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Von Herdplatten putzen …

… bis Eisen schmieden. Unser Leben ist sprichwörtlich heiß. Marilyn Monroe ist heiß. Das sagen alle. Das denken Männer, das denken Frauen. Auch, wenn Frauen das nicht so offen sagen. Sie wissen es. Dass die berühmte Blondine eine Sexbombe ist. Und, dass sie es heiß mag. Das verspricht jedenfalls einer ihrer Filme von 1959.

Aber wieso wird sie als „heiß“ beschreiben? Ein merkwürdiges Adjektiv für eine Frau. Auch für einen Mann. Heiß ist doch nur die Sonne. Und eine Herdplatte wird heiß. Wer will schon mit einem runden Ding, von dem verbrannte Reste abgekratzt werden, in einen Topf geworfen werden?

Heiß ist nicht nur Kochen. „Heiß“ heißt auch gefährlich, explosiv, lodernd. Wenn wir jemanden heiß finden, dann ist das schon mehr als nett. Der Mensch ist explosiv. Brandheiß.

Mit dem Begriff „heiß“ können wir viel beschreiben. Wir können klar machen, dass wir unruhig sind. Uns wird „heiß und kalt“. Hier ist die Hitze unangenehm. Wir kommen ins Schwitzen. Gleichzeitig aber hilft uns die Hitze, uns selbst zu beruhigen. Denn: „Es wird nichts so heiß gegessen wie gekocht.“ Küche und Hitze scheinen uns zu vereinen. Wir stehen gemeinsam am Herd – danke, Hitze! Doch komisch: Obwohl Hitze, Feuer, Explosion doch eigentlich gefährlich sind, sagen diese Sprichwörter, dass wir auch mal runterkommen sollen. Widersprechen wir uns hier? Nein. „Heiß“ ist einfach vielseitig. Sprichwörter mit „Heiß“ bringen uns auf ihre paradoxe Art nicht nur zum Abkühlen, sie treiben uns auch an. Weil „man das Eisen schmieden muss, solange es heiß ist!“ Ist das Eisen erst einmal nicht mehr erhitzt, dann Pustekuchen. Vorbei die Chance, zerronnen das Glück. Die Hitze verhilft uns zum Erfolg. Aber nur, wenn wir sie als Erfolgschance nutzen.

Wir empfehlen unseren Freunden, eine Chance zu nutzen. Besser heute als morgen. Sonst ist das Eisen kalt. Und dann? Dann machen wir ihnen die Hölle heiß. Die Hölle heiß gemacht wird uns seit jeher. Bei Luther finden wir diesen Ausdruck schon. Goethe verwendet diese Redensart erstmals, um Bedrängung zu verdeutlichen, in dem Schauspiel „Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand“. Da ist es wieder, das Eisen. Haben wir wieder was gelernt.

Hätten wir das nicht, wäre das auch nicht so schlimm. Wir müssen ja nicht immer alles wissen. Ist auch gut für das Gemüt. Im Facebook-Zeitalter sollte man sich öfter sagen: „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß!“ Dann hätten wir auch mehr Zeit für das Studium, weil wir nicht immer mit dem Stalker-Dasein beschäftigt wären.

Vielleicht könnten wir auch den Wetterbericht sehen. Sehr spannend. Aber dort lernen wir etwas über Bauernregeln, die mit unserem „heiß“ zu tun haben. Merke: „Bringt der Juli heiße Glut, gerät auch der September gut!“ Diese Bauernregel nutzt die Hitze für Vorhersagen. Die Hitze als Orakel, noch eine neue Seite.

Wahrscheinlich gibt es noch viel mehr Seiten der Hitze. Aber damit wollen wir uns nicht mehr beschäftigen. Wir zeigen der Hitze jetzt die „kalte Schulter“. Das kommt übrigens aus der Zeiten der spanischen Hofetikette. Damals war es für die Dame von Welt im Trend, breite Röcke zu tragen, darunter mehrere Reifröcke. Durch diese umfangreiche Kleidung war es der Dame unmöglich, einen Herren zu begrüßen. Hatte sie an dem Herren Interesse, drehte sie die rechte Schulter nach vorne, streckte den Arm elegant zu dem Herren. Dieser deutete auf der Hand einen Handkuss an. Wollte die Dame allerdings mit dem Herrn nichts zu tun haben, so drehte sie die linke Schulter nach vorne. Weg war sie, die Dame. Mit der Kälte scheint es also nicht so gut zu klappen. Bleiben wir also lieber heiß.

Von Leonie Kampmeyer

18. Januar 2011

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