Holm Keller tritt ab – ein Rückblick
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Holm Keller tritt ab – ein Rückblick

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Lieblingsmotiv des AStA: Holm Keller / (c) Christopher Bohlens

Holm Keller, der zweite Mann hinter Sascha Spoun (Präsident) in der hierarchie der Leuphana Universität Lüneburg, tritt ab. Keller war 2006 von Sascha Spoun an die Leuphana geholt worden und hat DEN TRANSFORMATIONSPROZESS VON EINER UNIVERSITÄT UND FACHHOCHSCHULE ZUR LEUPHANA, INKLUSIVE LEUPHANA-STUDIENMODELL, maßgeblich mitgestaltet. In seinen Kernbereich fiel vor allem die Campusentwicklung mit dem nun im Bau befindlichen Zentralgebäude.

Die Mitteilung über den myStudy-Verteiler „Präsidium“ schlug ein wie einen Bombe. Waren doch zuvor keine Gerüchte oder Andeutungen über den Flurfunk zu hören gewesen. Wenigstens Studierende und Lehrende wurden circa eine Stunde vor der offiziellen Pressemitteilung über das Ausscheiden von Holm Keller informiert.

Im Laufe der Jahre konnte Keller einige eigene Projekte und Ideen durchsetzen. So zum Beispiel die Leuphana-Startwoche: Während die Studierenden früher lediglich in einem Raum mit wenigen Ansagen begrüßt worden sind, gilt die Startwoche heute als maßgebend für den Einstieg in den Leuphana-Bachelor. Zudem holte Keller 2009 den Innovations-Inkubator mit insgesamt 98 Millionen Euro Forschungsgeldern an die Leuphana. Auch die Leuphana Digital School, die plötzlich über Nacht da war, war eines von Kellers Geheimprojekten – inklusive der Kooperationen mit der Hamburg Media School und dem daraus entstanden Schwerpunkt Digitale Medien.
Unser seiner Federführung hat sich die Leuphana außerdem bei zahlreichen Forschungsprojekten beworben, die mal erfolgreich und mal weniger erfolgreich abgeschlossen wurden.

In diesen Jahren war vor allem die Campusentwicklung für Holm Keller ein Herzensthema – so plante er für den Leuphana-Campus ursprünglich weitere Wohnheime, ein Hotel sowie ein Parkhaus. Als Ergebnis dieser Planungen kam schließlich das Zentralgebäude nach den Plänen von Daniel Libeskind heraus.

Daniel und Holm

Star-Architekt Daniel Libeskind und Holm Keller haben sich schon sehr früh gut miteinander verstanden. Libeskind wurde als Architekt für das Zentralgebäude engagiert, im Gegenzug erhielt er eine nebenberufliche Professur an der Leuphana und einige Berater-Verträge.
Zusammen haben Keller und Libeskind Seminare mit Studierenden durchgeführt, in denen es um das Zentralgebäude ging. Die Studierenden konnten hier partizipieren und neue Konzepte sowie Ideen einbringen. Einige dieser Ergebnisse wurden zwischenzeitlich auch umgesetzt. Die Beteiligung von Studierenden an dem Prozess der Campusentwicklung ist einer der Meilensteine unter Holms Fingern.
Auch außerhalb der Leuphana verstanden die beiden sich gut und kamen sich in anderen wirtschaftlichen Bauprojekten näher.

Einmal zur Prüfung, bitte.

Einige Behörden und Gerichte beschäftigten sich intensiv mit Keller. Sei es die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen Stade, die Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Korruptionsstrafsachen Verden, das Verwaltungsgericht Lüneburg oder das niedersächsische Oberverwaltungsgericht Lüneburg. Die Ermittlungen gegen ihn als Person wurden allesamt ohne Ergebnis eingestellt. Das Gericht urteilte zugunsten der Leuphana mit seiner Besetzung als hauptamtlicher Vizepräsident, wenn auch mit einigen deutlichen Anmerkungen.

Auch mit anderen Behörden lief es nicht immer friedlich: Hinsichtlich des Zentralgebäudes mischten sich auf europäischer Ebene das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung OLAF (Office Européen de Lutte Anti-Fraude) sowie der Landesrechnungshof Niedersachsen und die Oberfinanzdirektion Niedersachsen ein und rügten Finanzierungspläne und Verträge.

