Smartphoneabhängigkeit – Was uns verloren geht
Ausprobiert, Titelblatt

Smartphoneabhängigkeit – Was uns verloren geht

In einer Zeit der ständigen Erreichbarkeit und Präsenz des Smartphones im Alltag wird die Abhängigkeit von unserem täglichen Begleiter nicht gerade selten kritisiert.

Man selbst tritt zurück / (C) pixabay - janeb13
Man selbst tritt zurück / (C) pixabay – janeb13

Obwohl der Blick aufs Handy bei vielen von uns die erste und letzte Bewegung des Tag darstellt, bin ich mir ziemlich sicher, dass sich die meisten zwar ein Leben ohne ihr Smartphone nicht mehr vorstellen können, aber trotzdem von sich behaupten würden, auch ohne klarzukommen.

Ihr werdet es vermutlich kennen, immer einen „guten Grund“ dafür parat zu haben, das ständige Aufs-Handy-Gucken zu rechtfertigen. Einige Dinge haben sich schon fest in den Alltag integriert, wie das Nachsehen der Uhrzeit oder der Fahrzeiten von Bus und Bahn (die wir uns früher problemlos merken konnte, nun aber alle 2 Minuten vergessen). Was würden wir bloß ohne die zahlreichen Funktionen, wie Wecker, Kamera oder Rechner machen? Wie unser Leben vor Apps à la WhatsApp, Facebook, Instagram und Co. aussah, ist jetzt nicht mehr vorstellbar. Man kann feststellen, dass sich das Smartphone langsam aber sicher einen immer größeren Platz in unserem Herzen erschleicht.

Um diesem Verhalten auf den Grund zu gehen, begab ich mich auf eine dreitägige – nicht ganz freiwillige – Handyabstinenz. Nach dem der erste Schock – das Handy ist nicht in der Tasche! – überwunden war und sich langsam das Gefühl, das eigene Kind auf dem Spielplatz verloren zu haben, legte, beschloss ich, die Zeit ohne Handy und ständige Erreichbarkeit einfach zu genießen, was ehrlich gesagt gar nicht so einfach war. Das größte Problem war, dass ich mich ständig von der Außenwelt und meinen Freunden abgeschnitten fühlte, obwohl die räumliche Distanz zwischen uns noch immer dieselbe war. Früher, als es keine Smartphones gab, wäre das alles kein Problem gewesen, doch heute sind die meisten meiner Freunde nur noch per WhatsApp erreichbar und haben weder Facebook noch einen Festnetzanschluss. Nachdem ich ein paar Handynummern ausfindig machen konnte, stand einem gemütlichen Spieleabend jedoch nichts mehr im Wege. Letztendlich ist das Leben ohne Handy doch nicht allzu tragisch, solange man sich zu helfen weiß. Für die Zukunft merke ich mir, Handynummern in einem Adressbuch zu notieren, für den Fall der Fälle, dass ich mein Handy nochmal verlege, oder – gottbewahre! – verliere.

Zugegeben, diese Tage waren kein Zuckerschlecken, aber, wenn man sich erstmal drangewöhnt hat, nicht ständig nach dem nichtvorhandenen Handy zu greifen und auch die Phantombenachrichtigungssignale überwunden hat, ist es gar nicht mehr so tragisch. Ich hatte plötzlich, welch eine Überraschung, mehr Zeit zur Verfügung. Für Dinge und Menschen, die mir wirklich wichtig sind. Ich konnte zur Abwechslung mal wieder zu einem guten Buch greifen oder eine Runde nach draußen gehen und die ersten Sonnenstrahlen genießen, ohne schnell die Helligkeit des Displays hochstellen zu müssen, damit auf dem Bildschirm wieder etwas zu erkennen ist. Klar wäre es schön gewesen, mein Handy dabei zu haben, aber wozu eigentlich? Um einen schönen Moment mit anderen zu teilen? Um sich mit Freunden über die letzte Party zu unterhalten oder andere, zu diesem Zeitpunkt irrelevante Dinge zu beschnacken? Um die neusten Jodel zu checken und ja keinen zu verpassen? Ist es nötig, sich mit Musik zu beschallen und so die Eindrücke unserer Umwelt zu übertönen?

Es ist erstaunlich, wie viel Zeit wir durchschnittlich mit unseren Smartphones verplempern. Wie oft wir uns, statt „nur fünf Minuten“ zu gucken, nach zwei Stunden beim Ansehen stumpfsinniger Videos auf Youtube oder beim Googeln belangloser Begriffe ertappen. Und wie wir mit unserer Arbeit, sei es eine Hausarbeit, die wir schon längst hätten fertig haben wollen, oder dem Nachbereiten der Vorlesung, was wir uns zu Beginn des Semesters fest vorgenommen hatten, einfach nicht vorankommen. Macht es uns denn so viel Spaß, täglich unser Essen zu fotografieren, um es anschließend unter Hashtags wie #foodporn, #healthy oder #instafood zu posten? Auch wenn das natürlich nur die extreme Form der Smartphoneabhängigkeit darstellt.

Daher kann ich jedem empfehlen, das Handy ab und an auszuschalten oder einfach Zuhause zu lassen. Es schadet definitiv nicht, man bekommt einen klaren Kopf und kann sich besser fokussieren.

Autorin: Sophia Mahnke

20. April 2016

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