Fotograf Suren Manvelyan – ein Auge für Augen
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Fotograf Suren Manvelyan – ein Auge für Augen

Suren Manvelyan kommt menschlichen Augen sehr nahe. Er lässt in seinen Fotos Iris und Pupille aussehen wie Kraterlandschaften ferner Planeten. UnivativOnline hat den ungewöhnlichen Fotografen ausgefragt.

Suren Manvelyan (37) hat keine fotografische Ausbildung. Er studierte an der Yerevaner Universität in Armenien Physik und promovierte im Bereich „Quantenoptik“. Doch bereits mit 16 hatte er Spaß am Fotografieren. Anfangs knipste er noch mit Vorliebe den mit Mond und Sternen dekorierten Nachthimmel. Nach Abschluss des Studiums 2006 widmete er sich dann ganz professionell seinem ehemaligen Hobby. Jetzt verdient er als freier Fotograf sein Geld.

Mit seinen Supernahaufnahmen von menschlichen und tierischen Augen hat Suren Manvelyan viel Aufsehen erregt. Die Serie „Your beautiful eyes“ zeigt derart makroskopisch feine Details, dass das Auge selbst fast gar nicht mehr als solches zu erkennen ist. Stattdessen fühlt mich sich an kraterübersäte Planeten und unendliche schwarze Löcher erinnert.

Die faszinierenden und für manche gleichzeitig erschreckenden Aufnahmen sind auch außerhalb Armeniens bekannt: auf den Online-Portalen englischer und amerikanischer Zeitungen und Zeitschriften erreichen Fotogalerien mit Manvelyans Augen-Serie Rekordklickzahlen.

Uns gab Suren Manvelyan als erstem deutschsprachigen Magazin ein Interview.

UnivativOnline: Wie kamen Sie auf die Idee, Augen auf diese Art zu fotografieren?

Manvelyan: Grundsätzlich ist der Gedanke, Augen zu fotografieren, schon immer naheliegend gewesen. Fast alle Fotografen haben sich ja bereits mehr oder weniger mit Augen beschäftigt, sie sind schließlich das offensichtlich Ausdrucksvollste im menschlichen Gesicht. Ich hatte bloß das Glück, eine interessante Technik zu finden, mit der man die wahre Schönheit des Auges sichtbar machen kann.

UO: Und welche Technik ist das, die diese Nahaufnahmen so brillant macht?

M: Dieses Geheimnis verrate ich nicht, sorry!

UO: Sie fotografieren aber nicht nur Augen, sondern haben als Auftragsfotograf auch andere Motive vor der Linse. Können Sie in Armenien von der Fotografie allein leben?

M: Ja klar. Momentan bin ich Freelancer. Von 2007 bis 2012 habe ich für die Zeitschrift „Yerevan“ fotografiert. Während dieser Zeit durfte ich bedeutende Persönlichkeiten wie Joe Cocker oder Ian Gillan, den Leadsänger von Deep Purple, portraitieren. Zurzeit bin ich viel als Hochzeitsfotograf unterwegs.

UO: Worin liegt die Herausforderung, Hochzeiten zu fotografieren?

M: Hochzeitsfotografie ist eine der schwierigsten Gattungen, denn sie verbindet beinahe alle Arten und Techniken der Fotografie, die man als Profi dann perfekt beherrschen muss: Portrait, Reportage, Stillleben… und auch Perspektive und Bildkomposition müssen auf den Punkt stimmen.

UO: Was fotografieren Sie eigentlich am liebsten?

M: Oh, das ist so, als würde man ein Kind fragen, wen es lieber mag, Mama oder Papa. Alles und jeden, den ich fotografiere, hab ich gern vor der Linse! Ich kann sagen, was ich nicht mag: protokollhafte Dokumentarfotografie. Als Fotograf nicht kreativ sein können sondern stumpf Dinge fürs Archiv ablichten… das hasse ich.

UO: Zum Glück müssen Sie das ja nicht, sondern können sich mittlerweile die besten Aufträge raussuchen. Und wen oder was würden Sie gern einmal vor der Kamera haben?

M: Ich liebe es, Menschen zu fotografieren, die viel Respekt verdienen. Auf armenisch sagt man dazu „Menschen mit Großbuchstaben“. Davon hätte ich gern noch mehr. Wie einen, den ich letztens fotografiert habe: er gibt seit 12 Jahren Töpferkurse in einem armenischen Jugendgefängnis – und das ehrenamtlich. Er verkörpert damit so viel Menschlichkeit und gleichzeitig Stärke, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte. Wenn es auch nur zehn Menschen dieser Sorte in Armenien gäbe, würde unser Land richtig aufblühen!

UO: Was bedeutet Ihnen Armenien?

M: Ich rede nicht gern über Patriotismus. Ich lasse lieber meine Bilder sprechen.

UO: Welchen Rat geben Sie Amateurfotografen, die auch Profis werden und Geld damit verdienen wollen?

M: Nicht nur Fotografen, sondern allen Menschen gebe ich den Rat: wenn es ein Hobby gibt, ohne das ihr nicht leben könnt, macht es zum Beruf. Wenn euer jetziger Job euch langweilt, habt ihr den falschen gewählt. Jeder sollte verrückt nach seiner Arbeit sein, so sehr sollte sie Spaß machen!

Protokoll & Übersetzung: Anna Aridzanjan

18. Januar 2013

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