In Dauerschleife – Lukas‘ Musiktipp
Ausprobiert, Titelblatt

In Dauerschleife – Lukas‘ Musiktipp

Hier stellen wir regelmäßig Bands und Musiker vor, die UnivativOnline-Autor Lukas wärmstens empfiehlt. Diesmal: Mighty Oaks.

Mighty Oaks / (c) Foto: community-promotion.com

Der Herbst kommt – und er kommt jedes Jahr in überwältigenden Farben. Das durchwachsende Grün des Sommers leuchtet noch ein letztes Mal auf und verbrennt dann – wie Sterne, wenn sie verglühen. Rot, gelb und orange färben und winden sich die Blätter der Eichen im pfeifenden Wind und während wir melancholisch unseres Weges schreiten, atmen wir tief ein und bewundern die Vergänglichkeiten dieser unbewiesenen Welt.

An einem jenen herbstlichen Montagabend mache ich mich auf den Weg zum Hamburger Sprechwerk in der Hamburger Innenstadt. Das Sprechwerk ist ein Kulturhaus mit einem Konzertsaal. Heute werden hier um 21 Uhr „Mighty Oaks“ auftreten. Als ich das Sprechwerk erreiche ist es halb sieben. Ich kaufe ich mir ein Bier an der Bar und setze mich in den Konzertsaal. Der Saal ist noch leer und ich bemerke, dass die Bühne wohl schon die Hälfte des Saals ausmacht. Ich zähle höchstens 100 Stühle und beobachte, wie sich der Saal langsam füllt, die Stühle eingenommen werden und mindestens genauso viele Menschen auf dem Boden vor der Bühne Platz nehmen. Um 19 Uhr wird der Saal dunkel und das Geflüster des sich entspannenden Publikums verstummt. Der junge Australier „Jackson Dyer“ kommt auf die Bühne, stellt sich als Berliner Straßenmusiker vor und fängt an, seine eigenen Songs zu spielen. Er benutzt dafür eine „Loop Station“, also ein Gerät mit dem es möglich wird Gitarrenriffs, Klavierstimmen und Gesang aufzunehmen, in Dauerschleife abzuspielen und diese durch Mehrstimmigkeit zu verändern und auszuschmücken. Er zieht das Publikum dabei mit seinem soulartigen, mehrstimmigen Gesang sofort in seinen Bann, lässt es an seinem eigenen, unübersehbaren und gestikulierten Musikrausch teilhaben und lädt es mit experimentellen Beats dazu ein, auf seiner Welle mitzureiten.

 Um 21 Uhr ist es dann soweit: „Mighty Oaks“ betreten die Bühne. Der ganze Saal ist stockdunkel. Einzig das an der Decke auf halb-acht hängende Schild mit der in weißem Halogenlicht getauchten Inschrift „Mighty Oaks“ erhellt noch den Raum. Die drei Musiker Claudio Donzelli (Klavier, Gitarre, Gesang) Craig Saunders (Bass und Gesang) und Ian Hooper (Gesang und Gitarre) kommen auf die Bühne und wirken zunächst etwas nervös. Sie begrüßen ihre Zuschauer freundlich und demütig, dankbar für ein ausverkauftes Konzert. Doch nach dem ersten Anschlag der akustischen Westerngitarre, die um den Hals des Frontmannes Ian Hooper hängt, verwandeln „Mighty Oaks“ die Bühne in ihre ganz private Jam – Session. Ihr Stil lässt sich dabei wohl am ehesten unter der Rubrik alternativen Folks zusammenfassen. Mit einer unvergleichlichen heiseren und rauen Stimmfarbe singt Frontmann Ian Hooper in den Liedern wie „Picture“, „So Low, So High“, „Rainier“ und „Cold, Unknown“ von Washington, dem Nord – Westen der USA, Heimat, Freundschaft, Liebe und der Suche sowie dem Streben nach Glück. Auffallend dabei ist, dass alle drei Musiker mehrere Instrumente spielen und während des Konzertes kräftig zwischen diesen durchtauschen, was auf das Publikum abwechslungsreich und interessant wirkt. Gleichzeitig zeichnet sich die Band durch ihre eingängigen Melodien und die Mehrstimmigkeit des Gesangs aus.

Nach dem Konzert sitze ich eine geschlagene Stunde auf meinem Stuhl und beobachte wie sich der Saal langsam leert, während ich den eben durchlebten Traum nicht loslassen will. Ich liebe es, wenn mir das passiert. Musik ist für das Herz und für die Seele. Wer das ertragen und genießen kann, der kann nicht nur in der farbenfrohen, herbstlichen Jahreszeit die zwei bisher von „Mighty Oaks“ erschienenen EP`s „Driftwood Seat“ und „Just One Day“ zum träumen nutzen, sondern sich auch auf das Frühjahr freuen. Dann kommt nämlich ihr Debut Album.

Ihr Musikvideo gibt es hier.

Autor: Lukas Geib

29. Oktober 2013

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