Was du darfst. Und was nicht.
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Was du darfst. Und was nicht.

Esst weder Fleisch noch Fisch und nutzt keine Pelze / (CC) flickr - incurable_hippie
Esst weder Fleisch noch Fisch und nutzt keine Pelze / (CC) flickr – incurable_hippie

Die Handreichung über den Einkauf von vegetarischen Produkten liegt vor.

Die Handreichung mit dem langen Namen „Ausführungshinweise für vegetarische Einkäufe bei StuPa, AStA, FGVen und Fachschaften“ wurde am 17.12.2015 über die E-Mail-Verteiler geschickt. Grundsätzlich gilt ab dem 10.01.2016, dass keine Einkäufe mehr erstattet werden, die Folgendes enthalten: Fleisch, Fisch und Pelz.

Dem Antrag vorangegangen (Univativ berichtete) war eine längere Diskussion in der Studierendenschaft. Letztlich stimmte das Studierendenparlament (StuPa) dem Antrag zu.

Kurz gesagt, dass Studierendenparlament gibt den studentischen Gremien vor, welche Produkte erstattet werden und welche nicht. Fleisch, Fisch und Pelz werden ab jetzt nicht mehr erstattet. Die Begründung hierfür lautet: „Vor dem Leitmotiv des nachhaltigen Handelns der Universität und der Studierendenschaft hat das Studierendenparlament diesen Beschluss gefasst, um unnachhaltige Haltungsmethoden aufgrund von Emissionen in Futtermittelproduktion, Schadstoffbelastung sowie ethisches Fehlverhalten in Bezug auf Tierhaltung und -schlachtung, nicht mehr zu unterstützen.“

Weiter heißt es: „Der Beschluss bedeutet jedoch nicht, dass der Konsum dieser Produkte verboten wird – der Einkauf dieser wird nur nicht aus den studentischen Geldern erstattet. Das bedeutet, dass Abrechnungen und Kassenbuch-Einträge, welche sich auf diese Produkte beziehen, nicht mehr abgerechnet werden können. Das schließt nicht aus, diese zum Selbstkostenpreis anzubieten, da dies für den studentischen Haushalt neutral ist. Laut der Finanzordnung sind die Zeichnungsberechtigten für Fehlverhalten haftbar. Dies gilt bereits für alle nicht sachgerechten Umsätze.“

Weiterverarbeitete Produkte

Dieser Beschluss gilt auch für alle weiterverarbeiteten Produkte. Wenn ein Produkt also Fleisch, Fisch oder Pelz enthält, kann dies ebenfalls nicht erstattet werden. Manchmal ist es schwierig herauszufinden, ob nicht doch ein tierischer Bestandteil enthalten ist (Gelatine, Kälberlab, tierische Produkte zur Klärung oder L-Cystein beispielsweise). Oftmals werden tierische Produkte als Trägerstoffe und Hilfsmittel verwendet. Dies fand Foodwatch heraus.  Beispiele hierfür sind Käse mit Schinkenanteil, Hartkäse, wenn er Kälberlab enthält, Süßigkeiten mit tierischer Gelatine, Pudding, Torten, Essig mit Chitin, Multivitaminsaft mit Gelatine usw.

Ob eine Prüfung in jedem Einzelfall bei nicht eindeutig gekennzeichneten Produkten dann erfolgen wird, ist bisher nicht bekannt. Vermutlich wäre dies aufgrund des Aufwandes aber nicht umsetzbar.

Grillen mit Fleisch möglich

Grundsätzlich wird mit dem Beschluss nicht die Nutzung von Fleisch, Fisch oder Pelz verboten, diese werden lediglich nicht mehr aus studentischen Geldern erstattet. Daher können auch weiterhin AStA, FGVs und Fachschaften bei Ihren Veranstaltungen einen Grill mit Fleisch anbieten, jedoch muss dies durch andere finanzielle Mittel gedeckt werden. Denn so heißt es wörtlich: „Das schließt nicht aus, diese zum Selbstkostenpreis anzubieten, da dies für den studentischen Haushalt neutral ist.“ Die Grillkohle kann jedoch weiterhin aus dem studentischen Haushalt bezahlt werden, ebenso die Grillanzünder, Zangen, Pappteller und das sonstige Zubehör. Um tierische Produkte zum Selbstkostenpreis zu bezahlen, könnte bei Veranstaltungen, beispielsweise beim Grillen, eine Kasse aufgestellt werden. Fraglich bleibt, ob eine Nutzung von „Schwarzen Kassen“, die dem studentischen Haushalt nicht bekannt sind, durch den Beschluss gebräuchlich wird.

