Ein Jahr Zum Kollektiv – „Es hätte auch schief gehen können“
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Ein Jahr Zum Kollektiv – „Es hätte auch schief gehen können“

Die Infrastruktur schaffen, um Kreative in Lüneburg zu vernetzen. Diese Idee erwuchs vor über einem Jahr in den Köpfen von sieben Lüneburger Studenten. Nach etlichen Nächte des Brütens über Businessplänen entstand schließlich Zum Kollektiv. Ein Resümee.

Zum Kollektiv Jahresfeier / (c) Zum Kollektiv e.V.
Zum Kollektiv Jahresfeier / (c) Zum Kollektiv e.V.

Zum Kollektiv ist nun seit einem Jahr ein fester Bestandteil im Lüneburger Leben. Kennen gelernt haben sie sich im Team von lunatic: Theo, Lucas, Thiemo, Max, Julian, Mario und Rebecca organisierten das lunatic Festival 2012 und hatten nach erfolgreich getaner Arbeit das Gefühl, dass das noch nicht alles gewesen sein konnte. Sie hatten den Eindruck, dass in Lüneburg etwas fehlt.

„Es gibt sehr viele studentische Initiativen. Doch jede von ihnen bleibt eher unter sich. Unser Wunsch war es, sie alle zusammenzuführen: Wir stellen eine Infrastruktur her, innerhalb der ganz viel passieren kann“, erklärt Theo die Idee. „Außerdem besteht Lüneburg sozusagen aus zwei Welten: Die Studenten und die Leute aus der Stadt. Unser Ziel war es, sie zu vernetzen.“

Ein Ladencafé in der Innenstadt

Zu diesem Zweck wollten sie ein Ladencafé in der Innenstadt eröffnen: Dies sollte der Ort sein, an dem sich Menschen mit anderen Menschen vernetzen können, um gemeinsam etwas zu erreichen. Daher auch der Name Zum Kollektiv.

Doch schnell stellte sich die Frage: Wie das alles finanzieren? Woher das Startkapital nehmen?

„Wir haben nächtelang über Businessplänen gesessen und gerechnet und gerechnet“, erinnert sich Theo. Schließlich die Idee: Eine Crowdfunding-Kampagne sollte das benötigte Startkapital beschaffen. 1.000 Euro kamen so zusammen.

Außerdem arbeitete jeder der sieben Gründungsmitglieder als Mentor bei der Startwoche der Leuphana. 2.800 Euro verdienten sie dabei und investierten es in das Ladencafé. Zum Kollektiv war Wirklichkeit geworden.

Spieleabende, Konzerte und eine Reise in die Zwanziger Jahre

Nach einer Woche „Probe-Betrieb“ folgte am 19. Januar 2013 dann die offizielle Eröffnungsparty des Ladencafés. In Kooperation mit der Rehlounge war der Betrieb zunächst nur für drei Monate geplant. „Mehr haben wir uns nicht zugetraut“, wird dies begründet.

Tätsächlich gab es das Ladencafé dann aber vier Monate lang: Von Januar bis April 2013 machte Zum Kollektiv die Lünertorstraße mit Spieleabenden, einem 20er-Jahre-DJ-Abend, Konzerten und Hörspielen ein bisschen bunter. „Die Spieleabende sind nicht so gut gelaufen, aber bei den Konzerten und dem Hörspiel-Abend war unser Laden voll. Auch die 20er-Jahre-Party kam sehr gut an“, erinnert sich Theo. „Es war eine anstrengende Zeit. Wir hatten jeden Tag von 12 bis 20 Uhr geöffnet. Jeder von uns musste einen vollen Tag die Woche im Café arbeiten – neben dem Studium und ohne Bezahlung. Außerdem mussten auch noch andere Aufgaben außerhalb des Cafébetriebs erledigt werden. Ich habe jede Woche zehn bis 15 Stunden meiner Freizeit in das Projekt investiert.“

„Es war unglaublich zu sehen, was von 0 auf 100 gewachsen ist.“

Nach Schließung des Ladencafés veranstaltete Zum Kollektiv vier Open-Air-Veranstaltungen.

Dazu gehörten das Stadtteilfest sowie drei Musik-Events. „Mein Highlight in einem Jahr Zum Kollektiv war das sehr gut besuchte InDie Sonne Open Air“, berichtet Theo. „Es war unglaublich zu sehen, was von 0 auf 100 gewachsen ist. Unser Vorhaben hätte auch schief gehen können. Aber es hat funktioniert.“

Im Sommer machte Zum Kollektiv erst einmal zwei Monate Pause: „Wir mussten innehalten und realisieren, was gewesen ist.“ Auch brauchten die befreundeten Gründungsmitglieder Zeit für ihre Freundschaft. „Wenn man zusammen arbeitet, dann arbeitet man. Es ist keine Zeit für Freundschaft. Die muss man sich extra nehmen, sonst fühlt man sich irgendwann nur noch als Kollegen.“

Von sieben auf 20 Personen gewachsen

Mittlerweile ist das eingebrachte Startkapital refinanziert. Zum Kollektiv arbeitet kostendeckend, die Leute engagieren sich ehrenamtlich und alle Überschüsse werden in Folgeprojekte investiert.

Das Team um Zum Kollektiv besteht inzwischen aus 20 Personen. Vom 3. bis zum 7. Semester sind alle Studiengänge vertreten. Auch eine Schülerin befindet sich unter den Teilhabern. Das bringt auch wieder neuen Aufwand mit sich: Viele Aufgaben werden delegiert, das Team muss motiviert werden und die Kommunikationswege sind länger. „Es ist schwer, dafür zu sorgen, dass jeder, mit dem, was er gerade tut, glücklich ist. Deswegen wollen wir nicht zu schnell wachsen. Prinzipiell kann aber jeder mitmachen und Ideen einbringen“, sagt Theo. Generell habe er durch die praktische Arbeit bei Zum Kollektiv mehr gelernt als beim Studium. „Es passiert eher, dass ich Dinge aus der Praxis in meinem Studium anwenden kann, als umgekehrt.“

Das Scharffsche Haus als neuer Treffpunkt

Für die nächsten drei Monate hat Zum Kollektiv seinen Sitz im Scharffschen Haus im Ostpreußischen Landesmuseum.

Dort feierte der Verein auch am Samstag seinen ersten Geburtstag. Passend mit Kaffee, Kuchen und Spielen wie Topfschlagen.

Und dort wird es weitergehen: Ein weiteres Jahr mit Konzerten, Ausstellungen, Filmabenden und Klamottentäuschbörsen liegt vor uns. Außerdem wird es in Kooperation mit dem Ostpreußischen Landesmuseum einmal im Monat einen Ostpreußischen Abend geben, landestypisches Essen inklusive. Es bleibt spannend. Und ein fester Teil von Lüneburg.

Weitere Infos gibt es auf der  Website .

Autorin: Eva Fischer

25. Oktober 2013

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