Nachdem die Grünen ins Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) eingezogen waren, gab es auch hier Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit: Ein Versagen der Projektsteuerung beim Zentralgebäude wurde nachgewiesen und eine externe Projektsteuerungsgesellschaft musste engagiert werden.

Der Senat

Unvergessen bleiben die Sitzungen des akademischen Senats an der Leuphana. Am Anfang erhielt Keller für die Wiederwahl nicht die erforderliche Mehrheit. Es folgten Senatssitzungen unter Ausschluss der Hochschulöffentlichkeit, zahlreiche Gespräche auf dem Campus und im Ministerium. Aus Kreisen der damaligen Senatsmitglieder hieß es, dass Spoun gesagt habe, er werde nur bleiben, wenn Keller bleibt. Später erreichte Keller die erforderliche Mehrheit für die Wiederwahl – vorerst nur in Teilzeit. Mit einem neu gewähltem Senat reichte es dann schließlich auch für die Mehrheit als hauptamtlicher Vizepräsident in Vollzeit.

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Holm Keller machte bei einer Studierendenaktion mit, die sich für den Verbleib von Spoun einsetzte. / (c) Christopher Bohlens

Der größte Kritiker

Der AStA der Universität Lüneburg, der bewusst auf den Markennamen Leuphana verzichtet, fand in Keller das personifizierte Bild des Bösen. Alles, was an der Leuphana schlecht ist, wurde sofort mit Keller in Verbindung gebracht. Unzählige Pressemitteilungen, Stellungnahmen und AStA 2.0 Magazin Ausgaben zierte Holm Kellers Name. Schließlich wurden sogar Sonderausgaben vom AStA 2.0 Magazin erstellt, speziell für Holm Keller. Auch Sprüche „Universität zu verkaufen ohne Keller“ prägten die Fassaden an Gebäude 9, diverse Karikaturen waren im Umlauf.

Dies führte schließlich zu einer Unterlassungserklärung des AStA aufgrund einer Abmahnung durch eine Münchner Kanzlei, beauftragt von Keller. Am Ende einigte man sich im persönlichen Gespräch, Keller zog beide Klagen zurück.

2014 forderte der AStA schließlich öffentlich den Rücktritt des gesamten Leuphana Präsidiums – das Vertrauen in Holm Keller und seine Kompetenzen sei verloren.

Verflechtungen mit Wirtschaft und eigenen Unternehmen

Auch wenn es bis heute schwierig ist, einen Überblick über Holm Kellers Unternehmungen in aller Welt zu erhalten, ist immerhin bekannt, dass er Geschäftsführer/Gesellschafter von der Proportion GmbH war und aktuell Geschäftsführer der Holm Keller GmbH ist.
All diese Verflechtungen sind nicht selten auf Kritik innerhalb der Universität sowie in Aufsichts- und anderen Behörden gestoßen.

Was bleibt übrig?

Übrig bleibt eine ehemals unbekannte Provinz-Universität, die Keller mit einem Namen und einer Marke versehen hat, die in der deutschen Hochschullandschaft durch ihr Studienmodell bekannt wurde und im internationalen Kontext mit Forschungs- und Wirtschaftskooperationen sowie durch ein einzigartiges Zentralgebäude Schlagzeilen macht.

Jeder kannte ihn

Unvergessen bleibt die Mitwirkung an der Startwoche als Moderator, so konnte jeder Erstsemestler Holm Keller kennenlernen. Mitunter führte dies zu zahlreichen Karikaturen und Comics in den entsprechenden Facebook-Erstigruppen. Aber auch auf öffentlichen Veranstaltungen war er oft zu sehen: unter anderem im Rahmen der Bürgerinformationsveranstaltungen rund um den Bau des Zentralgebäudes stand er Rede und Antwort zum Vorhaben. Innerhalb der Universität präsentierte er den Studierenden das Zentralgebäude mit dem Finanzierungsplan und stand auch dort für Fragen und Kritik offen. Schließlich bleiben zahlreiche positive und negative Berichterstattungen, sowohl in der Presse, als auch in anonymen Watchblogs zu nennen.

Wann kommt er wieder?

