Westerado: Double Barreled – pixeliges Western Open World mit Retrocharme
Ausprobiert, Titelblatt

Westerado: Double Barreled – pixeliges Western Open World mit Retrocharme

Screenshot aus dem Spiel Westerado / (C) Andre Zwetkow
Screenshot aus dem Spiel Westerado / (C) Andre Zwetkow

Weniger Details als jede Nessie-Sichtung und mehr Atmosphäre als im letzten Film von Martin Scorsese; das ist, was dieses Spiel ausmacht. Es bietet alles, was das Westernherz begehrt: von Duellen im Morgengrauen bis zu Pokerpartien mit zwielichtigen Gestalten im Saloon.

 

Westerado: Double Barreled ist ein 2D-Pixelartgame, das sowohl Rollenspielelemente als auch Elemente eines klassischen Arcadeshooters aufweist und im Westerngenre angesiedelt ist. Es ist eine Neuauflage des von adult swim veröffentlichten, kostenlosen Flashgames Westerado und kann auf Steam käuflich erworben werden.
Was ich davon halte? Es ist einfach ein wundervolles Spiel.

Von der fabelhaften Westernatmosphäre über die Dialoge bis hin zur leicht verständlichen aber dennoch grandiosen Spielmechanik. Wer Western mag, wird Westerado lieben. Ich hätte nie gedacht, dass mich ein 2D-Pixelartgame derart faszinieren könnte.

 

Im Spiel schlüpft man in die Rolle des klassischen, namenlosen Westernhelden. Dieser muss die Identität des Mörders seiner Familie aufdecken und ihn zur Strecke bringen. Um das zu bewerkstelligen sammelt man Hinweise, die man von NPCs für erledigte Quests erhält. Dabei kristallisiert sich nach und nach, ähnlich wie bei „Wer bin ich?“ oder Cluedo, ein Bild des Täters heraus.

Das Spannende dabei ist, dass bei jedem Spieldurchgang der Täter anders aussieht und auch ein anderes Motiv hat. Zum Glück ist die Welt groß genug um keine Langeweile aufkommen zu lassen, dabei aber trotzdem nicht zu unübersichtlich. Es gibt zahlreiche interessante Quests, von denen viele auf verschiedene Art und Weise gelöst werden können. Beispielsweise kann man entweder dem Öltycoon dabei helfen noch reicher zu werden, indem man den lokalen Farmern ihr Haus und Hof abschwatzt (ob man sie dabei zum Kauf überredet, sie bedroht oder gleich ganz aus dem Weg räumt liegt ebenfalls im eigenen Ermessen), oder man hilft den Farmern eine Art Genossenschaft zu bilden und mit ihnen am Ende die Villa des Tycoons zu stürmen.

Es ist unmöglich in einem Spieldurchgang jede Quest zu meistern, was, zusammen mit den freischaltbaren Charakteren, den Wiederspielwert von Westerado stark erhöht. Jede Entscheidung zieht eigene Folgen nach sich; ob man sich nun für den friedlichen Weg entscheidet und versucht das Spiel mit einer Minimalzahl von getöteten Gegnern durchzuspielen, oder ob man in altbekannter GTA-Manier Amok läuft und jeden Banditen, Passanten und am besten noch Questgeber über den Haufen schießt, der einem vor die Flinte läuft.

Das Kampfsystem ist einfach aber überraschend angenehm. Man kann Stunden damit verbringen einfach nur durch die Prärie zu laufen und Banditen aus dem Weg zu räumen. Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Überall stolpert man über Popkulturrefferenzen: von Sergio Leones Italowestern bis hin zu Dr. Who. Jedes nur denkbare Westernklischee wird auf die eine oder andere Weise bedient. Dies mag nicht jedem gefallen, es hat mich jedoch vollends begeistert. Die Optik ist trotz – oder vielleicht gerade wegen der Pixelgrafik – umwerfend und bringt, zusammen mit dem eigens komponierten Soundtrack genau das Westernfeeling rüber, das Fans des Genres lieben.

 

Mit nichts als seinem treuen Revolver und einem Satz Hüte macht man sich auf um betrunkene Ehemänner heim zu holen, den Indianern ihr Land wiederzugeben, Ölmagnate zur Strecke zu bringen und letztendlich seine Familie zu rächen. Westerado: Double Barreled ist eine gelungene Homage an das Westerngenre und dabei gleichzeitig ein ganz eigenes, grandioses Spiel, das einen tagelang fesseln kann.
Für jeden der Western und/oder Indiegames mag, ist es den Kaufpreis von 14.99 € definitiv Wert.

 

Gastautor: Andre Zwetkow

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag. Hast du auch tolle Ideen für einen Artikel oder ist dir etwas passiert oder aufgefallen, wovon möglichst viele Studierende wissen sollten? Dann sende uns gern deinen Entwurf an univativ-online@gmx.de.

 

28. April 2015

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