Kleine Geschichte der Hasskommentare
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Kleine Geschichte der Hasskommentare

Oft liest man, Hasskommentare seien ein Phänomen des Internets und etwas ganz und gar Neues. „Sowas hätte es damals nicht gegeben“ und „Wenn das der Führer bei Buzzfeed läse“ kommen älteren Herren und Damen nur allzu schnell über die Lippen, während sie sich auf einer kostenlosen Kaffeefahrt vom selbst verursachten Weltenbrand erholen. Dabei ist das Phänomen Hasskommentare bzw. öffentliche Diffamierung über alle Zeiten und Kulturen hinweg durchaus verbreitet gewesen:

Alle hassen, nur du gibst Liebe / flickr – Marina Montoya

Steinzeit

Der sonst ausgesprochen erfolgreiche Mammutjäger Urk, ein früher Vertreter der Gattung Homo Sapiens, kommt ohne Beute von der großen Jagd zurück. Daraufhin diffamieren ihn einige der im Lager zurückgebliebenen Männer als Homo (Neanderthalensis). Paleo-Ethnologen sprechen hierbei von der ersten buchstäblich menschenverachtenden Aussage, heute als Hasskommentar bekannt.

Römisches Reich

Archäologen entdeckten eine Steintafel, auf der Marius Plinius, ein Verfechter der Republik und Feind der Cäsarenherrschaft, für seine Nähe zum einfachen Volk verunglimpft wird. „Pecunia non olet sed Marius Plinius olet“ ist noch heute gut auf der damals gebräuchlichen Form des Tweets lesbar. Über die Bedeutung der Satzendung „lolus“ streiten sich die Forscher jedoch.

Im Gefolge des Christentums etablierte sich in Griechenland die sogenannte „Hades-Speech.“ Griechische Staatsbürger wurden dabei angehalten, all denen, die weiterhin den polytheistischen Religionen anhingen, mit sprachlicher Feindseligkeit bis hin zu Gewaltanwendung zu begegnen.

Mittelalter

Zur Hochzeit der geschichtlichen Hasskommentare gab es zum Bedauern vieler kritischer Geister niemanden, der Hasskommentare löschen konnte. Im Gegenteil, sie waren von Seiten der Kirche und des Staates überaus erwünscht. Stattdessen wurden lieber die Opfer von Hassbotschaften gelöscht, jedoch meistens erst, nachdem man sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt hatte.

Etwa zur selben Zeit entwickelte sich unter den Ureinwohnern der USA der Trend, statt sinnvoller Rauchzeichen phallusförmige Wölkchen in den Himmel steigen zu lassen, wenn einem der Wigwam des anderen auf den Zeiger ging.

Renaissance

Trotz erblühender Wissenschaften und eines abnehmenden Einflusses der Kirche verbleiben menschenverachtende Botschaften in aller Munde. Erste Versuche, vermeintliche Hassbotschaften zu unterbinden, werden jedoch unternommen. So musste der schamlose Leugner des geozentrischen Weltbildes, Galileo Galilei, sich öffentlich bei Gott und der Welt für seine dreisten Lügen entschuldigen. Die zum Schutz der Bevölkerung angedachte Zensur hielt ihn jedoch nicht davon ab, weiter zu hetzen: „Und sie dreht sich doch.“ (Galileo spielte hier auf die eines Planeten gleichkommende Leibesfülle der Mutter des Papstes an.)

Auch in späterer Zeit nahm die Zahl und Boshaftigkeit von Hasskommentaren nicht ab; nicht selten mündeten sie in verheerende Kriege. Zwar gibt es auch heute noch Hasskommentare in allen Formen und Farben, sie finden jedoch lediglich noch bei stark in der Geschichte verankerten Personen („zurückgeblieben“) großen Zuspruch.

Autor: Ernst Jordan

 

8. Juni 2017

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Ernst Jordan dont wait for me, if i care bout anything, anywhere losin myself, i get the stares what im lookin at, wasnt there (wasnt there)


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