Keller wird wohl noch einige Jahre mit der Leuphana verbunden bleiben. So wird er sich weiterhin im KENUP, Projektpartner der Leuphana, engagieren und sicherlich weiterhin im Bau des Zentralgebäudes involviert sein.


 

Holm Keller in einigen Zahlen

Alter: 48
Durchschnittsnote der Teilnehmer seiner Seminare: 1,7
Vielfliegerprogramme über dem Standard-Status: 3
Gerichtsurteile mit Bezug zu Keller: 3
Seminare: 7
Verärgerte Taxifahrer: 14
SHKs im Büro: 36
Videos bei YouTube: 135
Treffer in Watchblogs: 184
Google Treffer: 6.700
Nutzfläche des Zentralgebäudes: 13.000 qm
Eingeworbene Fördermittel: über 100.000.000 Euro


Autor: Christopher Bohlens

 

12. Januar 2016

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5 COMMENTS ON THIS POST To “Holm Keller tritt ab – ein Rückblick”

  1. Lieber Christopher,

    deinen Text finde ich sagenhaft abgefahren. Ganz heißer Scheiß — ehrlich! Sollte sich im Lüneburger Stadtarchiv tatsächlich einmal der berühmte Aufsatz über Holm Keller finden, den Kafka, Karl Valentin und Robert Walser während der Leuphana-Startwoche am 12. Juli 1914 im Berliner Hotel „Askanischer Hof“ zusammen ausgearbeitet haben, er wird nicht viel anders durchkomponiert sein und klingen können als deine kleine literarische Kostbarkeit.

    „Der Kommentar“, heißt es in einem Handbuch, „nimmt im Regelfall zu einer aktuellen Nachricht Stellung. Er erläutert die Wichtigkeit des Themas, interpretiert die Bedeutung, macht mit Zusammenhängen vertraut, stellt Kombinationen an, wägt unterschiedliche Auffassungen ab, setzt sich mit anderen Standpunkten auseinander und verhilft dem Leser dazu, sich ein abgerundetes Bild über das Ereignis zu machen“ [Projektteam Lokaljournalisten (Hg.), ABC des Journalismus, 6. Aufl. 1990, S. 109]. In einem guten Kommentar sollte der Hintergrund analysiert und erklärt, außerdem die Meinung des Schreibers argumentativ belegt werden. Er soll die Leser dazu anregen, sich eine eigene Meinung zum Thema zu bilden.

    Walther von La Roche [Einführung in den praktischen Journalismus. 19. Auflage. Berlin 2013 ] unterscheidet drei Arten von Kommentaren: den „Argumentationskommentar“, den „Geradeaus-Kommentar“ und den „Entweder-oder-Kommentar“. Nowag/Schalkowski [Kommentar und Glosse. UVK, Konstanz 1998] teilen in erklärende, bewertende und argumentierende Kommentare ein.

    Was hat das alles mit deinem artistischen Prosastückli zu tun, Christopher? Nichts. Denn du kommentierst nicht. Du nimmst nicht Stellung, erläuterst nicht die Relevanz des Themas, interpretierst nicht dessen Bedeutung, machst nicht mit Zusammenhängen vertraut, stellst keine Kombinationen an, wägst keine unterschiedlichen Auffassungen ab, setzt dich nicht mit anderer Leute Standpunkte auseinander und verhilfst auch keinem Leser dazu, sich ein abgerundetes Bild über irgendein Ereignis zu machen. Du analysierst den Hintergrund nicht, belegst deine Behauptungen nicht, denn du behauptest nichts, und du regst auch niemanden an, weiter in das nachrichtliche Sujet einzudringen. Kurz: du hast keine Meinung, deshalb bewertest du nicht und eigentlich kommentierst du auch nicht.

