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Online-update aus dem Reich der Inkas

Auslandssemester in Peru. WordPress Blog – Eintrag 17.2.09 Ankunft in Lima
¡Hola! Erster Blogeintrag also… Bin mitten in der Nacht hier mit zwei Stunden Verspätung in Lima gelandet, um am Flughafen erst mal entsetzt festzustellen, dass das versprochene Abholungskomitee nicht da ist. Nachdem ich schon von gefühlten 120 Taxifahrern angequatscht wurde: „Taxi Taxi, Lady?”, bin ich nach einer viel zu rasanten und ziemlich gruseligen Fahrt durch die peruanische Dunkelheit in meinem Quartier angekommen. Ach ja, eine Cucaracha (span.: Kakerlake) habe ich am ersten Morgen auch schon vor der Zimmertür gehabt. Na, das kann ja heiter werden!

So oder ähnlich konnten meine Freunde und Familie alle paar Wochen im Internet von meinen Erlebnissen während meines Auslandssemesters in Peru lesen. Hierzulande ist das lateinamerikanische Land für viele unbekannt und exotisch. Auch ich hatte mein Austauschziel mehr nach sommerlichen Temperaturen als nach tiefgründigem kulturellem Hintergrundwissen ausgewählt. Peru ist nicht nur das Land der Panflötenspieler und Meerschweinbraten – nein, im Westen des südamerikanischen Kontinents ist die Mischung zwischen Moderne und Tradition wie ein spritziger Rumcocktail mit Limettensaft.

Seit mittlerweile eineinhalb Jahren bietet die Lüneburger Universität Studierenden die Möglichkeit, ein oder zwei Semester an einer privaten Universität in der Hauptstadt Lima zu lernen. Die Fakultät für Kommunikation, Tourismus und Psychologie der Universidad San Martín de Porres empfing bereits mehrere KuWi-Studierende. Auch für mich begann im letzten Februar das Abenteuer Peru.

Ganz untypisch auf die Minute pünktlich starteten meine vorwiegend praktischen und interaktiven Seminare, bei denen die Hausaufgaben (im Radiokurs) auch schon mal nach eingespieltem Jingle mit Kopfhörern und Mikro vorgetragen wurden. Vor Vorlesungsbeginn musste jedoch jeder Studierende erst am universitätseigenen Sicherheitspersonal vorbei. Die schicke und ganz moderne Fakultät passt nicht so recht in ihr Umfeld: Der berüchtigte Stadtteil Surquillo ist eher trist und arm. Die gläserne Fassade der San Martín steht im auffallenden Kontrast zu den schmutzigen Autowerkstätten ihrer Umgebung.

Von solchen krassen Gegensätzen gibt es in Peru viele. Das kann zum Einen erschrecken, zum Anderen ist es unheimlich spannend. So bietet sich damit die Möglichkeit, an langen Wochenenden dem versmogten Lima wahlweise zum Gletscherwandern, zum Surfen an den Tropenstand oder in Richtung Amazonas-Regenwald zu entfliehen. Peru ist etwa dreieinhalb Mal so groß wie Deutschland und aufgrund seiner Vielfalt beliebt bei Backpackern und Abenteuertouristen. Ein Highlight ist dabei auch das „Neue Weltwunder“, die ehemalige Inka-Stadt Machu Picchu, die – allerdings erst nach schnaufendem Aufstieg – einen grandiosen Blick bietet: Lamas grasen zwischen den Ruinen auf einem Bergplateau, umgeben von aus dem Tal hervorragenden Felsnadeln.

Neben Reisen und Unialltag ließ sich das peruanische Studentenleben in vollen Zügen genießen. Peruaner sind nicht nur unglaublich hartnäckig, wenn es um die Verkostung des Nationalcocktails Pisco Sour geht, sondern auch – für ihre Größe – erstaunlich trinkfest. Exzessive Grillabende und nächtelanges Clubhopping machten oftmals die morgendliche Seminarteilnahme zur Tortur. Doch ebenso regelmäßig haben meine Mitbewohner und ich im samstäglichen Morgengrauen hunderte Brötchen mit Marmelade bestrichen, um sie

anschließend zusammen mit Haferbrei an hungrige Kinder in einem der ärmsten Stadtteile Limas zu verteilen. Kontraste wie diese lassen die Luft anhalten, an Gerechtigkeit zweifeln, doch sie prägen leider immer noch das Bild des südamerikanischen Kontinents. Diese Momente sind dennoch wertvoller Teil meiner Auslandserfahrung, genau wie die internationalen Freundschaften und die vielen schönen und spaßigen Erlebnisse.

Von Kristin Koepke

17. Januar 2010

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