Verzicht – ein 40-tägiges Experiment
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Verzicht – ein 40-tägiges Experiment

Heute beginnt die christliche Fastenzeit. Unsere Autorin Laila bleibt 40 Tage lang nüchtern und berichtet über das Verzichten in Zeiten des Überflusses.

Unsere Autorin bei einem letzten Exzess/ (C) Laila Samantha Walter
Unsere Autorin bei einem letzten Exzess/ (C) Laila Samantha Walter

Fastenzeit, das klingt bereits unsexy bevor geklärt ist, worauf eigentlich warum verzichtet werden soll. Genau diese Zeit steht nun vor der Tür, ohne dass die meisten Studierenden davon überhaupt Notiz nehmen. Natürlich handelt es sich hier um ein christliches Ritual, weshalb es  ok ist, das sich nicht jeder dafür interessiert. Jedoch steigen, wenn es zu Weihnachten um Völlerei und Geschenkewahnsinn geht, die meisten doch auch gerne mit aufs Trittbrett und genießen die Vorzüge. Warum nicht also auch mal einen Blick auf die Fastenzeit werfen? Die Fastenzeit ist die österliche Bußzeit, die 40 Tage dauernde Vorbereitung auf Ostern, dem wichtigsten Fest der Christenheit. Sie beginnt am Aschermittwoch und endet in der Nacht vor Ostern. Christen sollen sich in dieser Zeit auf die wirklich wichtigen Dinge besinnen und auf etwas verzichten, das ihnen im Alltag unerlässlich scheint. Viele entscheiden sich dabei für Fleisch, Alkohol oder Süßigkeiten.

Und schon ist klar, was diese Zeit so viel unpopulärer macht als die schillernde, leuchtende und wohlduftende Vorweihnachtszeit.

In den letzten Jahren habe ich bereits auf Fleisch und Fisch verzichtet. Nicht aus religiösen Gründen, sondern um zu testen, wie einfach ich noch auf irgendetwas verzichten kann. Dieses Jahr will ich etwas extremer herangehen. Ich habe beschlossen auf alle Rauschmittel zu verzichten, zumindest bis Ostern. Zigaretten, Alkohol, Süssigkeiten und alles, was man sonst so für eine ordentliche Party braucht, sind für mich in der nächsten Zeit tabu.

Ab jetzt berichte ich euch jede Woche, wie sich Hausarbeiten so ganz ohne Zigaretten und Schokolade zwischendurch schreiben lassen und wie es sich nüchtern durch die Hamburger Nächte tanzt. Ich teile mit euch Stimmungsschwankungen, Hautveränderungen und beleuchte auch soziale Hindernissen, die man zu überwinden hat, wenn man die Welt 40 Tage lang nüchtern betrachtet.

Autorin: Laila Samantha Walter

10. Februar 2016

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9 COMMENTS ON THIS POST To “Verzicht – ein 40-tägiges Experiment”

  1. Ich finde es gut, das du es tust. Ich habe bereits meine Lösung gefunden: Für mich kommt es nicht mehr in Frage meinen Körper solchen extremen auszusetzen, daher über ich jeden Tag die Enthaltsamkeit. Das heißt für mich: Keine Zigaretten mehr (nie mehr), maximal ein Glas Rotwein pro Tag und einmal die Woche Fisch und einmal die Woche Fleisch. Ansonsten halte ich mich von künstlich produzierten Nahrungsmitteln (zum Beispiel Nudeln) fern, soweit das geht.

  2. Hallo Leute,

    ich hab diesmal wieder auf das Verzichten verzichtet und damit eisern einen Vorsatz eingehalten, der praktisch mühelos angestrengt hat und das ununterbrochen.

    Dabei habe ich mich von Stepan Arkadjewitsch Oblonskij (genannt Stiwa) anregen lassen, dem barock versauten Genuss- und Lebeferkel aus Ernst Jordans großartigem Debütroman. Dieser liebenswert verantwortungslose Epikureer zitiert frei und auf Deutsch – aber falsch – aus Heines nachgelassenen Gedichten von 1812 bis 1827, denn er kann sich an den genauen Wortlaut nicht mehr erinnern und möchte dennoch mit einem Bonmot brillieren :

    »Himmlisch war´s, wenn ich bezwungen
    Meine irdische Begier;
    Aber, wenn’s mir nicht gelungen,
    Hatt‘ ich dennoch mein Plaisir.«

    • Andreas, mein Schatz,

      jetzt knodderst sogar du schon Tim und Struppi an, wenn Ernst mal wieder den übellaunigen Weltweisen und Kim die strenge Gouvernante aus Alice in Wonderland gibt. Ist euer Redaktionsteam eigentlich eine Filiale der Scientology-Sekte, in der asketische Engherzigkeit trainiert wird und selbst der dünnste Anflug von Humor als lebensbejahender Gottseibeiuns verfolgt und in den Senkel gestellt werden muss? Nehmt euch mal ein Beispiel an der natürlichen Lässigkeit von Christopher, der weiß, was er kann und wert ist, und dem euer ewiges philiströses Schwenken von kerzengerade und stocksteif aufgerichteten Zeigefingern nie in den Sinn käme.

      Deine einzige Entschuldigung: nicht du, sondern bloß dein Hirn beckmessert hier unter Verwendung kleinstkarierter Stereotype !!!!!!!!

      Wenn du wirklich wissen möchtest, was einen echten Troll bewegt, lies das gelungene Portrait von Timo über Uwe:

      http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/hass-im-netz-ich-bin-der-troll-13139203.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

      • Ach Andreas,

        wie erziehe ich eigentlich mein Hirn, wenn es von mir (oder anderen) bemerkte Differenzen zwischen seinem „Sosein“ und seinem (anders) „Seinsollen“ gibt?

        Und dann noch: auch um halb drei in der Nacht dürfte im Grunde doch ein dermaßen passioniert Musik und Musizierende liebendes Kritikerhirn wie das deine, wenn es sich während der Fastenzeit dazu hinreißen lässt, eine bissige Bemerkung öffentlich zu machen, nicht den (unter Umständen sinnsichernden) Unterschied zwischen den Verben „vermissen“ und „vergessen“ übersehen.

        Wie erklärst du deinen Neuronen, solche Nachlässigkeiten künftig zu unterlassen?

  3. Hab hier im letzten Vierteljahr ein paarmal reingeschaut. Wie kann es eigentlich sein, dass es zwischen Kommentaren und Kommentiertem ein solches Gefälle gibt? Sind Schreibende und Kommentierende bei Univativ vielleicht dieselben Personen, die das Vorhandensein eines Lesepublikums vortäuschen möchten, aber etwas Entscheidendes vergessen haben: In einer Interpretation (Erklärung) sollte das Interpretandum bzw. das Explanandum dem Interpretans bzw. Explanans als Antezedens vorausgehen und herausfordernde ambivalente Spielräume für Reflexionen zum Sinnverstehen bereitstellen — nicht umgekehrt.

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