Univativ Filmkritik: The Favorite
Ausprobiert, Kritik

Univativ Filmkritik: The Favorite

The Favourite – Intrigen und Irrsinn ist in der Tat ein Film voller Intrigen und Irsinn, und einer lesbischen Dreiecksbeziehung. Was kann man mehr von einem Film verlangen?

„Fick mich, du Fotze“ – Die Hanldung*

Die junge Herzogin Abigail (Emma Stone) kommt aus einem verarmten Adelshaus im England des 18. Jahrhunderts und sucht dringend eine Anstellung. Ihre Cousine, Sarah Churchill (Rachel Weizs), die starke rechte Hand der Königin Anne (Olivia Colman), stellt sie zunächst als einfache Magd ein. Abigail gewinnt schnell die Gunst der Königin und steigt zu ihrer persönlichen Kammerzofe auf. Bald darauf entdeckt Abigail, dass die Königin und Sarah sich näherstehen, als angemessen. Abigail sieht ihre Chance zum gesellschaftlichen Aufstieg, und so ergibt sich ein Machtkampf zwischen Sarah und Abigail, die nun beide um die Aufmerksamkeit, Gunst, und Liebe der Königin buhlen.

Hintergrund

Der Film basiert auf tatsächlichen Personen und Ereignissen, ist aber in etwa so historisch akkurat wie Mel Gibsons Braveheart. Gerade die lesbischen Beziehungen von Königin Anne zu ihren Hofdamen Sarah Churchill, und später Abigail Masham stehen historisch auf wackeligen Füßen. Über solche Verhältnisse wurden spekuliert, da Königin Anne sehr enge Verhältnisse zu ihren Hofdamen pflegte, historisch belegt sind diese jedoch überhaupt nicht.

Kommen wir zum Film – Der erste Softporno mit mehreren Oscarnominierungen

The Favourite ist der neue Film von Yorgos Lanthimos, der sich für sehr schräge, aber originelle Filme wie Dogtooth (2009) oder The Lobster (2015) verantwortlich zeichnet. The Favourite ist sein erster Historienfilm, und auch sein bisher zugänglichster, für seine Verhältnisse mainstreamtauglicher Film. Er ist technisch durch und durch kompetent gemacht, und ist dabei auch noch ein Fest für das Auge mit schönen Szenerien und tollen Kostümen. Negativ anzumerken ist jedoch, dass einige Aufnahmen mit einer Weitwinkel-Fischaugenlinse gemacht wurden, die das Bild verzerren. Und wenn die Kamera dann noch schnell herumgeschwenkt wird, kann das zum einen zu Kopfschmerzen führen, zum anderen lenkt das die Aufmerksamkeit zu sehr auf die Kamera und weg von der Geschichte. Aber zum Glück wird diese Art der Einstellung sparsam im Film eingesetzt.
Die Schauspielleistungen sind durch die Bank auf höchstem Niveau, mit einer besonders herausragenden Leistung von Rachel Weisz.

Der englische Königshof zu Beginn des 18. Jahrhunderts. (c) Copyright 2018 – Fox Searchlight

Trotzdem alledem lässt einen der Film kalt, da die Charaktere nicht besonders sympathisch gezeichnet sind. Ok, das ist eine Untertreibung: Die Charaktere sind zutiefst abstoßend, was einem Film grundsätzlich nicht schadet. Es gibt viele Charaktere in Film und Fernsehen, die zutiefst abstoßend, und dennoch faszinierend sind. Dazu gehören z.B. Hannibal Lecter aus Das Schweigen der Lämmer, oder Light Yagami aus Death Note (Die Anime-Serie, nicht der verkorkste Netflix-Film; wichtige Unterscheidung). Bei den Charakteren in The Favourite sieht das alles anders aus. Das könnte zum einen daran liegen, dass sich die Charaktere nicht wie Personen aus der Zeitperiode verhalten, in der die Geschichte spielt. Teilweise sind einige Details so schräg, dass man sie weder der damaligen, noch der heutigen Zeit zuordnen könnte. Als Beispiel dient eine Szene, in der ein Mann der sich in der Kutsche vor allen anderen auf Abigail einen runterholt. Diese Schrägheit hat in Filmen wie The Lobster sehr gut funktioniert, hier wirkt sie eher fehl am Platz.

Fazit

Der Film lässt den Zuschauer etwas ratlos zurück, da er technisch als auch schauspielerisch absolut top war. Gut unterhalten konnte er auch, hatte ein gutes Tempo, wurde nicht langweilig. Die Story war im Prinzip gut konstruiert, und auch gut erzählt, trotzdem lässt der Film einen mit dem dringenden Bedürfnis nach einer Dusche zurück, als ob man etwas schmuddeliges Unreineres gesehen hätte, dass man nun wieder abwaschen müsste.

Für Filmkenner sei noch gesagt, der Film schaut sich wie eine Mischung aus Park Chan-wook´s Die Taschendiebin und Stanley Kubrick´s Barry Lyndon, beides Filme, die The Favourite klar überlegen sind. Dennoch dürfte diese Beschreibung bei Cineasten (zu Recht) ein großes Interesse an dem Film wecken, denn eines kann man klar feststellen: The Favourite ist eine (ähem..) interessante Erfahrung.


Der deutsche Filmstart war am 24. Januar 2019. In Lüneburg läuft dieser Film im Scala Programmkino. Die Spielzeiten, wahlweise auch mit englischem Originalton, findet ihr hier.

Titelbild: Emma Stone als Abigail. (c) Copyright 2018 Twentieth Century Fox

*Tatsächliches Zitat aus dem Film

28. Januar 2019

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Tobias Schaffrath


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