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„Saraja und Morius“ – wie eine Idee zum Leben erwacht

Die neue Musicalproduktion des Theaterreferats. Zur schönsten Sommerzeit flog eine Idee wohlgelaunt mit den Bienen um die saftigen Gräser der sonnenfetten Rasenanlagen des Campusgeländes der Universitätsstadt Lüneburg. Beladen mit hochbrisanten Details flitzte sie von einem Halm zum anderen auf der Suche nach einem willigen Geist, der bereit war für eine Herausforderung nie dagewesenen Ausmaßes. Sie drehte und wendete sich, hüpfte und duckte sich. Und plötzlich da! Ein grellleuchtendes grünes Licht kam aus einem Fenster des Gebäudes 4. Nachdem die Sicherheitsanlage umgangen wurde, schwirrte die Idee aufgeregt in dem Zimmer umher. Ganz deutlich sah sie nun das in grün getauchte Mädchen. Trotz wunderschönem Sommerwetter stützte sie sich blass und erschöpft auf ihr Klavier. Keine Melodie wollte ertönen. Nur ein Geklimper, wahllos zusammengewürfelte Noten konnte man hören. Was sollte sie nur machen? Welchen Gedanken erwecken? Welchen näher betrachten? Tanz und Gesang. Ganz klar. Freundschaft und Abenteuer. Ja! Stein auf Stein. Aufgeregt wie nie zuvor schoss die Idee plötzlich vorwärts und hätte man die Fähigkeit, die Sensation einer Idee wahrzunehmen, wäre man nicht mehr aus dem Staunen herausgekommen. Gold grün, blau, silberfarben, rot, violett, bernsteinfarben. Sie leuchtete in allen Farben und hüllte das Mädchen vollkommen ein.

Einen Moment lang geschah nichts. Auch im Moment danach geschah nichts. Dann bewegten sich ein kleiner Finger und ein Ringfinger. Und dann die ganze rechte Hand. Hin und her. Oben und unten. Schwarz und weiß. Eine Stimme ertönte und – es schien wie aus heiterem Himmel – fing das Mädchen an zu singen. Sicher reihte sie Worte aneinander, stapelte Sätze und sprang zum nächsten Absatz. Wohin mit all den Gedanken. Dort auf Papier. Als sie den Stift wieder aus der Hand legte, war es einmal mehr Nacht geworden und einmal mehr war die Sonne aufgegangen. Die Idee hatte ihre Arbeit getan und schwankte ins Freie, um sich auszuruhen und nach einem neuen Licht Ausschau zu halten.

Ganz anders das Mädchen. Es packte ein gigantisches Notizbuch und schrieb die weiteren Schritte auf. Sie hatte Rollen zu vergeben, Musiker zu finden, mögliche Aufführungsorte zu sichten. Ein Märchen war entstanden. Druckreif für die Bühne. Ein Musical mit Tanz und Gesang, von Freundschaft und Abenteuer. Da gibt es Saraja und Jono, die unter einer Brücke leben und sich die leckeren Auslagen der Stadtgeschäfte meist nur von außen ansehen können. Es gibt die drei Schwestern Chérie, denen diese Geschäfte gehören. Eine Statue, Stein auf Stein, die jedes Jahr zur weihnachtlichen Mitternachtsstunde ihre Geschichte erzählt. Die Geschichte des Jungen Morius, der den Kummer der Stadt vertreiben wollte und von der bösen Königin Schija verflucht wurde. Es ist eine Geschichte im Märchen, in dem Jono und Saraja Morius befreien wollen.

Natalie Serfözö (Die Autorin schreibt im Auftrag des Theaterreferates.)

3. April 2008

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