Eröffnung des Zentralgebäudes Part 2 (jetzt auch für Studis): Aus Mettwurst macht man kein Marzipan
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Eröffnung des Zentralgebäudes Part 2 (jetzt auch für Studis): Aus Mettwurst macht man kein Marzipan

Am Mittwoch den 12. April öffnete das neue Zentralgebäude der Leuphana für das akademische Beiwerk (auch bekannt als Student*innen) seine Pforten. Wir waren dabei.

Das neue Zentralgebäude öffnete nun auch endlich für seine Student*innen / Bild: Christopher Bohlens


Noch bevor wir das neue Zentralgebäude betreten hatten, tat sich eine fundamentale Schwierigkeit auf: wo ist eigentlich der Eingang? Schilder waren keine zu sehen, nur Baustellenzäune und Absperrbänder. Etwas verloren wanderten wir im Regen um den Bau herum, bis wir nach zweimaligem falschen Raten endlich den Zugang fanden.

Das verrückte Labyrinth

Im Foyer angekommen, zögerten wir erneut: Wo sollte es eigentlich langgehen? Auch im Innenbereich gibt es keine Wegweiser. Stattdessen: Weiße Streifen, die ins Nichts zeigen.
Eine Reise irgendwo zwischen Indiana Jones und Odysseus begann. Und nach ausgiebigem Flanieren machte sich zunächst ein Gefühl, ähnlich eines Herr der Ringe Filmmarathons breit: ein Mix aus Ratlosig- und Einsamkeit – mit anderen Worten: Was soll das denn eigentlich?

Während es uns im Erdgeschoss noch relativ schwer fiel, uns zu verirren, wurde es uns in den übrigen Etagen umso leichter gemacht. Hier tun sich immer wieder neue Wege auf, Abzweigungen links und rechts. Wir waren verwirrt. Was ist hier eigentlich noch Gang und was schon Raum? Bereits im ersten Stock verloren wir die Orientierung und beschlossen umzukehren. Und wieder mussten wir innehalten. Wo waren eigentlich die Treppen? Notgedrungen nahmen wir den Fahrstuhl und besichtigten Ebene 2 und 3.

Wieder standen uns mehrere Gänge zur Auswahl, wieder verloren wir die Orientierung. Wann immer wir einen der Seminarräume betraten, mussten wir zunächst aus den Fenstern schauen (sofern sie welche hatten – ja, es gibt im Zentralgebäude Räume ohne Fenster!), um über die Außenwelt unsere Position im Gebäude bestimmen zu können.

Prestige für professor*innen?

Da wir, wie so viele andere Geisteswissenschaftler*innen auch, über einen recht unbrauchbaren Orientierungssinn verfügen, möchten wir an dieser Stelle die Schuld für unsere Misere auch bei uns selbst ausmachen. Dennoch: Spätestens als Spoun auf der Eröffnungsveranstaltung in akademischer, wie in klassischer Coming-Of-Age Metaphorik von der Wichtigkeit des Herumirrens während des Studiums sprach, beschlich uns der Verdacht, dass man mit voller Absicht ein Labyrinth gebaut hatte. Passend dazu gab es die üblichen Floskeln zu hören; Studieren sei ja nicht nur stumpfes Lernen, vielmehr gehe es um Neuorientierung im Leben und so weiter. Angehende Akademiker*innen würden an der Leuphana schließlich dazu angehalten, bisherige Entitäten und Strukturen zu hinterfragen und ihre Sicht auf die Welt neu zu ordnen. Ideen also, die sich in jeder BWL-Einführungsklausur ganz klar wiederfinden. Lol.

Banner der Organisation „Lernfabriken meutern“ / Bild: Christopher Bohlens

Vor der Rede Spouns sprach der AstA und äußerte mehr oder weniger bekannte Kritikpunkte. Ein besonders grundlegender war der, dass man doch das Geld statt für Prestige, für Professuren hätte ausgeben können – sicherlich ein berechtigter Punkt, wenn auch in der praktischen wie formalen Umsetzung vermutlich ein komplexer.

Spoun selbst reagierte gerade auf diesen Einwand des Allgemeinen Studierendenausschusses sehr detailverliebt: Gute Lehre hieße immer auch gute Professor*innen, die man aber eben nur nach Lüneburg (gemeint war: in die tiefste Provinz) locken könne, indem man sie mit dem Gebäude eines Stararchitekten ködere.
Wenn also schon nicht mit akademischer Qualität, dann mit einem prestigeträchtigen Millionengrab. „Fake it, ’til you make it“, wie der Amerikaner sagt. Oder wie wir sagen: Aus Mettwurst macht man kein Marzipan.

Autoren: Julian Münsterjohann und Haye Stein

14. April 2017

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