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Studentische Prodekan*innen fehlen

Die neue Amtszeit für studentische Vertreter in akademischen Gremien wie Senat, Fakultätsrat und Studienkommissionen begann am ersten April. Aber  in nur einer Fakultät gibt es auch eine*n studentischen Prodekan*in. Wie sieht es aktuell an der Leuphana aus?

Ein*e Dekan*in für Studierende / ©Bild: Indiana Public Media

In der Fakultät Wirtschaftswissenschaften gibt es keine*n studentische*n Prodekan*in. Auf Anfrage von Univativ teilte die Fachschaft BEM mit, welche mengenmäßig die meisten Studierenden vertritt, dass sich derzeit nichts in Planung befinde. Zu dem gleichen Ergebnis kommt der Fachschaftsrat Wirtschaftspsychologie.  Keine Antwort gab es vom Fachschaftsrat Rechtswissenschaften. Und auch die Fakultät Nachhaltigkeit besitzt keinerlei studentische*n Prodekan*in.

Innerhalb der Fachschaft Bildung – die ca. 90 % aller Studierenden der Fakultät vertritt – wurde sich sogar dafür ausgesprochen keine studentischen Prodekan*innen vorzuschlagen. Eine andere Lösung fand sich hier gemäß § 12 Absatz 2 Satz 3 der Grundordnung der Leuphana (Gazette 37/17); die besagt, dass diejenige Statusgruppe, die nicht mit einem Mitglied im Dekanat vertreten ist, stattdessen Vertreter*innen mit beratender Stimme entsenden darf. Dafür hat die Fachschaft Bildung ein Mitglied und zwei Stellvertreter*innen entsandt. (Update 10.05.2017: Die Fachschaft Bildung hat ein Mitglied und vier Stellvertreter*innen mit Stand vom 12.04.2017 entsandt.)

Die einzige Fakultät, die derzeit eine studentische Prodekanin besitzt, ist die Fakultät Kulturwissenschaften mit Marina Sahnwaldt, die ihr Amt seit April 2015 ausübt. Nach Angaben der Fachschaft Kulturwissenschaften setzt sie sich gut für die studentischen Interessen ein.

AUFGABEN UND FUNKTIONEN

Doch was zeichnet eigentlich eine*n studentische*n Prodekan*in aus? Ex- studentischer Prodekan Adalbert Pakura erläutert, dass man nicht nur vertiefte Einblicke in die Fakultät erhält, sondern als vollwertiges Mitglied im Dekanat gesehen wird. Hierzu gehören die wöchentlichen Sitzungen (Jour-Fixe) der Prodekan*innen mit dem*der jeweiligen Dekan*in zusammen, um aktuelle Entscheidungen in der Fakultät vorzubereiten und zu treffen. Bei dieser Gruppe wird stets vom „Kollegialen Dekanat“ gesprochen. Neben der Teilnahme an den Sitzungen des Fakultätsrats gehören auch die Vorbesprechungen eben dieser Sitzungen. Weiterhin besteht ein enger Kontakt zu den Mitgliedern in der Fakultät, wie den Professor*innen, Wissenschaftlichen Mitarbeitern und dem Verwaltungspersonal. Regelmäßig fänden auch Sitzungen mit den Dekanaten und dem Präsidium statt, an denen auch Pakura damals als studentischer Prodekan teilnahm. Hier ging es auch immer darum die studentische Perspektive einzubringen, wie er betont. Schon damals wurde diese Stelle aber an nur an einer Fakultät ausgeübt.

ein Rückblick

Im Gespräch mit der Univativ erzählt Adalbert Pakura (derzeit Lehrkoordination im Entrepreneurship Hub) von seiner Erfahrung als studentischer Prodekan. Mit Beginn des Bachelors Bildungswissenschaften 2005 an der damaligen Fakultät Bildungs-, Kultur- und Sozialwissenschaften, hat sich Pakura recht früh als Studierendenvertreter, als Fachgruppenvertreter und innerhalb der Fachgruppe engagiert. Wie auch heute, konnten damals maximal fünf FGVen gewählt werden, wurden jedoch von deutlich mehr Studierenden in der Fachgruppe unterstützt. Damals war die Struktur der Universität noch völlig anders, denn die Fusion der Fachhochschule Nordostniedersachsen mit der Universität Lüneburg war gerade vollzogen. Der Name Leuphana war noch weit entfernt, genauso wie die Schools. Die Universität fand sich in einem großen Umbruch, so wurden auch die Fakultäten durch Fusion, Neueinrichtung und Auflösung verändert.

Durch den damaligen Fakultäts-Dekan sowie den professoralen Prodekan*innen kam es 2006 schließlich dazu, dass auch ein Posten für eine*n studentische*n Prodekan*in eingerichtet wurde. Der damalige Dekan hatte sich hiervon bessere Vernetzung und effektiveren Informationsfluss versprochen. Zudem sollte die studentische Perspektive besser vertreten werden. Insgesamt standen damals zwei Studierende zur Wahl, wie sich Pakura erinnert. Er war es, der schließlich vom Fakultätsrat gewählt wurde.

 Gut für die Persönlichkeitsentwicklung

Zurückblickend betont Pakura, dass es eine spannende Zeit war, gerade weil sich so viel im Umbruch an der Universität befand. Weiterhin war es ihm möglich viel Input und die Bedürfnisse der Studierenden weiterzugeben. Die Diskussionen dauerten zwar oftmals bis spät in den Abend, aber immer fühlte er sich als ein vollwertiges und gleichberechtigtes Mitglied, wie er erzählt.

Neben der starken Vernetzung in der Fakultät, gehöre auch der Kontakt zu den FGVen, Fachgruppen und dem AStA dazu. Auch viele Studierende hätten ihn direkt mit Vorschlägen und Problemen angesprochen. Ihm war es dann möglich diese auf kurzem Wege einzubringen.

Der Arbeitsaufwand wird mit circa fünf Stunden pro Woche beziffert – ehrenamtlich. Zu einer Studienzeitverlängerung kam es bei Pakura dadurch jedoch nicht, wie er sagt. Aber der Job als Prodekan bot für das spätere Berufsleben viele Vorteile: „Ich konnte Einblick Strukturen erhalten und lernte Verhandlungsführung und Feingefühl für politische Prozesse zu entwickeln.“ Für die Zukunft wünscht Adalbert Pakura sich, dass die Stelle institutionalisiert wird.

Autor: Christopher Bohlens

2. Mai 2017

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