeld anbettele, weil ich mein Portemonnaie vergessen habe.

Meine letzte Hoffnung war ein Handwerker.

Und an dieser Stelle stirbt das Unglück und wie der Phönix aus der Asche steigt das Glück, Hoffnung auf ein besseres oder zumindest saubereres Morgen versprechend.

In meinem Fall in Form eines freundlichen mittelalten Mannes, der zwar nicht aus der Asche, dafür aber die Treppe hinaufstieg und mir über seine tief auf der Nase sitzende Brille bereits beim Öffnen der Haustür einen Blick zuwarf, der sagte: Ist ja gut mein Junge, wir bekommen das schon wieder hin.

Doch auch er stand erst mal ratlos vor der Waschmaschine, alles schien so wie es sein sollte.

Mehr pro forma, glaube ich, schlug er dann einfach mal mit Schmackes gegen die Tür des Gerätes und siehe da: sie lief wieder! Da soll noch mal einer sagen Gewalt sei keine Lösung. Wir ließen noch zusammen das Wasser ablaufen und schon wurde aus einem Stresselefanten wieder eine Gar-nicht-so-schlimm-Maus.

Nachdem der Handwerker gegangen war, setze ich mich auf mein Bett und war tatsächlich, nun ja, glücklich. Vor wenigen Minuten hatte mich ein einfacher Haushaltsgegenstand noch fast zur Weißglut getrieben und jetzt machte er mich glücklich. So kanns gehen.

Und auch wenn ich mir bewusst war, dass es irgendwie traurig ist, dass ein Ding, das meine dreckigen Socken wäscht, mir den schönsten Moment des Tages bescherte, so beschloss ich, es doch zu akzeptieren. Das Glück zu nehmen wie es kommt.

(Und Haushaltsgeräten öfter mal einen ordentlichen Schlag zu verpassen, wenn sie streiken.*)

Bevor ihr jetzt ins Bett geht und euch an euren neu erworbenen Plüsch-Trockner kuschelt, möchte ich noch eine Lanze brechen für die Firma, die mir diesen Glücksmoment beschert hat.
Bezeichnenderweise trägt sie den Namen „Die Waschmaschine“. Sowohl Inhaber als auch der Mitarbeiter, der innerhalb von 15 Minuten vorbeikam, (wer schon mal spontan einen Handwerker brauchte, weiß, welches Gewicht diese Aussage hat) waren freundlich, kompetent, sogar witzig, und haben mir nur 20€ berechnet (auch hier gilt, wer Handwerkerpreise kennt, darf jetzt staunen).
Sollte eure Waschmaschine also mal den Geist aufgeben, zögert nicht lange. Ruft Die Waschmaschine an. Ihr werdet es nicht bereuen.

Autor: Ernst Jordan

*hier geschmacklosen Frauenwitz einfügen

4. Februar 2016

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Ernst Jordan dont wait for me, if i care bout anything, anywhere losin myself, i get the stares what im lookin at, wasnt there (wasnt there)


2 COMMENTS ON THIS POST To “Wie mich eine kaputte Waschmachine glücklich machte”

  1. Hallo Ernst,

    deiner Story über Atlas (Hat der wirklich mal eine Waschmaschine eine Lüneburger Treppe runter herakliert?) fehlt eine auf Tagesaktuelles Bezug nehmende mythologische Schlusspointe. Wenn du möchtest, häng einfach die folgenden beiden Zeilen an deinen Text unten dran:

    „Vor dem plötzlichen Tod von Roger Willemsen hätte man einen Artikel wie diesen bestimmt als Schlauchwerbung bezeichnet. Heute schreibt man einfach: Ich glaub´, ich muss kohtzen. „

    • Hallo Mareike,
      freut mich, dass du den Artikel gelesen hast.
      Vielleicht ziehst du ja tatsächlich in Zukunft etwas mehr Glück aus den kleinen Dingen, ich würde mich freuen. Viel mehr habe ich mit dem Artikel auch nicht bezwecken wollen.
      Ob ich den Absatz über „Die Waschmaschine“ reinnehmen soll oder nicht, habe ich mich selbst gefragt. Ich fand aber, dass man freundliche Menschen auch mal honorieren sollte. Natürlich habe ich nichts dafür bekommen, die Firma weiß auch nichts von ihrem Glück. Trotzdem absolut empfehlenswert. Sie verkauft übrigens auch Kühlschränke, wie ich erfahren habe.

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