„Hakenkreuz“ übermalt – Kunstwerk auf dem Campus umgestaltet
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„Hakenkreuz“ übermalt – Kunstwerk auf dem Campus umgestaltet

Am Wochenende vom 5. bis 6. August 2019 wurde das Kunstwerk von der Startwoche 2009 am Hörsaal 4 von Daniel Man mit einem Graffiti versehen. Dabei wurde das oft kritisierte „Hakenkreuz“ übermalt und mit einem Davidstern daneben versehen. Doch bereits zwei Tage später ordnete die Leuphana die Wiederherstellung des ursprünglichen Bildes an. Wir haben mit Hochschule, Künstler und AStA gesprochen.

Die Univativ berichtete im Juni 2019 über „Das Hakenkreuz auf dem Campus“ der Leuphana. Dabei war einigen Studierenden rund zehn Jahre nach Errichtung des Kunstwerks die Form eines „Hakenkreuzes“ aufgefallen, das sich an der äußeren Wand von Hörsaal 4 befindet. Der AStA kontaktierte die Hochschule, beide gemeinsam schließlich auch den Künstler, um darüber zu sprechen.

Am vergangenen Wochenende vom 5. und 6. August 2019 veränderten nun Unbekannte ohne Erlaubnis das Kunstwerk. Der Künstler hatte zuvor noch unten rechts eine Spalte für Kommentare und Anmerkungen geschaffen, diese füllten die Sprayer*innen mit „Fight Facism No Nazis!“. Die Form, die wie ein „Hakenkreuz“ aussehen könnte, wurde komplett übermalt und ein Davidstern danebengesetzt. Am Gebäude ist mutmaßlich außerdem ein Logo oder ein Markenzeichen des Täters oder der Täter*innen zu erkennen gewesen.

„Hakenkreuz“ auf Campus übermalt: Mitgliederversammlung des fzs am selben Wochenende

Während des Wochenendes war außerdem die Mitgliederversammlung (MV) des bundesweiten studentischen Dachverbandes in Lüneburg. Der fzs beteiligte sich vor kurzem erst mit weiteren Bündnissen bei einem breiten Studierendenbündnis gegen die antisemitische BDS-Kampagne. Bei der Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) ging es um Boykottaktionen gegen Israel. Kürzlich fand eine erste Deutsch-Israelische Studierendenkonferenz im Juni in Frankfurt am Main statt, die sich gegen den BDS stellte.

Rund 150 Studierendenvertreter*innen aus ganz Deutschland tummelten sich auf dem Campus, übernachtet wurde im Gebäude 14, das AStA-Büro und das AStA-Wohnzimmer in Gebäude 9 wurden rege genutzt. Dem lokalen Organisator, dem AStA der Universität, ist die Veränderung des Kunstwerks am Sonntag morgen gegen 8 Uhr aufgefallen. Auch wenn der AStA damals in Kontakt mit Künstler und Hochschule stand, besteht nach Anfrage der Univativ von Seiten des AStA kein Bedarf, wegen des Graffitis weiter tätig zu werden, da der AStA nicht der Eigentümer der Wand ist. Dem Ausschuss sei nichts über die Täter*innen bekannt, weiterhin bestünde kein Zusammenhang zwischen dem AStA und der Graffiti-Aktion. Die Frage nach Farb-Spraydosen, die in Räumlichkeiten des AStA gelagert werden, wurde positiv beantwortet, aber der Zugriff sei dieses Wochenende nicht möglich gewesen, so der AStA.

Soko Wand und Farbe

Bereits am Dienstagvormittag rückte eine Fachfirma an und entfernte professionell das Graffiti. Der ursprüngliche Zustand des Kunstwerkes wurde wiederhergestellt. Eine Störung der Arbeiten lag nicht vor. Die Univativ fragte bei der Hochschule nach, ob diese eine Anzeige stellte und wie hoch die Kosten für die Reparatur seien. Eine Antwort erfolgte, ohne jedoch konkret auf die Fragen einzugehen. Die Leuphana teilte mit, dass man Vandalismus im öffentlichen Raum nicht verhindern kann und dass diese Geschichte eine Kleinigkeit in Vergleich zu anderen Vorfällen sei.

Der Künstler fand es gut

Was sagt der Künstler dazu? Die Univativ kontaktierte Daniel Man und fragte nach einem Kommentar zu dem Graffiti. Nach seiner Interpretation waren junge Künstler*innen am Werk, die sich am „faschistischem“ Symbol abreagiert haben. Dabei würde ihn interessieren, wie die Studierenden die Veränderungen bewerten und kommentieren.

Bezüglich einer Wiederherstellung erteilte Daniel Man eine klare Aussage, dass er es interessanter gefunden hätte, dass „Hakenkreuz“ wenigstens stückweit zu erkennen, damit man weiß was man durchgekreuzt hat. Ansonsten würde er es so belassen. Die Reaktion auf sein Werk und der damit verbundene Duktus bei der Ausführung ergeben mit dem Wandbild eine wunderbare Aussage, so Man.

Eine Antwort auf die Frage, warum die Leuphana das Kunstwerk wieder in den Ursprungszustand versetzen ließ, blieb bis zum Schluss offen.


Fotos: Dietmar Fricke
Update: Wir haben den Begriff Judenstern in Davidstern geändert.

7. August 2019

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Christopher Bohlens Schreibt immer irgendwas über Hochschule, Politik oder Veranstaltung wo es so richtig kracht, wie Festivals. Liebt Investigativen Journalismus und beschäftigt sich viel mit Daten.


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