Ausprobiert, Titelblatt

Verzicht – ein 40-tägiges Experiment (Woche 4)

Nach einem Monat völliger Abstinenz berichtet unsere Autorin Laila über ein neues Lebensgefühl und die Angst vor der Zeit danach.

Fühlt sich gut an / (C) Laila Samantha Walter
Fühlt sich gut an / (C) Laila Samantha Walter

Vor genau einem Monat hat mein Fasten-Experiment begonnen. Nach anfänglichen Entzugserscheinungen – Müdigkeit, Zigaretten-Schmachter und Isolationsgefühlen – fühlte ich mich ab Woche 3 besser. Aus einer leidenschaftlichen Raucherin ist eine Nichtraucherin geworden, die ohne Bier und Joints genauso gut einschläft wie sie ohne Kaffee wieder wach wird. Lieblingsserien sind mittlerweile mit Nüssen und Orangen genauso spannend wie mit Schokolade und Chips. Meine Freunde sind nüchtern betrachtet auch echt in Ordnung. Mein Job als Kellnerin in einer Bar führt mich nicht mehr groß in Versuchung. Ich merke zwar, dass durch das Nichtrauchen viele Pausen wegfallen, habe aber das Gefühl, ohne Alkohol und Zigaretten viel mehr leisten zu können. Ganz nebenbei scheine ich sogar ein paar Kilo verloren zu haben. Zumindest kann ich meine Jeans jetzt eine Größe kleiner kaufen. Und das trotz der lebenslangen Sportabstinenz.

Wie alle Frauen nach einer erfolgreichen Diät fürchte auch ich mich vor dem Jo-Jo-Effekt. Allerdings sind es nicht die paar Kilo mehr oder weniger die mich beunruhigen, sondern die Angst vor meinem inneren Schweinehund. Wie nachhaltig wird das Fasten für mich gewesen sein? Werde ich das neue Lebensgefühl gleich nach Ostern wieder über Bord werfen und wieder munter feiern wie zuvor? Warum habe ich dieses Experiment dann überhaupt gemacht? Um zu beweisen, dass ich ein paar Wochen ohne Rausch existieren kann? Oder wollte ich nicht auch etwas über mich und mein eigenes Konsumverhalten lernen? Werde ich das Gelernte umsetzen können oder tatsächlich in alte Muster verfallen, obwohl ich es nun besser weiß? Auf diese Fragen habe ich jetzt noch keine Antwort, das eigentliche Experiment geht wohl erst nach Ostern los.

Um mich herum wird schon der Countdown gezählt: „Bald hast du es endlich geschafft Laila, dann feiern wir – aber richtig. Die vielen Schnäpse, auf die du verzichtet hast, die holen wir nach Ostern einfach alle nach. Echt, du willst nicht wieder anfangen zu rauchen? Aber doch wenigstens Joints, ab und zu?“ Jeder scheint nur so darauf zu lauern, dass ich endlich wieder zurück bin im Alltag zwischen Kippe und Bier.

Ich fühle mich wie ein Junkie, der nach dem Entzug bald ins echte Leben entlassen wird. An jeder Ecke Versuchungen ausgesetzt, graust es mir schon ein wenig vor der Zeit nach Ostern. Natürlich warten meine Freunde darauf, mit mir durch die Bars und Clubs zu ziehen, die Nächte durchzuzechen und betrunken Blödsinn zu reden. Und ich freue mich auch schon darauf. Aber ich nehme mir fest vor, ein bisschen nüchterner zu leben. Zumindest Nichtraucherin will ich bleiben, und unter der Woche weiter auf Alkohol verzichten. Die seit Wochen im Kalender markierten Partys, Open Airs und Festivals gönne ich mir auf jeden Fall. Vielleicht geht das eine oder andere ja wieder einmal nüchtern – auch ohne Fastenzeit.

Autorin: Laila Samantha Walter

10. März 2016

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ONE COMMENT ON THIS POST To “Verzicht – ein 40-tägiges Experiment (Woche 4)”

  1. Liebe Laila,

    nachdem nun, wie du bekennst, auch die allerletzten Spuren geistiger Getränke und Rauchwaren aus dem im Kopf gelegenen Teil deines zentralen Nervensystems verflogen sind, scheint leider auch der Alkohol- und THC-Gehalt deiner Texte rasant abzunehmen.

    Weißte was. Lassen wir einfach Gras über die Sache wachsen. Haste mal Feuer?

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