Kämpfen oder fliehen? – Rezension zum Kinofilm „James Bond 007: Skyfall“
Ausprobiert, Titelblatt

Kämpfen oder fliehen? – Rezension zum Kinofilm „James Bond 007: Skyfall“

Ganze vier Jahre mussten wir auf ihn warten, jetzt ist er zurück. Sein Name? Bond. James Bond. Sein Auftrag: Die Rettung der Welt wie wir sie kennen.

James Bond erblickt London (c) Sony Picture GmbH

Seit 50 Jahren bereits schießt, trinkt und schläft sich Bond über die Kinoleinwand und ist mittlerweile zum Agenten mit Kultstatus avanciert.

Im neuesten Streifen „Skyfall“ wird er durch eine Entscheidung seiner Chefin M (Judi Dench) im Außeneinsatz schwer verwundet. Sein Auftrag ist es, eine gestohlene Festplatte wiederzubeschaffen, auf der sich die Namen sämtlicher NATO-Agenten befinden, die in terroristische Organisationen eingeschleust wurden. Die Daten geraten jedoch in die Hände des irren Schurken „Silver“ ( Javier Bardem). Somit ist nicht nur das Leben der Agenten in Gefahr, sondern das gesamte MI6.

Daniel Craig, verzeichnet seit diesem Jahr damit bereits drei actionreiche Abenteuer auf seinem Konto. Trotz anfänglicher Kritiken, Craig sei zu verweichlicht um den coolen Agenten zu mimen, wird er zunehmend von Fans und Neu-Bondianern akzeptiert. Die Regisseure der letzten zwei Filme „Casino Royal“ und „Ein Quantum Trost“ waren am Modernisierungsprojekt Bond gescheitert. Rasante Schnitte, endlose Schusswechsel und donnernde Explosionen bestimmten das Bild. Bond trank kaum noch Martini, nahm sich wenig Zeit für die Frauen und versuchte wie das weiße Kanninchen der Zeit zu entkommen, die ihm auf der Leinwand blieb. Kurzum: Bond war nicht mehr er selbst.

Bond, gefangen in den Schatten seiner Vergangenheit (c) Sony Picture GmbH

Diese tiefe Krise bekommen wir auch in „Skyfall“ zu spüren. James ist innerlich zerrissen und  streitet mit den Dämonen seiner Vergangenheit. Doch eben aus dieser Krise geht er gestärkt hervor indem er sich auf das beruft, was bereits in der Vergangenheit funktionierte: Der Mythos Bond. Der Film entführt uns an exotische Orte, wir bestaunen elegante Kampfkünste und gezielte Schüsse, die gekonnt zwischen Licht und Schatten in Szene gesetzt sind. Mit wunderbar trockenem, Empirehumor und einer wohl gewählten Mischung aus einfallsreichen Actionszenen und spannungsgeladener Atmosphäre, zieht der Film uns von der ersten Verfolgungsjagd bis zum letzten Besuch im MI6 in seinen Bann.

Dabei greift das altbewährte Grundrezept zur Weltrettung. Man nehme das traditionelle Bond-Girl. Hier gespielt von Naomie Harris, die Bond in knappen Kleidchen und mit rasierklingenscharfem Verstand nicht nur einmal die Stirn bietet. Fans dürfte es auch freuen, dass Q sich zurück zum Dienst meldet. Der geniale Tüftler und Erfinder so mancher spannender Gadgets wurde in den letzten zwei Bond Filmen schmerzlich vermisst und ist mit Ben Whishaw vom ehemals väterlichen Freund zum jungenhaften Nerd mit passender Brille und Strickjäckchen mutiert. Nicht fehlen darf auch eine der Grundlegenden Ingredienzien, der Bösewicht. Gespielt von einem genialen Javier Bardem, der nicht nur optisch durch die blonde Hansi-Hinterseer-Frisur überrascht, sondern auch durch sein teuflisch irres Lachen á la Joker. Dabei nehmen wir ihm die psychopathischen Züge ebenso ab, wie die homoerotischen Ambitionen Bond gegenüber.

Bei einem solch virtuosen Feuerwerk drücken wir ein Auge zu, wenn es um skandalös geschüttelten Martini oder die stetige zur Schau Stellung von Automarken und Technikherstellern geht. Denn Bond tut wieder das, was er am Besten kann. Er beendet die Flucht vor der Zeit und schießt sich den Weg frei.

Autorin: Ann-Christin Busch

7. November 2012

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