Univativ Filmkritik: But Beautiful
Ausprobiert, Kritik, Titelblatt

Univativ Filmkritik: But Beautiful

Die Welt geht unter. Das ist nichts Neues. Aber können wir sie doch noch heilen? „But Beautiful“, der neue Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer, präsentiert uns Menschen und Geschichten, die von Schönheit, Glück und Verbundenheit sprechen. Eine hervorragende Gelegenheit, um für knappe 2 Stunden dem Grau und Nass des Lüneburger Novembers zu entfliehen.

 

 

Es scheint, als hatte Erwin Wagenhofer selbst keine Lust mehr, Bilder zu zeigen, die Zuschauer*innen üblicherweise von Umwelt- und Gesellschaftsdokumentationen zu sehen bekommen. Die Erde ist in einem katastrophalen Zustand und gesellschaftliche Strukturen versagen jeden Tag daran etwas zu ändern. Stattdessen handelt seine neue Dokumentation „But Beautiful“ diesmal von den schönen kreativen Lösungen. Ganz handfesten und praktischen, aber auch musischen und meditativen.

Das gute Leben steht im Zentrum des Narrativs und wird umrahmt von ruhigen, gar magischen Naturaufnahmen sowie herzergreifender Jazz-Musik. So verbindet Wagenhofer die Erzählungen acht diverser Protagonist*innen aus aller Welt zu einem Gesamtbild, schenkt Hoffnung und regt gleichzeitig zum Nachdenken über das eigene Leben an. Die Message: Rückbesinnung auf das Wesentliche, auf die Natur. Oder ganz oldschool ausgedrückt: back to the roots.

Sängerin Lucia Pulido (c) Pandora Film

Wagenhofers Dokumentarfilm entspricht dem Zeitgeist von Achtsamkeit und Minimalismus und behandelt die große Frage nach der Suche nach Glück. „But Beautiful“ ist eine gelungene Wohlfühl-Dokumentation. In ihrer Thematik erinnert sie an „Tomorrow“ von Cyril Dion und Mélanie Laurent, legt im Gegensatz dazu  den Fokus auf Persönliches, Gefühle und Spiritualität.

Kritisch betrachtet, dürfen die katastrophalen Bilder, trotz aller Wahr-und Weisheiten, schönen Bilder, Musik und Worte aus „But Beautiful“ nicht vergessen oder verdrängt werden. Sich zu sehr Wohlzufühlen und Fallenzulassen birgt das Risiko des Ausruhens und Stehenbleibens. Für zwei Stunden Flucht aus der Schwerfälligkeit des Novembers scheint das – allerdings – schwer in Ordnung zu sein.


Der deutsche Filmstart war am 14.. November 2019. In Lüneburg läuft dieser Film auch im Scala Programmkino. Die Spielzeiten findet ihr hier.

Titelbild: Förster Erwin Thoma (c) Pandora Film

18. November 2019

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Verena Nuechter


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