Evaluierung des Beschlusses

In 2016 ist die Evaluierung des Beschlusses geplant. Insbesondere sollen die Erfahrungswerte zu möglicherweise entstanden Problemen in der Ausführung gesammelt werden. Zusätzlich verspricht der AStA, zum Thema Fleisch-, Fisch- und Pelz-Konsum Aufklärungsarbeit anzubieten.

Die Handreichung findet sich hier zum Download.

Autor: Christopher Bohlens

20. Januar 2016

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Koordination


10 COMMENTS ON THIS POST To “Was du darfst. Und was nicht.”

    • Du kannst weiterhin so viel Fleisch essen wie du willst.
      Du kannst dich mit Chicken Wings in eine Stupa-Sitzung setzen, wenn du willst.
      Und auch bei jeder Initiative darf noch Fleisch gegessen werden, es wird nur nicht mehr aus studentischen Töpfen finanziert, sondern muss, wie im Artikel beschrieben, aus anderen Quellen bezahlt werden.

  1. Ich schließe mich Felix an. Auch ich habe meinen Beitrag gezahlt. Wie kommt eine von einer sehr kleinen Zahl von Studierenden gewählte Gruppe dazu, einer überwältigend großen Majorität ungefragt in die Essvorlieben hineinzuregieren. „Vor dem Leitmotiv des nachhaltigen Handelns der Universität und der Studierendenschaft hat das Studierendenparlament diesen Beschluss gefasst“? Das ist nicht nur ein sprachliches Schwurbelunglück („Vor“ dem Leitmotiv?), sondern ein Bekenntnis der reinen Willfährigkeit im Namen einer inhaltsleeren Marketingphrase aus der Hochschulwerbung (Was genau ist „nachhaltiges“ Handeln eigentlich?). Mit welcher Legitimation fasst das sogenannte “ Studierendenparlament“ Beschlüsse, welche die Verwendung meiner Geldbeiträge betreffen, um mich zu gängeln (neudeutsch: zu „nudgen“)? Hier geht es ums Prinzip: autokratischer Dirigismus à la Spoun und Keller nun auch von ideologisch voreingenommenen Studierendenvertretern? Ja oder nein? Ich sage nein.

    Und dann dieser irrsinnige Widerspruch im ideologischen Konstrukt: „Grillkohle kann jedoch weiterhin aus dem studentischen Haushalt bezahlt werden, ebenso die Grillanzünder, Zangen, Pappteller und das sonstige Zubehör“.

    Ja, was? Der Bau des Schlachthofs sowie Gehälter und Löhne seiner Mitarbeiter werden bezahlt, nur der Einkauf des Schlachtviehs nicht?

    Oder: Panzer, Tellerminen und Raketen dürfen gegen saftige Bezahlung geliefert und deren Verwendung gegen gigantische Honorare gelehrt, aber nicht vom Verkaufspersonal gegen Menschen eingesetzt werden?

    Ein Hoch auf die (sicher superpraktische) Inkonsequenz der Scheinheiligen!

  2. Wie kann es eigentlich sein das sowas beschlossen wird? Ich meine welche Fachschaft und welche FGV wollen das den so?
    Ich glaube viel mehr das hier wieder sich der AStA und StuPa anmaßt alle Studenten zu vertreten obwohl es nur ein geringer Teil ist.

    • Leuphana-„Kultur“ ist für mich wirklich zunehmend wie beim Fernsehen. Da gerate ich oft in DDR-Erinnerungsdokumentationen. Inzwischen ist mir diese Vergangenheit so vertraut, daß ich immer mehr davon überzeugt bin, in der Ostzone aufgewachsen zu sein.

      • Mann/Frau Koordination, so relevant seid ihr schon, daß sogar TITANIC — Das endgültige Satiremagazin, Gedanken eurer Kommentatorin Wurster zum Thema „Was du darfst. Und was nicht.“ antizipiert?

        Glückwunsch!

        Übrigens: Das Genus des Nomens „Kommentar“ ist Maskulin, nicht Neutrum. Die Flexionsendung des Demonstrativpronomens sollte DIESES Faktum berücksichtigen.

      • Ok, ich sehe, die Korrektur wurde – erneut stillschweigend – vorgenommen. Fein! Eine minimale, wenn auch von der Redaktion/Koordination meist uneingestandene Resonanz scheinen die Kommentare ja zu bewirken.

