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Macht mal anders!

Ein Kommentar zur Reform der Verfassten Studierendenschaft. „Die aus Studierenden bestehende Struktur-AG, berufen durch das Studierendenparlament (StuPa) der Leuphana Universität Lüneburg, arbeitet an einer Neuausrichtung der zentralen Organe der studentischen Selbstverwaltung, um diese fit zu machen für die Herausforderungen der Bologna- Reform.“ So oder ähnlich würde wohl eine Darstellung auf der Homepage unserer Hochschule klingen. Sie würde eine schöne Fassade skizzieren und die dahinter liegenden Probleme gut verstecken.

Doch wollen wir ehrlich sein: Bei der Struktur- AG handelt es sich aktuell um eine wechselnde Gruppe von durchschnittlich fünf Personen, die seit nunmehr knapp einem Jahr nicht wirklich von der Stelle kommt. Es wurde bereits auf Vollversammlungen, StuPa-Sitzungen und in vielen Arbeitsgruppentreffen über notwendige Reformen diskutiert. Doch was genau führt nun dazu, dass sich kaum KommilitonInnen für ihre Selbstverwaltung interessieren, geschweige denn für deren Reform?

Oft heißt es, die Studierenden von heute seien unpolitisch und wollen nur so schnell es geht wieder von der Hochschule weg. Ja und nein. Dass sie die Hochschule schnell wieder verlassen wollen, zeigt sich in vergleichenden Statistiken. Die reine Orientierung der Universität am Ziel der „Employability“ (fähig machen für den Arbeitsmarkt) führt dazu, dass dem eigentlich gleichwertigen Ziel der „Citizenship“ (Bildung mündiger BürgerInnen) keine Bedeutung mehr zugesprochen wird. Kein Wunder, dass Studierende, die sich bilden wollen, diese Institution schnell verlassen. Doch dass sie unpolitisch seien, ist eine famose Unterstellung. An der Uni Lüneburg gibt es Dutzende Initiativen, Hochschulgruppen, AStA-Referate und Fachschaften, in denen sich viele Studierende engagieren. Vielmehr mag sich die Art des Engagements geändert haben. Die Energien werden nicht in klassische Gremienarbeit investiert, sondern vielmehr in kurze Projekte. Nicht außer Acht zu lassen ist auch der große Anteil an festem Engagement außerhalb der Hochschule. Nichts desto trotz laufen an allen Orten an der Uni, an denen man aktiv sein kann, die Leute weg. Der Dachverband der Studierendeninitiativen befand sich kurzzeitig kurz vor der Auflösung, und aus dem angestrebten Dachverband der politische Initiativen ist bisher nichts geworden. Was ist also zu tun?

Es ließe sich natürlich auf entsprechende Reformen im Hochschulgesetz, oder gar eine sich von selbst verbessernde Diskussionskultur an der Uni warten. Oder es ließe sich das eigene Schicksal im wahrsten Sinne des Wortes „in die eigenen Hände nehmen“. Doch wie passt man eine komplexe Organisationsstruktur an? Es wird ein steiniger und schmerzvoller Weg werden, der vor allem zur Selbstreflexion und damit zur Diskussion über Probleme vor der eigenen Haustür einlädt. Sicherlich ist es immer leicht zu sagen „blödes Präsidium“ oder „doofer AStA“. Dass der AStA seit Jahren immer wieder knapp vor der Handlungsunfähigkeit stand und auch die Finanzen der Studierendenschaft sich einer weitgehenden Reform erfreuen würden, ist nicht abzustreiten. Deshalb muss es Ziel sein, die Verantwortung (wieder) auf mehrere Schultern zu verteilen. Die Frage „Politik vs. Service“ fällt im AStA in Lüneburg deutlich zugunsten des Service aus. Es sollte versucht werden, den Service qualitativ zu verbessern, anstatt ihn in maximaler Breite zu erhalten. Verstärkte Kooperation mit dem Studentenwerk, aber auch mit Campus e.V. wären eine Möglichkeit. Das hinter dem NOA-Referat stehende Konzept könnte als Grundlage für eine Projektordnung dienen. ServicemitarbeiterInnen des AStA könnten hier beispielsweises über Projektanträge mit maximaler Laufdauer eines Semesters und einer Maximalhöhe von 400 Euro entscheiden. So wäre kurzfristig Geld für Aktionen und Projekte verfügbar und es müsste nicht jedes Mal eine Initiative oder ein Referat gegründet werden. Auch Urabstimmungen via myStudy wären denkbar. Die Kernfunktionen des AStA auf seine Selbstverwaltung zu reduzieren und die politischen Aktivitäten verstärkt in unabhängigen Projekten durchzuführen wäre auch eine andere Möglichkeit. Die politische Hochschulgruppe campus.grün ist hier ein schönes Beispiel. Es gibt sie also, die Ideen. Nun müssen sie nur noch in eine neue Satzung umgesetzt werden, damit bei den geplanten Wahlen im Wintersemester bereits ein beflügeltes neues System seine Arbeit aufnehmen kann.

Von Sebastian Heilmann
(der Autor ist Mitbegründer der AG Strukturreform, des StuPa und ehemaliger AStA-Sprecher)

8. November 2010

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