Univativ-Filmkritik: „Business is war“ – Wie „The Founder“ den Kapitalismus erklärt
Ausprobiert, Titelblatt

Univativ-Filmkritik: „Business is war“ – Wie „The Founder“ den Kapitalismus erklärt

Der erfolglose, aber beharrliche Ray Croc bekommt die Möglichkeit in das (damals noch kleine) Mc Donald’s-Imperium einzusteigen. Doch was zunächst als Märchen beginnt, entwickelt sich zu einem überdimensionalen Egotrip mit erschreckenden Ausmaßen.

Ray Croc ist unersättlich / ©Bild: Youtube

 

Michael Keaton schaut dich an und spricht, erzählt, starrt dir dabei direkt in die Augen und schwadroniert in einer seltsamen Kaufmannmanier. Ich sehs doch, Sie erkennen Erfolg schon von weitem, Ihnen kann man nichts vormachen, Sie wissen was Sie brauchen, um zu gewinnen! Und dann schlägt man ihm die Tür vor der Nase zu.

So beginnt „The Founder“, der Film, der als klassisches Kino vom amerikanischen Traum eines Underdogs anfängt und am Ende seinem Publikum klargemacht haben wird, dass große Wirtschaftsimperien nicht über Nacht und auch nicht ohne Konsequenzen entstehen.

VOM TELLERWÄSCHER ZUM MILLIONÄR

Immer wieder abgewiesen von potenziellen Kunden, versucht der bereits 52-jährige Ray Croc (Michael Keaton) während der 50er Jahre, nach Pappbechern und Klapptischen Milchshakes an den Mann zubringen. Auch wenn er sich bemüht, sich nach allen Regeln der Kunst den Mund fusselig redet – er bleibt erfolglos. Durch eine ungewöhnlich hohe Bestellung wird er schließlich auf ein Drive-In in Kalifornien aufmerksam und fährt, einem inneren Impuls nachgehend, hin.

Dort trifft er sein gastronomisches Paradies: keine laute Musik, keine Rowdies, gutes Essen und vor allem: eine ungemein kurze Wartezeit. Er verwickelt die Besitzer ins Gespräch und erfährt deren Erfolgsrezept. Mac und Dick MacDonald (John Carroll Lynch und Nick Offerman) hatten einiges ausprobiert, bis sie ihren Imbiss eröffneten, der schnell von Erfolg gekrönt war. In sehr anschaulichen Rückblenden, die sich geschmeidig in die Storyline einfügen, beschreiben die Brüder, wie sie das sogenannte Speedie-Konzept erfanden. In ihrem Drive-In herrscht eine Sinfonie der Effizienz, die den höchstmöglichen Genuss garantiert.

Ein Genuss ist es auch, mit der Kamera in diese Zeit einzutauchen, wenn ein wieder mal abgewiesener Croc von innen durch die von Regen benetzte Heckscheibe seines Autos gefilmt wird oder aber die brutzelnden Hamburger auf der Grillplatte von einem Mitarbeiter mit weißen Häubchen gewendet werden. Zelebriert werden Autos, die großen Küchen, das Essen, vor allem das Licht, welches mit seiner Weichheit ein gewisses Retrofeeling vermittelt.

Croc wittert Geld und macht mit seiner Beharrlichkeit wett, was ihm deutlich an Genie mangelt. Und so verwandelt er die Idee der Gebrüder MacDonald in ein Franchiseunternehmen, dessen Lizenzen nun er verteilt. Wie ein Terrier, der sich festgebissen hat, will er so erfolgreich wie möglich werden und entwickelt immer neue aber zweifelhafte Strategien für den Erfolg.

„THE FOUNER“ ALS KRITIK AM SYSTEM

„The Founder“ darf nicht einfach als Biopic über den vermeintlichen Gründer eines Großkonzerns angeschaut werden. Es ist die Kritik am amerikanischen Neo-Liberalismus und am inflationären Gebrauch des American Dreams als Rechtfertigung für eigennütziges, profitgieriges Handeln. Croc will endlich gewinnen und er will einer der Größten werden, doch sein Ehrgeiz wird schnell zu einer Besessenheit, zu einer Sucht, die er mit dem Slogan „McDonalds ist Familie“ fast schon sektengleich auf die anderen zu übertragen versucht.

Was zunächst als Märchen beginnt, entwickelt sich zu einem überdimensionalen Egotrip mit erschreckenden Ausmaßen. Die Industrie und die Wirtschaft der westlichen Gesellschaften sind geprägt von der Ruchlosigkeit, die vielleicht auch noch heute in den USA zu finden ist.

Die Besetzung, allesamt erfahrene und ausgezeichnete Schauspieler*innnen, tragen ungemein dazu bei, den streckenweise etwas langatmigen Wandel der Handlung mitzutragen und Keatons Darstellung durch subtiles Spiel noch eindrücklicher zu gestalten. Amerikanische Kritik des, bereits aus „The Blindside“ bekannten Regisseurs John Lee Hancock am amerikanischen Wirtschaften ohne Beschönigung und Schnickschnack.

Ist was für: Kapitalismuskritiker*innen und Keaton-Fans
Besser nicht: Adrenalinjunkies

Gastautorin: Francesca Carola


Im Scala ist der Film zunächst bis zum 3. Mai 2017 zu sehen. Hier geht’s zu den Spielzeiten.

Bundesweiter Filmstart war am 20. April 2017.

 

25. April 2017

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