Verzicht – ein 40-tägiges Experiment (Woche 3)
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Verzicht – ein 40-tägiges Experiment (Woche 3)

In Fastenwoche 3: Ich habe ich mich in einen Club gewagt und mir nüchtern reingezogen, was ich in den letzten Wochen verpasst habe – oder eben nicht.

Nüchtern feiern ist nicht das Gleiche / pixabay.com
Tanzen geht auch nüchtern / pixabay.com

Der Südpol, einer von Hamburgs angesagtesten Technolocations, feierte am vergangenen Wochenende drei Tage lang Abschied. Es soll für die nächsten Monate erst einmal die letzte Party gewesen sein, bevor die frisch renovierten Türen dem Feierfolk wieder offen stehen.

Dieses Event konnte ich nun wirklich nicht verpassen, Abstinenz hin oder her. Ich entschied mich also meinen Sonntag dort zu verbringen und freute mich wahnsinnig darauf, als nüchterner Partygänger ein bisschen über den Dingen schweben zu können.

Nachdem ich meine Freunde eingesammelt hatte, beschlossen wir einen kleinen Rundgang zu machen.
Bar und Tanzfläche ließen wir erstmal links liegen, ich wollte mir lieber gleich die volle Drönung geben. In den Chill Out-Räumen fand ich schließlich, wonach ich gesucht hatte: Dreck, Gestank und völlig zerfeierte Typen, die zwischen Kippen und umgekippten Bierflaschen herumsaßen.

Nach drei Wochen Klosterfrauen-Leben konnte ich mir gar nicht mehr vorstellen, dass ich mich hier mal wohl gefühlt hatte. Da der Rest der Gäste das wohl anders sah, gab es zu meinem Glück keinen Platz mehr, um sich irgendwo dazu zu setzen. Wir versuchten es also doch mit der Bar. Ich kaufte zwei Pfeffi (nicht für mich!) und eine Flasche Wasser zum Anstoßen (die war für mich) und wusste nichts mit mir anzufangen. Bartresen sind schließlich ein Ort zum Rauchen und Schnaps trinken, Wasser trinkt man hier höchstens zum Nachspülen.
Tanzen schien mir die beste Alternative und so zogen wir ab in Richtung Dancefloor. Endlich, lauter Techno! – eines der wenigen Dinge, die nüchtern absolut genauso fantastisch sind wie breit.

Da ich nüchtern allerdings nicht die gewohnte Tanzkondition habe, musste ich mir nach einer Dreiviertelstunde dann aber doch eine entspannte Ecke zum Sitzen suchen. Wild entschlossen setzte ich mich also in Mitten des Dreckhaufens, schob mit den Füssen noch ein paar Zigarettenkippen weg und wollte von meinen Freunden wissen: Warum hat mich das sonst nie gestört? Hat es hier immer schon so gestunken? Und seit wann sehen die Menschen auf Partys so unglaublich scheiße aus?! Die Antwort war schnell gefunden: Nicht die Partys hatten sich verändert, ich war es, die auf einmal gerne Teetrinkend in sauberen Cafes rumsitzt und über das eigene Konsumverhalten sinniert. Zigaretten finde ich plötzlich stinkend, Bierfahnen widern mich an und auch sonst bin ich nach drei Wochen Nüchternheit zur absolut langweiligen Gesundheitsfanatikerin mutiert. Und fühle mich auch noch verdammt wohl dabei.

Ich entschied dann, die Party ganz schnell zu verlassen, die restlichen Sonnenstrahlen zu genießen und mir vielleicht noch einen Tee to Go zu kaufen. YOLO!

Autorin: Laila Samantha Walter

3. März 2016

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