        Wenn ihr jetzt noch lernt, euch hier öffentlich geäußerter Kritik auch öffentlich zu stellen, anstatt Unliebsames schlicht zu unterdrücken oder die Kommentarfunktion einfach zu schließen, dann naht der Tag, an dem ich über das Hochschulmagazin zu meinen Leuten sagen werde:

        Schaut rein. Dolle Sache das !

  3. Eine Parallelgeschichte:

    Deutsche Schweinebauern haben sich entschieden gegen eine gesetzliche Verpflichtung für den Verzehr von Schweinefleisch ausgesprochen. Zwar sei diese Idee „natürlich zunächst einmal verlockend. Trotzdem lehnen wir dieses Vorgehen ab“, teilte der Verband der Schweinehalter (ISN) mit, „als Organisation der marktorientierten Schweinehalter“ sei er aber „klar gegen staatliche Zwangsmaßnahmen“ (http://www.schweine.net/news/frikadellenkrieg-daenemark-schweinefleisch-pflicht.html).

    Der Hintergrund der Pressemeldung war das Vorgehen der Stadt Randers in Dänemark. Dort hatte der Stadtrat mit den Stimmen der rechten Dänischen Volkspartei zu Wochenbeginn dafür gestimmt, in Kindergärten und Schulen öfter Schweinefleisch zu verabreichen. Die Maßnahme solle die „dänische Esskultur“ stärken (http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/daenemark-frikadellenkrieg-randers-verordnet-schweinefleisch-verzehr-a-1072929.html).

    Sie richtet sich offensichtlich gegen muslimische Einwanderer, denen die Teilnahme an diesem Teil der dänischen Esskultur dem Koran zufolge untersagt ist. Der Stadtrat von Randers legte hingegen nicht fest, wie häufig Schweinefleisch auf den Speiseplan gesetzt werden soll.

    Die Dänische Volkspartei sieht die Regelung als Gegenreaktion darauf, dass Kindergärten manchmal ganz auf Schweinefleisch verzichten. Der Schweinebauernverband ISN bemühte sich herauszustellen, dass seine Ablehnung gesetzlicher Speisevorschriften sich nicht nur gegen eine Fleischpflicht richte, sondern auch gegen solche Bestrebungen, Fleisch vom Speiseplan zu nehmen: Seine marktwirtschaftliche Einstellung gelte „für einen Veggie-Day genauso wie für diese dänische Maßnahme“.

  4. Da sieht man wieder, in Osnabrück da geht was. Soviel kreativenergetische Innovationsvision bringen Holm Keller und Sascha Spoun natürlich nicht auf die Matte, um in den Tagen des Davoser Weltwirtschaftsforums einmal hands-on und trend-disruptiv aufzuzeigen, welche Sponsorenkontakte für die Audimax-Finanzierung wichtig werden könnten. Vielleicht in der Post-Event-Phase wenn das Univativ-Team organisiert? „Die Spieler des VfL Osnabrück jedenfalls waren am Sonntag an zwei McDonald‘s-Filialen in Osnabrück im Einsatz. Für einen guten Zweck bedienten Sie die Kunden in der Filiale und lieferten die Burger bei Bedarf sogar nach Hause.
    In den Schnellrestaurants an der Hannoverschen Straße und an der Pagenstecherstraße versammelten sich am Sonntag mehr VfL-Fans als üblich. Hintergrund: Die Lila-Weißen standen hinter der Theke und übernahmen die Bedienung. Insgesamt waren die Profis in den Filialen an der Pagenstecherstraße und an der Hannoverschen Straße je sechs Stunden im Einsatz.
    Der Stundenlohn, den die Mannschaft verdiente, kommt der Jugendabteilung de VfL zugute. Die Fans nutzten den Einsatz, um sich mit den Profis fotografieren zu lassen. Die eigens dafür eingerichtete Fotobox druckte das Bild direkt aus. Besonders gut drauf zeigten sich Marcos Alvarez, der am Samstag den zwischenzeitigen Ausgleich erzielte und Mittelfeldmann Massimo Ornatelli.“
    Eine kleine Showeinlage der beiden gibt es hier auch im Video zu sehen: http://www.noz.de/deutschland-welt/vfl-osnabrueck/artikel/662209/vfl-spieler-verkaufen-burger-bei-mcdonald-s-in-osnabruck

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