Lunatic 2016 – Über den Künstlertip
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Lunatic 2016 – Über den Künstlertip

Auf dem diesjährigen Lunatic gibt es etwas Neues: Den Künstlertip – eine Art freiwilliges Trinkgeld für alle auftretenden Künstler*innen. Erfahrt aus unserem Interview mit zwei Mitgliedern aus dem Lunatic-Team, was es damit auf sich hat.

Annika (links) und Ariane (rechts) vom Lunatic-Team haben sich mit uns zum Interview getroffen. / (c) Lena Schöning
Annika (links) und Ariane (rechts) vom Lunatic-Team haben sich mit uns zum Interview getroffen. / (c) Lena Schöning

Dieses Wochenende steht mit dem Lunatic wieder ein Highlight für alle Leuphant*innen an. Im verflixten dreizehnten Jahr hat das Hauptteam viele große Entscheidungen getroffen und Konzepte entwickelt, um mit neuen Trends auf dem deutschen Festival-Markt umzugehen, und dabei nicht die eigenen Ansprüche an das nachhaltige Campus-Festival zu verlieren.

Dazu gehört auch der „Künstlertip“. Annika vom Booking und Ariane vom Sponsoring haben das neue Konzept entwickelt und mitgestaltet. Mit Univativ haben die beiden Kuwis über das Trinkgeld, das den Künstlern bei einer möglichst fairen Bezahlung helfen soll, und das grundsätzliche Problem einer gerechten Künstlerbezahlung gesprochen.

„Die ursprüngliche Idee des Künstlertips ist entstanden, als wir uns gefragt haben, was mit den Künstlern ist, die wirklich auf dieses Geld angewiesen sind.“

Univativ: Unsere erste Frage ist jetzt etwas persönlicher: Ihr seid ja jetzt seit einem Jahr im Festival-Hauptteam. Was macht euch an der Arbeit mehr und was macht euch weniger Spaß?

Annika und Ariane: Es macht alles Spaß. Aber es läuft natürlich alles auf dieses eine Festivalwochenende hinaus und wenn man dann tatsächlich sieht, wofür man ein Jahr lang gearbeitet hat und Energie reingesteckt hat. Das ist schon der schönste Moment …und dann muss man wieder abbauen. (lachen) 

Der Lunatic Alltag besteht meistens aus E-Mails schreiben. Wir nehmen die meiste Zeit Kontakt mit Menschen auf, telefonieren, weil wir was von denen wollen. Ob die bei uns spielen sollen, oder wegen Geld, oder wegen irgendwelcher Müllcontainer. (lachen). Das ist wahrscheinlich die unromantische Seite der Geschichte.

Univativ: Wie habt ihr euch für das Line-Up entschieden?

Annika und Ariane: Das ist nicht ganz einfach zu beantworten. Man hört ja, dass die musikalischen Acts dieses Jahr eher unbekannt sind. Das ist uns auch bewusst, aber das Festival besteht eigentlich auch aus drei Komponenten: Musik, Kunst und Kultur.

Aus dieser Idee ist dann auch der Künstlertip entstanden: Wir haben uns gefragt: Was sind die Gagen? Was können und wollen wir uns leisten? Wie wichtig ist es uns, dass wir jemanden aus den Charts da haben? Der Versuch war letztendlich, einen Mittelweg zu gehen: Wir achten sehr auf Qualität bei der Musik und Kunst, und natürlich auf Diversität.

Für den Musikbereich haben wir im Booking Team jeder unsere ganz individuellen Blickwinkel und Eigenschaften. Wir haben auch ein Notizbuch, wo alle aus dem Hauptteam Vorschläge für Künstler machen können. Unser persönlicher Tipp ist übrigens Akura Naru, die jetzt vielleicht nicht so bekannt ist, aber Musik macht, die unser Team komplett umgehauen hat. Sie macht eher smoothen Hip Hop mit Jazz Elementen.

Univativ: Die Entstehung des Künstlertips hat schon einen bestimmten Grund, oder? Es scheint inzwischen ja ein ziemlicher Trend geworden zu sein, dass die Gagen für bekannte Künstler so hoch sind.

