Transparenz in der Forschung
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Transparenz in der Forschung

Woher kommt das Geld für die Forschung an der Leuphana? Eine Liste gibt erstmals Auskunft über die Firmen, die Geld für Forschung in die Leuphana stecken.

Geld regiert die Welt. Und auch die Uni? / (C) flickr - 401(K) 2012
Geld regiert die Welt. Und auch die Uni? / (C) flickr – 401(K) 2012

Transparenz in der Forschung

Die Leuphana veröffentlicht erstmals eine Liste der drittmittelfinanzierten Projekte. Dies geschah aufgrund der Leitlinie zur Transparenz in der Forschung vom Ministerium Wissenschaft und Kultur (MWK) und der Landeshochschulkonferenz.

Die niedersächsischen Hochschulen haben sich im Hochschulentwicklungsvertrag von Ende 2013 verpflichtet, Transparenz in der Forschung zu gewährleisten, indem sie eine öffentliche Auseinandersetzung um Forschungsaufträge, Forschungsgegenstände und die Abschätzung potenzieller Folgen bei der Anwendung von Forschungsergebnissen durch den allgemein möglichen Zugang zu Ergebnissen öffentlich geförderter Forschungsvorhaben ermöglichen.

Im Februar 2015 entstanden dazu die gemeinsamen Leitlinien des MWK und Landeshochschulkonferenz, welche die Zielsetzung zur Veröffentlichung konkretisieren. Die Leitlinien geben Forschern etwas an die Hand, um Risiken und ethisch bedenkliche Folgen ihrer Arbeit zu erkennen, zu bewerten und soweit wie möglich zu mindern. Weiterhin konzentrieren sich die Leitlinien auch auf die erforderlichen Rahmenbedingungen, die Forschungsinstitutionen zu schaffen haben, um eine möglichst große Transparenz in der Forschung zu gewährleisten.

 

Umsetzung an der Leuphana

Bereits vor diesen Leitlinien gab es den Forschungsindex „FOX“, der die Forschungsleistungen für Projekte bis 2009 und Publikationen bis 2000 enthält.

Durch die neuen Leitlinien muss zusätzlich bis zum 31.03. eines Jahres die Liste der laufenden drittmittelfinanzierten Projekte mit Forschungsbezug mit dem Stichtag 01.12. des Vorjahres veröffentlicht werden. Die Liste muss auf der Website der Einrichtung veröffentlicht werden. Die Leuphana hat diese Liste Anfang April veröffentlicht.

Screenshot der Leuphana Webseite zum Thema Forschungsdatenbank / (C) Christopher Bohlens / Leuphana Uni Lüneburg
Screenshot der Leuphana Webseite zum Thema Forschungsdatenbank / (C) Christopher Bohlens / Leuphana Uni Lüneburg

An der Leuphana werden die Aufgaben zum Thema Forschungsethik, die sich aus der Leitlinie zur Transparenz in der Forschung ergeben, von der bereits etablierten Senatskommission für Forschung wahrgenommen. Diese koordiniert das gesamte Themenspektrum Forschung und alle Querschnittsfragen der Forschungsethik. In der Senatskommission für Forschung sind alle Statusgruppen inkl. Studierende vertreten.

Der Ethik-Beirat, der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Planung und Vorbereitung von Forschungsvorhaben zu ethischen Fragestellungen berät und auf Antrag Stellungnahmen abgibt, berichtet über seine Tätigkeit an die Senatskommission für Forschung. Im Ethik-Beirat sind keine Studierenden vertreten, sondern – wegen seiner Beratungsaufgabe – nur erfahrene Forschende.

Studierende sind vertreten in der Kommission zur Untersuchung von wissenschaftlichem Fehlverhalten (sog. Ethik-Kommission). Sie überwacht die Einhaltung der Regeln zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und entscheidet, ob die vorgebrachten Fälle zu wissenschaftlichem Fehlverhalten zählen.

 

Überwachung

Da auch an anderen Universitäten private Interessen die Unabhängigkeit der Wissenschaft gefährden, sammelt die Webseite „Hochschulwatch.de“ Fälle von zweifelhaften Kooperationen zwischen Wirtschaft und Forschung. Beiträge können dort eingereicht werden. Vor der Veröffentlichung der Beiträge werden sie durch die taz geprüft. Die Gründung dieser Webseite wurde von Transparency International Deutschland, dem fzs und der taz gemeinsam initiiert. Es sind genügend Beispiele für Kooperationen mit der Wirtschaft vorhanden. So wurde an der FH Würzburg die Aula mit einem Firmennamen versehen, an der Uni Köln finanzieren Energiekonzerne wie RWE und E.ON ein „Energiewirtschaftliches Institut“ und an der Uni München gibt es ein „Zentrum für Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht“, das ausgerechnet von Arbeitgeberverbänden finanziert wird. Einige Kooperationen an den rund 400 Hochschulen in Deutschland sind nicht bekannt. Nicht überall gibt es entsprechende Veröffentlichungspflichten.

Auch die Leuphana findet sich in diesem Portal mit einigen Einträgen wieder. Einen erheblichen Anteil an der Startwoche 2011 hatten Wirtschaftsvertreter als Mitorganisatoren. BCG bot damals Informationsbroschüren an. Die taz berichtete.

Autor: Christopher Bohlens mit Material vom MWK – Hinweis: Der Autor kandidierte bei der Hochschulwahl auf einer Liste.

5. Juli 2016

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