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Manche mögen’s heiß

Schweißtreibende Berufe in Lüneburg und Umgebung. Wer jeden Tag in einem zugigen Büro sitzt, in Lüneburg und Umgebung auch im Winter draußen arbeitet oder aus anderen Gründen gezwungen ist, jeden Tag im Zwiebellook der Kälte am Arbeitsplatz zu trotzen, bereut unter Umständen hin und wieder seine Berufswahl. Vielleicht wäre eine Entscheidung für einen der folgenden Berufe ja besser gewesen?

Höchsttemperatur: 40° C
Jobbezeichnung: Bäcker
Ein Job direkt neben einem heißen Ofen klingt im kalten norddeutschen Winter ziemlich verlockend. Auch Bäcker Matthias Dannemann aus Hatten findet die Arbeit im Winter eher angenehm. Im Sommer jedoch, wenn in der Backstube Temperaturen von durchschnittlich 25 bis 30 Grad herrschen, wird die Arbeit manchmal unerträglich. Denn das Backen ist körperlich anstrengend, vor allem dann, wenn die Temperatur vor dem Ofen auf um die 40 Grad steigt. Arbeitsbeginn in der Bäckerei ist immer um drei Uhr morgens. Dann werden zunächst Brot- und Brötchenteige hergestellt und zuletzt macht sich der Bäcker an den Kuchenteig. Gegen neun Uhr morgens beginnen dann die Vorbereitungen für den nächsten Tag, das heißt einzelne Teige werden vorbereitet, damit die Bäckerei auch am nächsten Tag wieder pünktlich öffnen kann.

Höchsttemperatur: 50° C
Jobbezeichnung: Siedeknecht
Zugegeben, ein aktueller Beruf ist der des Siedeknechts nicht, denn die Siedeknechte arbeiteten im Mittelalter in den Lüneburger Siedehütten. Die Sole, die durch Brunnen oder Schächte abgeschöpft wurde, wurde in bleiernen Pfannen über starkem Feuer bis auf ungefähr 70 Grad erhitzt. Der Betrieb in den unterirdischen Siedehütten lief rund um die Uhr. Tagsüber siedete der Söder, nachts stand der Höder zum Salzwenden an der Siedepfanne, bis das Wasser verdampft war und das Salz übrig blieb. Eine schweißtreibende Arbeit, zumal die Hütten, in denen es bis zu 50 Grad heiß war, über keinen Schornstein verfügten und somit ständig Rauch und Dampf durch sie hindurch zu den höher gelegenen Ausgängen zog. Die Sülfmeister waren übrigens die Besitzer der Pfannen und mussten sich somit nicht der Hitze in ihren Siedehütten aussetzen.

Höchsttemperatur: 60° C
Jobbezeichnung: Konstruktionsmechaniker
Schiffsteile reparieren und einbauen, das ist der Job von Jan Huebschmann. Seine Hauptaufgabe ist das Ausbrennen beschädigter Bauteile, in der Regel arbeitet er mit Schneidbrenner und Schweißkabel. Die Arbeit findet meist draußen statt und so kann es im Sommer durch die Strahlungswärme des Schneidbrenners längere Zeit bis zu 60 Grad warm werden. Schweißtreibend ist die Arbeit auch, weil schwere Schiffsteile und Geräte oft eigenhändig transportiert werden müssen. Angenehm ist dagegen die Arbeit mit dem Schneidbrenner im Winter.

Höchsttemperatur: 115° C
Jobbezeichnung: Studentische Aushilfskraft
Wer in einer Saunalandschaft seinem Nebenjob nachgeht, für den sind diese Temperaturen normal. Denn die studentischen Aushilfen sind bei ihrer Arbeit unter anderem für die Aufgüsse zuständig, auch in der Finnischen Sauna, die bei 95 Grad liegt. Hier wird zunächst das Wasser mit Aufgussmittel auf die heißen Steine gegossen und dann beginnt die eigentliche schweißtreibende Arbeit: das Wedeln mit dem Handtuch. Das kann je nach Aufguss und Anzahl der Gäste bis zu 15 Minuten dauern. Noch wärmer wird es für die Aushilfskräfte, wenn sie in die heißeste Sauna müssen, die es bis auf 115 Grad schafft. Aufgüsse gibt es hier aber nicht mehr und so müssen die Aushilfen nur äußerst selten – bei Problemen oder Notfällen – in diese Hitze.

Von Jelka Göbel

18. Januar 2011

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