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Rosige Zeiten in Lüneburg

Auf den Spuren von „Rote Rosen“: Eine Serie erobert die Hansestadt

„Achtung Dreharbeiten“. Den meisten Lüneburgern dürften die Schilder mit dieser Aufschrift inzwischen bekannt vorkommen. Ob auf dem Marktplatz oder vor der eigenen Haustür: Seit die ARD-Serie „Rote Rosen“ in Lüneburg gedreht wird, hat fast jeder schon einmal die Dreharbeiten beobachten dürfen.

Noch zum Serienstart 2006 wurde die Frage laut, wer denn noch eine schnulzige Hausfrauenserie brauche, wo schon dutzende mehr oder weniger erfolgreiche Formate dieser Art im Fernsehen laufen. Mittlerweile ist die Serie jedoch ein echtes Erfolgsprodukt. Über 450 Folgen flimmerten bisher über den Bildschirm und gerade wurde beschlossen, die Laufzeit bis 2010 zu verlängern. Dabei erreicht die Serie laut ARD durchschnittlich 1,5 Millionen Zuschauer am Tag. Besonders Frauen jenseits der 40 können sich mit der jeweiligen Hauptdarstellerin, die in jeder Staffel wechselt und in ihrem Alter ist, gut identifizieren. Aber auch zahlreiche Kommilitonen sitzen montags bis freitags pünktlich um 14:10 Uhr vor dem Fernseher. Natürlich nur wegen der schönen Aufnahmen von Lüneburg.

Und nicht nur im Nachmittagsprogramm, auch im Lüneburger Stadtbild hat die Telenovela einen festen Platz eingenommen. Wer sich aufmerksam umsieht, kann vielerorts die Spuren der Serie entdecken. Im Café an der Ecke beweisen gerahmte Autogrammkarten, dass einige Rote-Rosen-Darsteller hier schon einmal ihren Kaffee getrunken haben. An den Straßenlaternen wurde die „Rote-Rosen-Stintskulptur“ von der „Rote-Rosen-Hansekogge“ abgelöst. Und war der Typ vorhin beim Bäcker nicht einer der Darsteller?

Des Weiteren gibt es in der Touristeninformation am Rathaus zahlreiche Fanartikel zu kaufen. Vom T-Shirt über Kugelschreiber bis hin zur Rosenseife ist alles dabei. Die Artikel sind sowohl unter Lüneburgern als auch unter auswärtigen Rosenfans, die einen Tag oder ein Wochenende in der Stadt ihrer Lieblingsserie verbringen und ein Souvenir mit nach Hause nehmen möchten, heiß begehrt. Für sie gibt es zahlreiche weitere Angebote: Eine Rote-Rosen-Stadtführung zu den Originalschauplätzen, das „Rosen-Mittagessen“ oder gleich das Rote-Rosen-Wochenende im Hotel Bergström, das in der Serie unter dem Namen „Drei Könige“ eine zentrale Rolle spielt. „Unsere Angebote werden sehr gut angenommen. Die Serie animiert viele Fans, einmal nach Lüneburg zu kommen“, sagt Nina Heppner von der Lüneburg Marketing GmbH. So wirkt sich die Serie auch positiv auf den Lüneburger Tourismus und die Wirtschaft aus. Und auch die Bankkonten einiger Studenten profitieren: Als Komparse bekommt man neben hautnaher Fernseh-Erfahrung auch noch etwas Geld.

Wie viele Fans die Serie mittlerweile hat, zeigt sich nicht nur an den innerhalb kürzester Zeit ausverkauften Studioführungen. Auch am „Tag der offenen Tür“ in den Rosen-Studios am 2. November herrschte großer Andrang. Über 3000 Besucher kamen, um die Stars am Waffelstand oder als Rockband auf der Bühne hautnah zu erleben. Viele der Schauspieler waren ununterbrochen von Fans umringt und kamen zwischen Autogrammen und Fotos kaum zum Luft holen.

Fazit: Die Roten Rosen sind aus dem Lüneburger Leben nicht mehr wegzudenken. Sogar im Studium kann man sich mittlerweile mit der Serie beschäftigen: Im Seminar „Fernsehanalyse“, das im Magisterstudiengang Angewandte Kulturwissenschaften von Dr. Jan Pinseler angeboten wird, wird die Serie untersucht. So können sich auch die heimlichen Rosengucker unter den Studenten endlich zu ihrer Lieblingsserie bekennen. Ist ja schließlich für die Uni.
Christina Hülsmann

2. Februar 2009

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