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So, wir müssen uns jetzt etwas beeilen

KuWi-USA-Exkursion im März 2010. Lichtblicke in dem oft trüb-theoretischen Alltag wissenschaftlicher Einrichtungen sind seit jeher Exkursionen. Schnöde und unauffällig unter Titeln wie „Lehrforschungsprojekt“ und „Feldforschungsseminar“ verpackt, treten sie aus der Staubigkeit des Studiums hervor und verschaffen den Mitreisenden konkrete Berührung mit dem Lehrgegenstand.

Ein solcher Lichtblick wurde im März knapp 60 Studierenden aus Seminaren von Prof. Volker Kirchberg und Andreas Heinen zuteil. An der Ostküste der USA, in New York City, Philadelphia und Washington, D.C., widmeten sie sich einerseits den Vermittlungsmethoden und der Zielgruppenansprache unterschiedlicher Museen, andererseits der Finanzierung von Kultureinrichtungen aller Art während der Finanzkrise. Hierzu muss gesagt werden, dass sich Kultur in den USA größtenteils nicht-staatlich finanziert, also durch Fundraising, private Stiftungen und Eigeneinnahmen. Eine wichtige staatliche Unterstützung stellen zwar die Städte mit ihren Kulturbudgets und „National Endowment for the Arts“ dar, der einzigen Kulturfördereinrichtung der USA auf Bundesebene. Jedoch sind beispielsweise die Mittel dieser föderalen Instanz leidvoll gering; lediglich 120 Millionen Dollar stehen jährlich für das ganze Bundesgebiet bereit.

Etwa 25 verschiedene Kultureinrichtungen hat die Gruppe in zwölf Tagen besucht, um einen Blick hinter Foyer, Bühne oder Ausstellungsbereich zu werfen. Glücklicherweise ließen sich in fast allen Häusern Mitarbeiter finden, die dieses Projekt unterstützen wollten und sich für Gesprächsrunden und Einzelinterviews bereit erklärten. Auf diese Weise konnten alle Studierenden ihr Pflichtinterview durchführen, mal mit einem Director of Education bei den New York Philharmonic, mal mit einer Director of Marketing im US Holocaust Memorial Museum. Dabei waren Konzert- (Carnegie Hall), Theater- (York Theater) und Opernhäuser (NYC Opera) sowie Orchester (NY Philharmonic), kurzfristig sogar ein Ballett (Washington Ballet) und öffentliche Zuständigkeiten (Cultural Department of NYC). Das große Angebot an Museen gab zudem die Möglichkeit sowohl Kunst- (MoMA), Geschichts- (National Museum of American History), Naturkunde- (Museum of Natural History) als auch Kindermuseen (Brooklyn Children’s Museum) kennen zu lernen.

Auch wenn die Auswertung der Interviews erst noch bevor steht, kann man absehen, dass die US-amerikanische Kulturszene sich mit gesteigerten Abhängigkeiten und Einschränkungen konfrontiert sieht, was nicht zuletzt die Mitarbeiter und die Programmvielfalt belastet beziehungsweise reduziert. In den Museen konnte man größtenteils die Erfahrungen machen, dass trotz fortschrittlicher Marketingstrategien, kostspieliger Ausstellungsdesigns und Bildungsprogrammen auch in den USA noch nicht die breite Bevölkerung ins Museum gelockt werden kann. Weitaus erfolgreicher als in Deutschland werden jedoch Community Museen betrieben, die bestimmten ethnischen, geografischen oder sozialen Gruppen gewidmet sind, wie das National Museum of the American Indian.

Neben einem großen Kompliment an die Gruppe für Ihre Energie geht ein großer Dank an alle Einrichtungen, die uns freundlich empfangen haben.

Von Johannes Engelke und Nina Mende

2. November 2010

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