Titelblatt

Lachs aus der Spülmaschine?!?

Ein Interview mit dem Bestseller Autor Hans-Jörg Brekle über Salzkartoffeln, Günther Jauch und RollenklischeesJeder Student kennt sie. Diese verzweifelten Situationen, in denen guter Rat teuer ist. Doch als Student möchte man auf eigenen Beinen stehen und nicht ständig zu Hause nachfragen. Wohl genau aus diesem Grund klicken 30.000 User pro Tag auf die Internetseiten www.frag-mutti.de und www.frag-vati.de. Per Mausklick findet man hier rund 8.000 Tipps rund um den Haushalt und das Heimwerken, die teils kurios, teils großartig sind. Nach dem großen Erfolg im Internet wurden natürlich auch die Verlagshäuser auf die beiden Gründer Hans-Jörg Brekle und Bernhard Finkbeiner aufmerksam. Und so wurde der erste Frag Mutti Ratgeber schnell zum Bestseller. Auch der Frag Vati Ratgeber sollte nicht lange auf sich warten lassen. Das neueste Buch von den Beiden „Frag Mutti- Das Sparbuch“ erschien erst in diesem Sommer.
Bernhard Finkbeiner studiert derzeit in Kanada und daher beantwortet Hans-Jörg Brekle gerne die Fragen über die Erfolgsgeschichte von „Frag Mutti“ für die UNIVATIV.
Univativ: Wie kam es zu der Idee, einen Ratgeber für den Haushalt im Internet zu entwickeln?
Brekle: 2003 fing alles an. Mein langjähriger Kumpel Bernhard Finkbeiner und ich scheiterten daran, Salzkartoffeln zu kochen. Also begaben wir uns, wie für zwei Junggesellen üblich, ins Internet und suchten nach einem Rezept. Die lange Suche blieb erfolglos. Also rief ich bei meiner Mutter an, um ihr die Zubereitung von Salzkartoffeln zu entlocken. Nachdem ich aufgelegt hatte, sagte ich „Frag Mutti“ – „Frag-Mutti.de“ und so entstand die Idee. Noch am gleichen Tag ließ sich Bernhard die Internetseite reservieren. Die Internetseite war vor allem für Studenten gedacht, doch mittlerweile ist unsere Zielgruppe wirklich bunt gemischt. Auch von 70-jährigen Damen habe ich schon gehört, dass sie Frag-Mutti.de als Nachschlagewerk nutzen.

Univativ: Woher stammen die Tipps?
Brekle: Die ersten Tage standen wir ständig in Kontakt zu unseren Müttern und kamen am Anfang auf 100 Tipps. Inzwischen sind es 6000 auf Frag-Mutti,de, da jeder User seine Geheimtipps rund um den Haushalt auf unserer Seite verraten kann.

Univativ: Kontrollieren Sie alle Ratschläge der User?
Brekle: Nein, wir übernehmen keine Haftung dafür. Doch anhand der Bewertungen und Kommentare der anderen User kann man sehr schnell feststellen, ob der Tipp umsetzbar ist und funktioniert. Viele Tipps probiere ich natürlich auch selber aus.

Univativ: Welche Reaktionen haben Sie von Familie und Freunden bekommen?
Brekle: Das Feedback war wirklich von allen Seiten sehr gut. Als das Buch dann erschien, ging es natürlich auch durch die Hörsäle und da haben mich dann auch mal ein paar Kommilitonen nach Tipps gefragt. Selbst Dozenten haben mich mit unterschiedlichsten Fragen gelöchert.

Univativ: Hand aufs Herz. Sind Sie nun der perfekte Hausmann?
Brekle: Der perfekte Hausmann bin ich noch lange nicht. Aber immerhin weiß ich nun, wo ich nachschauen kann. (lacht)

Univativ: Werden Sie nun auch mal von Ihren Eltern um Rat gefragt?
Brekle: Das ist auch schon vorgekommen, aber ich bin eigentlich immer noch derjenige, der häufiger um Rat fragt. Meine Eltern nutzen nun aber auch oft unsere Internetseiten und Bücher.

Univativ: Wer macht den Haushalt bei Ihnen?
Brekle: Hmm… Ich wohne mit einem Kumpel in einer WG und wir teilen uns die Arbeit. Aber so regelmäßig putzen wir nun auch wieder nicht. (schmunzelnd)

Univativ: Und wie kam es zu der Idee, noch „Vatis“ Ratschläge zu veröffentlichen?
Brekle: Wir haben viele Mails von Frag-Mutti.de Usern bekommen, die Infos zum Heimwerken oder zu Autos haben wollten. Da ich vor meinem Studium eine Ausbildung zum Zimmermann gemacht habe, hatte ich einige Tricks schon selbst auf Lager und konnte sie dazu beisteuern.

Univativ: Bedienen Sie mit Ihren Buchtiteln „Frag Mutti'“ und „Frag Vati“ nicht die alten Rollenklischees?
Brekle: Am Anfang haben wir uns auch den Kopf darüber zerbrochen. Aber letztendlich zählt, dass die Titel einfach witzig sind und jeder gleich weiß, was gemeint ist. Optimalerweise stellen wir es uns so vor, dass die Junggesellinnen den Ratgeber „Frag Vati“ nutzen und die Junggesellen das „Frag Mutti“ Buch.

