„Little Bee“ von Chris Cleave – Man trifft sich immer zweimal
Ausprobiert, Titelblatt

„Little Bee“ von Chris Cleave – Man trifft sich immer zweimal

Erst geschickt geknüpft ergeben viele einzelne Fäden und Fasern ein starkes Tau. Ebenso ergeht es Chris Cleaves Roman „Little Bee“, in dem es ihm auf bemerkenswerte Weise gelingt, die Leben zweier Menschen zu verstricken.

Mit vierzehn Jahren flieht Little Bee vor den Konflikten am Niger Delta auf einem Schiff nach England. Seitdem sitzt sie in einem britischen Abschiebelager. Doch trotz aller Widrigkeiten steckt sie voller Lebensfreude und schildert uns ihre Sicht auf die Welt höchst intelligent und humoristisch. Denn in ihrer Tasche hat sie etwas, das sie antreibt: Den Ausweis des britischen Journalisten Andrew O`Rourke. Sein Leben und das seiner Frau Sarah sind durch ein tragisches Ereignis in Afrika tief mit dem von Little Bee verschlungen. Als diese aus dem Lager frei kommt, ruft sie ihn an. Kurz darauf bringt Andrew sich um und Little Bee steht vor Sarahs Tür. Eine zweite Begegnung, die das Leben beider Frauen völlig verändern wird.

Autor Chris Cleave ist Journalist beim „Guardian“ und lässt uns nicht zuletzt durch seine tiefgründige Recherche intensiv am Leben von Little Bee und Sarah teilhaben. So gelingt es ihm, uns aus westlicher und zugleich sehr persönlicher Perspektive das Schicksal afrikanischer Flüchtlinge anhand von Little Bees Erzählungen erahnen zu lassen. Ein Höhepunkt der Story ist auch Sarahs vierjähriger Sohn Charlie, der am liebsten in seinem Batman-Kostüm herumläuft und uns mit Fragen zum Vater die Skurrilität von Leben und Tod nahe bringt. Mit poetischen Worten, denen auch in der genialen Übersetzung von Susanne Goga-Klinkenberg nichts verloren geht, schreibt Cleave sensibel und humorvoll, ohne dabei mit der Ernsthaftigkeit der Thematik zu brechen.

Der einzige Wehmutstropfen sind Cleaves teilweise sehr ausführlichen Dialoge über Begrifflichkeiten und die vielen kleinen Zufälligkeiten, ohne die die Storyline nicht vorangetrieben würde – die ihr aber gleichzeitig etwas von ihrer Authentizität nehmen. Über diese kleinen Ungereimtheiten lässt es sich jedoch leicht hinweglesen. So ist dieses Buch auf jeden Fall bestens für die vorlesungsfreie Zeit geeignet.

Autorin: Ann-Christin Busch

31. Januar 2013

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