„Wem gehört Lüneburg?“: Transparenz für den Wohnungsmarkt
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„Wem gehört Lüneburg?“: Transparenz für den Wohnungsmarkt

Die schönste Stadt liegt an der Ilmenau – und so schön wie sie ist, so teuer ist es auch, hier zu wohnen. Jedes Jahr aufs Neue werden taufrische Erstis mit den anziehenden Mietpreisen in Lüneburg konfrontiert. Weshalb das so ist und wem die Wohnungen hier überhaupt gehören, möchte die LZ jetzt zusammen mit dem Recherchezentrum Correctiv und den Einwohnern herausfinden.

Lüneburg ist für viele attraktiv: Durch die Nähe zu Hamburg, durch die Leuphana, durch das Kleinstadt-Flair und die schönen alten Häuser. Dass die Einwohnerzahl seit Jahren steigt, ist daher kein Wunder. Zeitgleich schießen allerdings auch die Mietpreise in die Höhe – so manch Studierende*r entscheidet sich deshalb vielleicht dazu, bei den Eltern in der Nähe wohnen zu bleiben oder sich aus Kostengründen doch auf WG-Suche zu begeben.Wer sich dennoch nach einer Bleibe umschaut und sich etwas informieren möchte, wird schnell enttäuscht. Die auf verschiedenen Portalen angegeben Durchschnittswerte variieren und beziehen sich meistens nur auf Neuverträge. Daten in einer von der Stadt bereitgestellten Mietübersicht unterscheiden sich nochmals deutlich, und eine Nutzung der Auswertung als Mietspiegel wird im Vornherein ausgeschlossen. Wer sich also im Sinne der Mietpreisbremse gegen eine überdurchschnittlich hohe Miete wehren möchte, muss erst einen aufwendigen Umweg über die Stadt gehen und offizielle Werte erfragen.

Um etwas mehr Transparenz in den Wohnungsmarkt zu bringen und mit den Bürger*innen der Salzstadt ins Gespräch zu kommen, initiierte die Lüneburger Landeszeitung zusammen mit dem gemeinnützigen Recherchenetzwerk Correctiv das Projekt „Wem gehört Lüneburg?„. Mit Hilfe der Einwohner*innen möchten sie herausfinden, wie sich das Wohneigentum in der Hansestadt aufteilt. Denn in das Grundbuch zu schauen, ist in Deutschland nur bei „berechtigem Interesse“ möglich – journalistische Zwecke gehören nicht dazu. Das Projekt ist daher auf die Selbstauskunft der Mieter*innen angewiesen.

Wer hat noch nicht, wer will nochmal

Die Aktion gab es bereits in Berlin und Hamburg, wo Correctiv mit dem Hamburger Abendblatt unter anderem herausfand, dass einige Mietverträge auf dubiosen Briefkästenfirmen laufen. Für diese Recherche wurde das zuständige Team sogar für den Grimme Online Award 2019 in der Kategorie Information nominiert. Neben den kleineren Städten Minden und Heidenheim wird nun auch Lüneburg unter die Lupe genommen: Die heiße Phase der Datenerhebung startete hier am 18. Mai und läuft noch bis zum 28. Juni. Rund 250 Teilnehmer*innen zählen die Verantwortlichen bisher und freuen sich über jede*n weitere*n, der mitmachen möchte.

 

Für die genehmigte Aktion mit Sprühkreide erntete das Projektteam Kritik.

An Ständen in der Innenstadt, im LZ-Leserservicebüro und natürlich online ist es möglich, von der eigenen Wohnsituation oder vom Wohneigentum zu berichten, um einen Teil zur Transparenz beizutragen. Dazu bedarf es einen Nachweis – etwa ein Foto des Mietvertrages. LZ-Redakteurin Anna Paarmann betont im Gespräch mit der Univativ, dass Datenschutzregelungen selbstverständlich eingehalten werden. Im Rahmen des Projekts werden keine Informationen zu Privatpersonen veröffentlicht und ohne das Einverständnis einer Person werde diese auch nicht nochmals kontaktiert. Im Journalismus gelte das Recht des Berufsgeheimnisses und die Informationen würden vertraulich behandelt. Die Nachweise seien allerdings notwendig, um die Informationen zu belegen, die gesammelt werden.

Wem gehört Lüneburg“ sei aber auch keine Negativkampagne, die sich gegen Vermieter*innen richtet. „Wir richten uns an jeden und möchten einen Dialog starten“, erzählt Paarmann. Natürlich stoße das circa zehnköpfige Projektteam dabei auch auf Probleme: Nach einer von der Stadt genehmigten Aktion mit Sprühkreide gab es viel Kritik, außerdem schrecke der Online-Fragebogen die eher ältere Leserschaft ab. Dennoch seien sie sehr zufrieden mit der bisherigen Beteiligung und bekämen ebenfalls viel Lob: „Die Leute sind offen dafür“. Über die Sommerferien werden die Daten dann von einem spezialisierten Journalisten ausgewertet; die Veröffentlichung der Ergebnisse folgt im September. Vermutungen über die Resultate habe man noch nicht, aber klar sei, dass das Erbbaurecht in Lüneburg ein großes Thema ist und demzufolge auch in der Auswertung eine bedeutende Rolle einnehmen werde.

Es liegt also in unser aller Hand, ein bisschen Licht in das Dunkel des Lüneburger Wohnungsmarktes zu bringen. Bleibt bis Herbst abzuwarten, wem die Salzstadt denn nun wirklich gehöre – und welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind.

 


 

11. Juni 2019

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Melissa Hertwig


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