Univativ: 30.000 Klicks am Tag auf Frag-Mutti.de und Frag-Vati.de, Bestseller Status mit dem Frag Mutti Ratgeber mit über 80.000 verkauften Exemplaren und zwei weitere Bücher. Welche Projekte stehen als nächstes an?
Brekle: Es ist noch nichts Weiteres geplant. Momentan läuft alles gut und so kann es auch erst einmal weiter gehen.

Univativ: Ob Handelsblatt, RTL oder Sat.1. Das Medienecho war überwältigend. Haben Sie mit so viel Erfolg gerechnet?
Brekle: Nein, wirklich nicht. Es war ja eher eine Schnapsidee. Die ersten Monate lief es auch eher ruhig an, aber auf einmal wurde die Seite immer besser besucht. Den ersten Artikel über uns gab es ein knappes halbes Jahr nach der Gründung. Also im Februar 2004. Ich erinnere mich noch, wie ich den Artikel aus dem Handelsblatt bei Nachbarn aus der Biomülltonne gezogen habe. (lacht)

Univativ: Auch Günther Jauch ist von Ihnen begeistert! Bei Ihren drei Besuchen bei Stern TV müssen Sie einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Immerhin hat er Sie und Bernhard Finkbeiner zu den besten Hausmännern Deutschlands gekürt. Wie haben Sie das geschafft?
Brekle: Wir mussten in den Sendungen unser Wissen unter Beweis stellen und sind gegen Deutschlands damaligen besten Hausmann angetreten. Unter anderem mussten wir einen Grillrost säubern. Bei all unseren Aufgaben haben wir bei Frag-Mutti.de nach geeigneten Tipps geschaut und diese angewendet. Der Hausmann hat seine Tricks wie gewohnt angewendet und hätte somit eigentlich einen zeitlichen Vorsprung gehabt. Am Ende gab es dann aber ein Unentschieden. Lustig war auch, dass Günther Jauch sehr von dem Tipp angetan war, wie Schuhe wieder im Handumdrehen gut riechen. Man muss einfach eine Tüte Backpulver in die Schuhe schütten und sie duften wieder wie neu. Vielleicht macht er ja noch heute Gebrauch davon…

Univativ: Immerhin hat Günther Jauch in seiner Sendung „Wer wird Millionär“ Werbung für Sie gemacht…
Brekle: Das war wirklich ein ganz unverhoffter Erfolg. Nach der Sendung hatten wir gleich doppelt so viele Klicks auf unserer Seite.

Univativ: Ehrt Sie so viel Erfolg?
Brekle: Cool ist das schon. Auf die Idee können wir ja auch wirklich Stolz sein. Aber ein Medienprofi bin ich durch die Auftritte auch noch nicht geworden. Noch immer bin ich sehr aufgeregt, vor die Kamera zu treten.

Univativ: Überraschen Sie manchmal Ratschläge von Usern?
Brekle: Einige sind schon sehr kurios. Einer hat vorgeschlagen, die Spiegel im Badezimmer nach dem Putzen mit einer halben rohen Kartoffel einzureiben, damit die Spiegel nach dem Duschen nicht beschlagen. Das funktioniert natürlich nicht und verursacht wegen der Kartoffelstärke eine Riesensauerei.

Univativ: Haben Sie einen Lieblingstipp?
Brekle: Besonders praktisch finde ich den Tipp für die Zubereitung von Kartoffeln. Einfach Kartoffeln mit etwas Wasser befeuchten, in einen Gefrierbeutel mit ein paar kleinen Löchern geben, und dann fünf bis sieben Minuten in die Mikrowelle. Das ist einfach genial und sehr praktisch für den Alltag.

Univativ: Und der außergewöhnlichste Tipp?
Brekle: Wenn der Fisch mal zu groß für den Kochtopf sein sollte, einfach den Fisch würzen, zweimal in Alufolie einwickeln und bei 60 bis 70 Grad rund 90 Minuten in der Spülmaschine mit „kochen“. Bernhard und ich haben das gleich mal mit einem Lachs ausprobiert. Und es funktioniert wirklich. Toll ist auch, dass man auch noch das Geschirr gleichzeitig mit waschen kann. Zwei in Eins sozusagen.

Univativ: Studium, zwei Internetseiten, drei Bücher, Fernsehauftritte und Interviews. Wie konnten Sie das zeitlich schaffen?
Brekle: Da mein Studium nicht allzu stressig war, konnte ich alles gut miteinander vereinbaren. Natürlich muss man auch mal auf Freizeit verzichten – aber der Erfolg belohnt einen ja auch dafür.

Univativ: Was raten Sie Studenten, die auch von ihrer eigenen Geschäftsidee träumen?
Brekle: Bei uns stand keine richtige Geschäftsidee dahinter. Das hat sich einfach so entwickelt. Vor allem stand bei uns der Spaß im Vordergrund. Aber generell kann ich Studenten dazu raten, es zu probieren, wenn man berücksichtigt, dass man nicht zu viel Geld und Zeit darein steckt. Im Internet bieten sich dafür viele Gelegenheiten.

Univativ: Vielen Dank für das Interview.
Das Interview führte Katarina Trost

2. Februar 2009

About Author

Koordination