Sechs Dinge, die du als Barfrau auf einem Festival lernst
Ausprobiert, Titelblatt

Sechs Dinge, die du als Barfrau auf einem Festival lernst

Tresen-Kraft auf einem Festival ist eindeutig der coolste aller Sommerjobs. Du kommst für lau auf tolle Konzerte, erlebst eine einzigartige Atmosphäre und lernst fürs Leben.

Ganz normale Festival-Situationen / (c) Stig Nygaard, flickr.com
Ganz normale Festival-Situationen / (c) Stig Nygaard, flickr.com

1. Sei charmant! 

„Tolles Shirt trägst du, ich liebe diese Band“, „Ganz viel Spaß euch noch. Und schaut mal wieder vorbei!“. Sowas hört jeder gerne, oder? Dann sag es. Mach Witze und ehrlich gemeinte Komplimente und nimm dir Zeit für einen kleinen Schnack, wenn nicht viel los ist. So hast du am meisten Spaß an deinem Job und die Trinkgeldkasse füllt sich von alleine.

2. Hygiene wird überbewertet 

Eine Festivalbar hat keinen Wasseranschluss und kein Waschbecken. Wenn du mal zur Toilette musst, drängelst du dich bei den Besuchern vor. Also wäschst du dir ab und zu mit dem Mitarbeiterwasser, das eigentlich zum Trinken gedacht ist, die Hände. Die Tatsache, dass du beim Abkassieren circa dreißig Hände pro Stunde berührst, die an Orten gewesen sind, die sich jeder selbst ausmalen kann, ignorierst du einfach gekonnt. Du findest das ekelig? Überleg mal, wie oft du dir deine Hände gewaschen hast, bevor du dir den rausgelaufenen Käse deines Handbrot mit den Fingern in den Mund gestopft hast!

3. Ehrlichkeit zahlt sich aus 

„Zwei Bier, einen Gin Tonic, einen Whiskey mit Fanta, ein Alster und zwei Wodka-Bull, bitte“. Kein Problem! Ich brülle die erste Hälfte der Bestellung an meine Kollegin weiter und mache die zweite Hälfte selber. Dann rechne ich ab. Ein Getränk fehlt noch. Innerlich gehe ich die Liste nochmal durch. Verdammt, ich hab einen Longdrink zu viel berechnet. Ich stelle den letzten Wodka-Bull auf die Theke und lege sechs Euro daneben. „Sorry, ich hab euch aus Versehen zu viel berechnet“

„Geil, dass du so ehrlich bist“, sagt die Frau mit dem Blumenkranz auf dem Kopf und schiebt mir das Geld wieder rüber.

4. Pöbeleien darf man ignorieren 

„Da ist zu wenig Wodka drin, Süße!“, „Ihr rechnet doch absichtlich alles falsch und nehmt den Rest als Trinkgeld, ohne zu fragen!“. Wenn du sowas hörst, hilft nur eins: Einatmen, ausatmen, lächeln und erklären. „Die Flaschen sind alle mit einem geeichten Aufsatz versehen“, „Es tut mir sehr leid, aber bei drei Bestellungen mit sechs verschiedenen Getränken kann man schon mal durcheinanderkommen. Das ist ganz sicher keine Absicht“. Wenn das nichts hilft, einfach weitermachen. Der Besucher hat durch den Pegel eh eine eher begrenzte Aufmerksamkeitsspanne. Sicher wird er in der nächsten Minute von Flunky Ball, Brüsten, oder Viva con Aqua abgelenkt.

5. Selbst wenn das Bier alle ist, geht die Welt nicht unter 

Es ist 23:00 Uhr abends. Der Headliner hat gerade nach der vierten „allerletzten“ Zugabe die Bühne verlassen. 3000 Leute strömen zu den Partyzelten und kleinen Tanzflächen. 3000 Leute sind durstig. 3000 Leute wollen Bier. Meine Kollegin hat gerade die letzte Flasche Becks in einen gebrandeten Plastikbecher umgefüllt und jetzt ist das Bier alle. Mit einem entschuldigenden Lächeln auf den Lippen erkläre ich der aufgekratzten Meute, dass sie sich bitte etwas anderes aussuchen sollen. „Wie, wir sind auf einem Festival und es gibt kein Bier mehr?“, macht sich der erste lustig. Ein analoger Shitstorm bricht aus und ich habe das Bedürfnis, mich neben die Pfandkiste in die Ecke zu setzten. Nach einem Moment der Scham suche ich nach Leuten, denen ich einen Jacky-Cola mixen kann. Das Leben geht weiter.

Auch Festivalbarfrauen dürfen mal genießen / (c) (c) Carol C., flickr.com
Auch Festivalbarfrauen dürfen mal genießen / (c) (c) Carol C., flickr.com

6. Dein Job ist schon ganz cool 

Je nachdem, wie dein Arbeitgeber so drauf ist, wirst du einige Vorteile genießen. Du schläfst auf einem separaten Mitarbeitercampingplatz, auf dem du mit ein bisschen Glück tatsächlich auf volle sechs Stunden Schlaf kommst. Außerdem wirst du mit Brötchen und Rührei zum Frühstück und Pizza zum Mittag versorgt. Manchmal sind sogar Mitternachts-Crepes drin. Kommt sehr gut nach einer achtstündigen Schicht an der Main Stage. Rund um die Uhr heiße und nur zeitweise überfüllte Duschen haben auch was für sich. Und das Beste natürlich: nach getaner Arbeit kannst du mit deinem Mitarbeiterbändchen an der ewig langen Schlange vorbei gehen, den Security-Leuten kurz zunicken und bist auf dem Gelände, um deine Lieblingsband zu feiern. Leider wurdest du für eine Schicht eingeteilt? Kein Problem, tanzen geht auch hinter der Theke!

Autorin: Leonie Habisch

21. Juni 2016

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