    Was tust du aber stattdessen, Christopher? Handelt es sich um die Inhaltsangabe, von einem Gefäß, das verloren gegangen ist? Ich vermute, da ist mehr. Es gibt eine kleine Notiz von Carl Seelig über eine Wanderung mit Robert Walser, die sie im Jahre 1941 bei Urnäsch in der Ostschweiz unternommen haben. Sie ist erstmals im Jahr 1957 in der kulturellen Monatsschrift „Du“ gedruckt worden [Band (Jahr): 17 (1957), Heft 10, Seiten 51 u. 52 (Link: http://dx.doi.org/10.5169/seals-292843)]. Dort findet sich auf Seite 52 oben in der linken Spalte das Folgende: Seelig und Walser verlassen den Bahnhof und sehen gegenüber dem Kurhaus Jakobsbad „ein klosterähnliches barockartiges Gebäude, wahrscheinlich ein Altersasyl.“ Seelig fragt Walser: «Wollen wir hineinschauen?» — Robert Walser antwortet: «Das alles ist viel hübscher von außen. Man muß nicht hinter alle Geheimnisse kommen wollen. Das habe ich mein ganzes Leben lang so gehalten. Ist es nicht schön, daß in unsrem Dasein so manches fremd und seltsam bleibt, wie hinter Efeumauern? Das gibt ihm einen unsäglichen Reiz, der immer mehr verlorengeht. Mit brutalen Händen wird heute alles begehrt und in Besitz genommen.»

    Ist das nicht die genaue Charakterisierung der magischen Schreibgeste in deiner genialen Skizze, Christopher? Zieht sie uns nicht ebenfalls in die geistschärfende Kunsterkenntnis hinein, es sei schön, daß in unsrem Dasein so manches fremd und seltsam bleibt, wie hinter Efeumauern, denn das gebe ihm einen unsäglichen Reiz, der sonst immer mehr verlorengeht?

    Auf der genannten Zeitschriftenseite (rechte Spalte unten) findet sich auch noch ein Gedicht aus Robert Walsers Spätzeit. Es trägt einen Titel, der, so glaube ich, auch deiner rätselhaft schillernden Preziose perfekt angestanden hätte. Deine Überschrift hätte also vielleicht besser lauten sollen:

    «Was fiel mir ein?»

  2. Rudi, du könntest die Zeit die du zum Verfassen deines kritischen Beitrags gebraucht hast eigentlich auch aufwenden, um einen entsprechend wissenschaftsjournalistischen „Kommentar“ für das Univativ-Magazin als Opener beizusteuern, oder?

    Das hier ist nicht FAZ oder ZEIT. Es geht um Informationsweitergabe an die Studentenschaft – auf freiwilliger Basis. Wenn man hier nur ausgebildete Redakteure in Vollzeit ransetzen würde, wäre ich mit deinem Einwand einverstanden. So habe ich eher den Eindruck, dass du Holm Keller bist 🙂

  3. Weißt du, Eugene, ich habe gar nicht so wahnsinnig viel Zeit aufgewendet. Ich mache es einfach wie Kim, Ernst, Andreas und Christopher: Ich nehme meine Schreiberei wichtig (fast hätte ich „ernst“ gesagt) und versuche bei ausnahmslos jeder Gelegenheit, Formulierungen und Arten des Redens und des Darstellens auszuprobieren, sogar beim Abfassen von Einkaufszetteln oder wenn ich meine beiden göttlich-schönen, aber menschlich-trägen Mitbewohnerinnen per Pinboard-Notiz an den Abwasch erinnern möchte, ohne einen weiteren Trojanischen Krieg zu verursachen. Ich denke schnell, ich tippe schnell und ich weiß sehr viel. Außerdem lege ich Wert auf Genauigkeit und möchte vor dem 22sten (in weniger als drei Jahren also) meinen ersten Roman bei einem großen Publikumsverlag untergebracht haben. Mir ist bekannt, worum es bei Univativ geht. Und klar, das hier ist nicht die FAZ oder DIE ZEIT. Zum Glück vielleicht? Aber ich habe nicht wirklich einen Einwand gemacht, sondern auch nur einen Eindruck geschildert. (Holm Keller bin ich, Gott sei Dank, trotzdem noch nicht.) Es gibt ein paar Rechtschreibe- und Zeichensetzungsfehler in Christophers Aufsatz, aber vor der Veröffentlichung bei Kein & Aber oder in The New Yorker wird sicher nochmal ein Lektor drüberschauen. Ansonsten meine ich, was ich geschrieben habe: Der Text ist absolut irre. Sowas kann nicht jeder. Piet Klocke vielleicht? Oder Tilman Rammstedt zur Not.

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