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Qualitätskultur statt Kontrolle

Ein Interview mit Tim Loßnitzer vom Projekt Leuphana Lehrevaluation (LEva). Sie gehören mittlerweile zum Semesterende wie der Klausurenstress: Evaluationsbögen. In den Seminaren und Vorlesungen werden Fragebögen verteilt, in denen die Studierenden ihre Meinung zur Veranstaltung äußern. Univativ fragt nach, was eigentlich dahinter steckt.Univativ: Sie meinen, Studierende könnten die Kompetenz der Lehrenden nicht beurteilen. Warum gibt es dann Lehrveranstaltungsevaluationen (LVE)?
Tim Loßnitzer: Um Missverständnissen vorzubeugen: Studierende sind diejenigen, die definitiv Lehrveranstaltungen evaluieren sollen. Jedoch soll dies nicht mit dem Ziel geschehen, das Ausmaß der Lehrkompetenz oder die Qualität einer Lehrveranstaltung im Sinne von gut oder schlecht zu messen. Studierende können aber das konkret beobachtbare Verhalten des Lehrenden einschätzen und beobachtbares Verhalten kann man auch verändern.

Univativ: Wie soll das gehen?
TL: Die Lehrenden erhalten auf Basis der LVE von den Studierenden ein Feedback zu ihrem Lehrkonzept und zu ihrem Lehrverhalten. Unser Ziel ist es, dass sie dies mit in die Lehrveranstaltung nehmen und mit den Studierenden über mögliche Weiterentwicklungen diskutieren.

Univativ: Und was haben die Studierenden davon?
TL: Die Studierenden sehen, dass ihre Meinung ernst genommen wird. Sie können und sollen mit den Lehrenden in einen Dialog über die Lehre treten und können somit die Lehrveranstaltungen aktiv mit gestalten.

Univativ: Sollten Evaluationen dann nicht Pflicht werden?
TL: Zwang widerspricht unserem Feedbackansatz. Wenn Evaluationen als Zwang ausgefüllt werden, leiden die Ergebnisse. Wir wollen kein Kontrollinstrument schaffen, sondern eine Qualitätskultur entwickeln.

Univativ: Können Sie aus den Personencodes schließen, wer den Fragebogen ausgefüllt hat?
TL: Nein, die dazu nötigen Daten haben wir gar nicht.

Das Interview führte Christina Hülsmann.

2. November 2010

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