„Wir wollen niemandem vorhalten, er sei zu geizig, weil er Musik streamt und keine CDs kauft. Der Grund ist vielmehr, dass wir wollen, dass das Lunatic auch in Zukunft – trotz steigender Künstlergagen – das bleiben kann, was es ist.“

Annika und Ariane: Hmm… (Annika denkt nach) Das ist eine schwieriges und großes Thema. Ein großer Punkt ist wohl die Digitalisierung. Inzwischen kann man sich so viele Dinge online anhören und herunterladen, ohne überhaupt zahlen zu müssen. Letztendlich kommt bei den Künstlern dann viel weniger an, als früher und die Life-Auftritte werden immer wichtiger. Der Markt verändert sich vor allem im Bezug aufs Geld.

Da das Lunatic ein Non-Profit Festival ist, dass von Studierenden organisiert wird, steht es nicht so in der Konkurrenz wie andere Festivals. Um mehr Gagen zahlen zu können und mit dem Markt zu gehen, hätten wir in so vielen anderen Bereichen einsparen müssen und die Tickets wären viel teurer gewesen. Jetzt ist das Ganze eher noch in die Breite gewachsen, auch mit einem größeren Kunst-Anteil.

Die ursprüngliche Idee des Künstlertips ist entstanden, als wir uns gefragt haben, was mit den Künstlern ist, die wirklich auf dieses Geld angewiesen sind. Wir wollten den Künstler eine Bezahlung geben können, mit der auch wir ein gutes Gefühl haben.

Univativ: Und wie gestaltet sich das dann am Festival-Wochenende? Lauft ihr dann mit einem großen Glas über das Gelände und sammelt Spenden?

Annika und Ariane: (lachen) Nein, und spenden möchten wir das auch nicht nennen, das klingt so nach Almosen. Deswegen „Tip“. Das ist in etwa so wie im Restaurant: Man wurde gut „bedient“ und hatte Spaß. Wenn man mit dem Service und der Arbeit, die geleistet wurde, zufrieden ist, gibt man ja auch ein faires Trinkgeld. Die eigentliche Idee war es, dass man direkt beim Ticketkauf eine Option hat, mit der man diesen Künstlertip bezahlen kann. Das konnten wir dieses Mal aber noch nicht umsetzen.

Dieses Jahr gestaltet sich das so, dass wir bei der Gästeliste um einen freiwilligen Beitrag bitten. Aber das ist nur eine Komponente. Für alle anderen Besucher haben wir einen Stand, beim Infostand direkt am Eingang. Dort bekommt man erst mal mehr Infos zum Künstlertip, aber man kann auch was dazu geben, wenn man möchte. Wir möchten die Leute nämlich auch mehr dafür sensibilisieren, wieso wir das eigentlich machen und damit Missverständnisse vermeiden. Wir wollen niemandem vorhalten, er sei zu geizig, weil er Musik streamt und keine CDs kauft. Der Grund ist vielmehr, dass wir wollen, dass das Lunatic auch in Zukunft – trotz steigender Künstlergagen – das bleiben kann, was es ist. Und dass man sich generell stärker mit diesem Thema auseinandersetzt. Das Publikum soll dafür sensibilisiert werden, dass das Lunatic ein Entdecker-Festival ist. Wir sind sehr gespannt, wie es dann im Endeffekt auf dem Festival läuft!

Univativ: Das sind wir ebenfalls! Als letzte Frage: Ihr seid jetzt schon zwei Jahre dabei, eines davon im Hauptteam, und hättet somit noch ein letztes Mal die Möglichkeit, beim Lunatic mitzumachen. Würdet ihr das denn auch wollen?

Annika und Ariane: Schon. Seit wir in Lüneburg sind, sind wir dabei und es hat eigentlich unser komplettes Leben hier schon beeinflusst. Es gibt so viele Dinge, die noch nicht ausgereift sind und es ist noch voll viel Potenzial da, für uns und fürs Lunatic. Mit so vielen Leuten im Team zu arbeiten, zu diskutieren, das hat total geprägt. Und so etwas nochmal zu erfahren wäre so beeindruckend! Der Prozess geht immer übers Team und jede Stimme ist wertvoll, das ist total selten. Und wir könnens ja – wir sind Studenten, wir haben die Zeit, oder wir müssen uns die Zeit halt nehmen (lachen).

Das Interview führten: Tessa Brandtner, Antonia Wegener, Marielle Martinez

1. Juni 2016

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