Univativ Filmkritik: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Ausprobiert

Univativ Filmkritik: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Auf einer entlegenen Landstraße fährt Mildred Hayes in ihrem alten Kombi in der Abenddämmerung nach Hause. Sie bremst plötzlich neben drei heruntergekommenen Werbetafeln. Man sieht ihr an, wie sich in ihrem Kopf allmählich eine gerissene Idee manifestiert. So beginnt Martin McDonagh´s neuester Film, der seine Zuschauer*innen erneut auf eine Reise voller schwarzhumorigen Absurditäten, menschlicher Tragödien, und moralischer Dilemmata führt.

 

Eine wendungsreiche Handlung

Mildred Hayes (Frances McDormand), eine geschiedene Mutter mittleren Alters, lässt drei großformatige Werbeplakate am Ortsrand von Ebbing, Missouri anbringen, welche die Polizei für den ungelösten Vergewaltigungsmord an ihrer Tochter anprangern, insbesondere den Polizeichef Willoughby (Woody Harrelson). Das sorgt für Aufruhr in der kleinen Gemeinde und ruft zunächst den Polizisten Dixon (Sam Rockwell) auf den Plan, von dem man munkelt, er habe einen Afro-Amerikaner in einer Gefängniszelle gefoltert. Dieser droht ihr, sie solle die Werbetafeln entfernen. Natürlich ohne Erfolg. Dafür ist Mildred ein zu zäher Haudegen. Der hochangesehene Polizeichef Willoughby hat bei ihr nicht mehr Erfolg. Nicht einmal, als er ihr offenbart, dass er an Krebs leidet. Selbst ihr noch lebender Sohn (Lucas Hedges) kann sie nicht von ihrem Vorhaben abbringen. Nachdem der Polizei und der Gemeinde klar wird, dass sie nicht zur Vernunft gebracht werden kann, wird der Druck der Polizei größer, und die Gemeinde ihr gegenüber feindselig. Doch Mildred kämpft mit harten Bandagen. Und schon bald kommt es zu stetig steigernden Eskalationen.

In den Himmel gelobt?

Nun ist es so, dass die Kritik den Film hoch anpreist. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri gilt zum jetzigen Zeitpunkt als Oscarfavorit unter den neun nominierten Filmen. Das ist interessant, wenn auch nicht ganz nachvollziehbar.
Was für den Film spricht: Der Film ist technisch sehr gut gelungen. Die Kamera fängt das Setting schön ein, und die Bilder fließen gut zusammen. Auch sehr positiv zu erwähnen ist die Filmmusik von Carter Burwell, die sehr schnell im Kopf bleibt. Martin McDonagh beweist bei seinem dritten Film wieder eine sichere Hand auf dem Regiestuhl. Vor allem aber hat der Regisseur das, was Regiegrößen wie Quentin Tarantino, David Fincher, oder Edgar Wright auszeichnet: Eine eigene Handschrift, die sich klar von der Masse abgrenzt. Zudem schafft McDonagh es wieder, herausragende Leistungen aus seinen Darstellern herauszukitzeln. Das ist auch die größte Stärke des Films, allen voran Frances McDormand, die hier als Mildred ihre beste Performance seit Fargo gibt, Sam Rockwell, der sich mal wieder selbst übertrifft und alle anderen an die Wand spielt, und der ebenfalls großartige Woody Harrelson.

Polizeichef Willoughby (Woody Harrelson) und der Polizist Dixon Sam (Rockwell) vor den Billboards (c) Twentieth Century Fox

Jegliche Probleme des Films liegen im Prinzip bei Story. Die Charaktere sind größtenteils überspitzte Karikaturen, die hin und wieder mal menschliche Emotionen zeigen dürfen. Das trifft besonders auf Dixon zu. Der dumme, rassistische, und zu Gewaltausbrüchen neigende Polizist wirkt weniger wie ein Mensch, sondern mehr wie ein großer Haufen gängiger Polizisten-Klischees.

Der Film zeigt garstige Leute, die garstige Dinge tun, und das ohne jegliche nachhaltigen Konsequenzen. Die wenigen Charakterentwicklungen wirken unorganisch und gezwungen. Zudem wirken viele Handlungen der Charaktere bizarr und nicht nachvollziehbar.
Schließlich verliert der Film an thematischer Kohärenz, indem er das Thema Rassismus in den Film einfließen lässt. Es wirkt künstlich eingefügt und harmoniert nicht mit dem Rest der Geschichte. Das Thema rückt zum Vorteil des Films zunehmend in den Hintergrund. Das hilft der Geschichte, gegen Ende ihre dramaturgische Potenz zu entfalten.

 

Fazit

Im Gesamteindruck ist der Film jedoch sehr unterhaltsam, und liefert einige schwarzhumorig absurde Situationen. Er ist zu keinem Zeitpunkt langweilig, teilweise raffiniert, wenn auch nicht wirklich anspruchsvoll. Die Darsteller schaffen es, durch ihre herausragenden Leistungen, ein dürftiges Drehbuch mehr als gekonnt zu kaschieren. Es gibt einige schlagfertige Sprüche. Wer bei diesen Sprüchen lacht, sollte sich aber bei Sprüchen von Vin Diesel, Schwarzenegger und Kohorten nicht die Nase rümpfen.

Besonders für Freunde des deftigen, schwarzen Humors ist der Film eine klare Empfehlung. Erwartet nur nicht das Meisterwerk, dass die Kritik und diverse Oscarnominierungen versprechen, und ihr werdet mit einem kurzweiligen Film mit einem gelungenen Ende belohnt.

 

Titelbild: (c) Twentieth Century Fox


Der deutsche Filmstart war am 25. Januar 2018. In Lüneburg läuft dieser Film im Scala Programmkino – wahlweise auch im englischen Originalton. Die Spielzeiten findet ihr hier.

29. Januar 2018

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Tobias Schaffrath