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Viel Lärm um Einiges – Rezension zu Old Man Gloom „NO“

Nach acht Jahren erscheint mit „NO“ ein neues Album der selbsternannten Supergroup Old Man Gloom. Und wie zu erwarten, ist es Musik für trampelnde Mammuts geworden. Nein, es ist Musik von trampelnden Mammuts, die sich lautstark gegen die nächste Eiszeit stemmen.

Aaron Turner ist ein vielbeschäftigter Mann. Nicht nur, dass er etwa ein Dutzend Bands im Großraum Boston bespielen, beschreien und koordieren muss und nebenbei ein Label (Hydra Head Records) zu führen hat. Ein Großteil der Zeit dürfte für die Pflege seines neuen haarigen Auftretens draufgehen. Wer so viel zu tun hat, kann auch mal die beste und einflussreichste Post-Metal Band der vergangengen Dekade auflösen und sich diversen kleinkrämerischen Bands widmen. Aber eine davon ist gar nicht so unbedeutend und beliebig.

Old Man Gloom heißt die Band und ist eines der ältesten Projekte von Aaron Turner. Manch einer mag behaupten, dass es sich um eine Art Supergroup handelt, denn immerhin hat Turner für dieses Projekt Mitglieder von Converge, Isis, Zozobra und Cave In, allesamt Vertreter der musikalisch härteren Gangart um sich geschart.

Nach acht Jahren erscheint nun mit „NO“ ein neues Album. Und wie zu erwarten, ist es Musik für trampelnde Mammuts geworden. Nein, es ist Musik von trampelnden Mammuts, die sich lautstark gegen die nächste Eiszeit stemmen. Und es sind verdammt groovige Mammuts, mit Bassläufen, die so ausufernd sind wie der Klang des Universums bei einem Herzinfarkt.

Musik mit urgewaltigen Gitarrenriffs, so massiv und schleppend wie Gletschermassen, die ganze Kontinente erdrücken und von einem stimmbandakrobatischen Gesangsverein begleitet werden, der in seiner inbrünstigen Keiferei eben diese Gletscher wieder zum Bersten bringt.

Aber es gibt auch viel Stille, durchzogen von statischem Knistern im endlosen Raum der Geschichte. Eine alles verschlingende Stille, welche die Ausbrüche und musikalische Brandstiftung umso deutlicher kontrastiert. Im Hintergrund werden elektronische Klangcollagen gegossen und fließen akzentuiert und stimmungsvoll dahin.

Ja, es ist ein anstrengendes, ein niederschmetterndes und erdrückendes Album. Aber genau da liegt der Reiz. Denn als die letzten Gletscher des Elsterhochglazials vom Kontinent Europa verschwunden waren, hinterließen sie eine wunderschöne Landschaft mit sanften Wäldern, saftigen Wiesen und pulsierenden Metropolen. Und ganz so fühlt man sich am Ende dieses Albums. Ein verstörender Trip, der aber zugleich eine reinigende Kraft ausübt. Trotz des Albumtitels eine absolute Hörempfehlung.

Hörproben:

> Song „Gift“
> Pitchfork Track-Liste

Autor: Matthias Jessen

11. Juni 2012

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