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Spoun 2.0?

Im Jahr 2012 steht die Präsidentenwahl an. Kaum jemand hat die Leuphana so bewegt wie Sascha Spoun und kaum einer steht so in der Kritik wie unser Hochschulpräsident. Umso interessanter ist die Frage, wer die Uni nach dem Ende seiner ersten Amtszeit im kommenden Jahr weiter führen wird.

Insgesamt sind es 8250 Personen, verteilt auf vier Fakultäten und die Verwaltung, in 30 Gebäuden auf einer Fläche von 57.302,27m². Allein im College sind es etwa 130 Kombinationsmöglichkeiten von Haupt- und Nebenfächern. Es ist aber auch ein Etat von circa 79,1 Mio. € im vergangenen Jahr, mit dessen Hilfe „Eine Universität für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts“ verwirklicht werden soll. All das gehört zu unserer Universität, und über all das wacht ein Mensch: Der Präsident. Sascha Spoun.

Darüber hinaus entscheidet Spoun beispielsweise über die Verwendung der Studiengebühren mit und hat Einfluss auf die Anzahl der Studierenden. Seit Mai 2006 ist Prof. (HSG) Dr. oec. Sascha Spoun als Präsident der Leuphana Universität Lüneburg im Amt. Gewählt werden HochschulpräsidentInnen in ihrer ersten Amtsperiode für sechs Jahre, in jeder nachfolgenden für acht Jahre. 2012 läuft Spouns erste Amtszeit aus.

Bis jetzt hat unser Präsident an der Uni einiges bewegt. Die „Universität Lüneburg“ bekam den Namenszusatz „Leuphana“. Ab 2007 wurden zunächst der Leuphana-Bachelor, dann der entsprechende Master und schließlich die berufsbegleitende Professional School eingeführt. Die Studierendenzahlen wurden von circa 10.000 auf aktuell circa 7000 begrenzt und der Standort Suderburg an die „Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften“ abgetreten. Trotz anhaltender Widerstände wurde das neue Zentralgebäude geplant. Aber auch jetzt merkt man immer noch den Wandel, den der Münchener mitbringt: Die Bachelor-Studiengänge werden immer weiter entwickelt und die bestehenden Kasernengebäude in der Scharnhorststraße teilweise ausgebaut. Auf dem ehemaligen Mensaparkplatz entsteht ein Parkhaus. Sascha Spoun ist ein sehr beschäftigter Mann. Darüber hinaus kommen aber auch immer wieder Gerüchte darüber auf, was in Zukunft geschehen wird. Wird das Lehramt doch noch eingestampft? Was geschieht mit den Studiengängen, die auf dem zum Verkauf stehenden Campus Volgershall beheimatet sind? Muss die Mensawiese irgendwann dem nächsten Libeskind-Bau weichen?

Insofern ist es hochschulpolitisch durchaus interessant, wer die Uni in den kommenden Jahren ab Mai 2012 leiten wird. Genauso wie zur Zukunft der Leuphana gibt es auch über das Präsidentenamt Halb-Wahrheiten und Gerüchte, die der Erläuterung bedürfen. Wird das Präsidium bei einer guten Flasche Wein Freitagabends besprechen, wer als bester Kandidat in Frage kommt? Nun, selbst wenn sie es täten: So einfach ist es dann doch nicht. Aber wie läuft die Präsidentenwahl an unserer Hochschule überhaupt ab?

Das Niedersächsische Hochschulgesetz sieht vor, dass sowohl der Stiftungsrat als auch der Senat ein Mitspracherecht haben, was den zukünftigen Präsidenten angeht. Beide Gremien wählen jeweils drei Vertreter, die zusammen die Findungskommission bilden. Aufgabe dieser Kommission ist es, die Ausschreibung der Stelle vorzunehmen, einen Kandidaten auszuwählen und vorzuschlagen. Dieser Vorschlag geht an den Stiftungsrat und den Senat zurück. Beide Gremien stimmen dann über den Kandidaten ab.

So weit, so gut. Die Universitätsleitung ist also nicht in das Bestimmungsverfahren für den Präsidenten oder die Präsidentin eingebunden. Sollten sich Senat und Stiftungsrat allerdings nicht auf einen Kandidaten einigen können, sieht das Gesetz vor, dass der Stiftungsrat über das weitere Verfahren entscheidet und somit nicht die direkt gewählten VertreterInnen der Uni.

Da Sascha Spoun bereits im Amt ist, würde im Falle einer Verlängerung seiner Amtszeit zunächst ein anderes Verfahren angewandt. Denkbar wäre, dass keine Ausschreibung der PräsidentInnenstelle statt findet. Dadurch ist es Hochschulen möglich, einfach ihren Präsidenten bzw. ihre Präsidentin weiter zu behalten, sofern sie dies möchten. Dafür müssten an der Leuphana wiederum der Senat und der Stiftungsrat zustimmen. Gibt es darüber keine Einigung, so greift wieder das Verfahren einer öffentlichen Ausschreibung mit dem Schluss, dass der Stiftungsrat letztendlich bei Uneinigkeit wieder über das weitere Verfahren entscheiden könnte.

Die Frage ist also einerseits, ob Spoun weiterhin Präsident der Leuphana sein möchte und andererseits, ob man ihn wieder ernennen würde. Seine Arbeit an unserer Uni wird jedenfalls sehr unterschiedlich aufgenommen. Die einen kritisieren, dass zu viel Wert auf Ökonomisierung und die Etablierung der „Marke Leuphana“ gelegt wird, das neue Hauptgebäude lediglich ein Prestigeobjekt sei und die Unileitung zu wenig auf Kritik eingehe, ihre Arbeit nicht transparent genug sei. Auf der anderen Seite wird es positiv gesehen, dass Spoun eine Vision für die Leuphana hat und diese auch voran treibt, dass man sich im Präsidium nicht von den gesteckten Zielen abbringen lässt und weiterhin darum bemüht ist, die Forschung und Lehre der Leuphana weiter zu entwickeln. Doch ob man nun die Unientwicklung für elitäres Gehabe hält oder sie auf dem richtigen Weg sieht, eines ist klar: Spoun hat die Uni stark bewegt und wird dies auch in Zukunft tun. Die Frage ist nur, wie lange noch.

Wie Spoun selbst dazu steht, wissen zurzeit wohl nur wenige. Er selbst ist auf jeden Fall Profi genug, um es noch länger spannend um seine Zukunft zu machen, denn „derzeit sind eine ganze Reihe wichtiger Sachthemen im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung der Leuphana zu bearbeiten. Diese stehen im Vordergrund meiner Arbeit. Personalfragen, die sich z.B. mit Blick auf das Ende meiner Amtszeit im April 2012 stellen, werden zu gegebener Zeit zu erörtern sein“, so unser Präsident auf Nachfrage der Univativ. Wie gesagt: Sascha Spoun ist sehr beschäftigt.

Von Pascal Schäfer

Nach Redaktionsschluss fand eine Senatssitzung zur (Wieder-) Wahl von Präsident Spoun und Vizepräsident Keller statt, die in diesem Artikel leider nicht mehr berücksichtigt werden konnte. Aktuelle Informationen findet ihr auf der Homepage des AStAs und in der nächsten Univativ.

30. April 2011

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