Kinderleicht? – Eine Kolumne über das Studieren mit Kind
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Kinderleicht? – Eine Kolumne über das Studieren mit Kind

Angelika ist alleinerziehende Mutter und studiert Vollzeit an der Leuphana. Wöchentlich berichtet sie über ihren Weg zum Studium sowie Erfahrungen und Erlebnisse rund ums Studieren mit Kind.

Studieren mit Kind/ (CC) Foto: missBdeBerlin
Studieren mit Kind/ (CC) Foto: missBdeBerlin

Es geht los – Die Reise im Herbst
Das Wintersemester begann im Herbst. Vielleicht ist es hier wichtig zu erwähnen, dass der Herbst meine liebste Jahreszeit ist. Er symbolisiert für mich ein Ankommen; Entschleunigung vom aufregenden Sommer, sich ins warme, liebevolle Zuhause zurückzuziehen und das Jahr langsam ausklingen lassen. Die Luft ist herrlich und die glühenden Farben der Bäume und Pflanzen bringen Licht in unsere Herzen. Vielleicht war es eine Ironie des Schicksals, dass meine neue Lebensreise gerade für die beste Jahreszeit überhaupt angesetzt war.

Die Hirngespinste kamen kurz zurück
Trotz der Tatsache, dass meine Tochter versuchte, mir die Angst vor dem Studium zu nehmen, kehrten die Hirngespinste zurück. Kurz bevor es losging, träumte ich wirres Zeug, grübelte vor mich hin und hätte am liebsten die Notbremse gezogen. Die Startwoche trug das Motto „Start up“. Ich hatte zu dieser Zeit über die AStA Bettenbörse vorübergehend einen Studenten bei mir aufgenommen, der Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche gehabt hatte. Ebenfalls brachte ich ein Mädel, das genauso erfolglos gewesen war, bei meiner Großmutter unter. Unseren ersten Tag an der Uni wollten wir drei gemeinsam starten. Wir stiegen in den Bus und fuhren zu der Eröffnungsveranstaltung auf dem Campus.

Die Eröffnungsrede
Der Präsident hielt eine sehr schöne Rede. Ich hörte aufmerksam zu, teilweise bekam ich eine Gänsehaut, weil ich mich so angesprochen fühlte. Die meisten Zuhörer rollten mit den Augen, langweilten sich oder spielten mit ihren smarten Spielzeugen – ich jedoch war in diesem Moment ein Teil dieser Rede. Ja, ich dachte wirklich, sie wäre wie für mich geschrieben. Er sprach von großen Plänen, von der Suche nach unserem Platz in dieser Welt, unserer Bestimmung und Aufgabe. Dass es im Studium nicht nur sonnige Tage geben wird, sondern auch Verzweiflung, Schlussmachgedanken, Versagensgefühle. Vielleicht empfand ich es damals so, weil ich mein Studium auf andere Weise wertschätzte und es für mich ein steiniger Weg dorthin gewesen war…

Ein Freund ist…
Ich hörte wieder den Präsi reden: „In der Philosophie stritt man sich lange darum, was Freundschaft bedeutet. Es gibt die verschiedensten Theorien. Nach vielen Jahren war man sich aber einig: ein Freund ist derjenige, der nicht versucht, einen vor etwas zu bewahren oder von etwas abzuhalten. Ein Freund ist jemand, der immer im Hintergrund steht und einen nach vorne schubst.“ Ich schmunzelte still in mich hinein und dachte an das Erlebnis mit meiner kleinen Tochter, wovon ich letzte Woche berichtet habe. Und so begann ich mein Studium voller Zuversicht und Freude auf das, was kommt. Das Abenteuer begann.

Autorin: Angelika Kowal

15. November 2013

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