„Du sollst nicht besteigen deines Nächsten Ziege“ – 10 biblische Regeln, die du garantiert noch nie gehört hast
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„Du sollst nicht besteigen deines Nächsten Ziege“ – 10 biblische Regeln, die du garantiert noch nie gehört hast

Jesus sieht alles! / (C) flickr - stalllo
Jesus sieht alles! / (C) flickr – stalllo

Religion macht „nicht immer“ Sinn und prägt dennoch ganze Kulturen sowie deren Alltag. Ich habe euch heute zehn Perlen aus dem zweiten und dritten* Buch Mose mitgebracht, an die sich garantiert kein Christ hält und auch nicht halten sollte. Warum nicht? Auflösung am Ende.

Und nun empfange den Segen der Blasphemie und der allmächtigen Heiterkeit.

und lass bitte trotzdem die Finger von der Ziege.

1 Hipsterfrise erlaubt!

Levitikus 19:27 Ihr sollt euer Haar am Haupt nicht rundherum abschneiden noch euren Bart stutzen.

Ich fange mit dieser Regel für den Fall an, dass du gerade auf dem Sprung zum nächsten Craft-Beer-Release bist und deine Skinny-Jeans noch nicht hochgekrempelt hast. Denn nur dann trifft diese Regel auf dich und deinen Hipster-Vollbart (ohne den du gar nicht erst in die Nähe eines Craft-Beer-Releases gelassen würdest) zu. Bisher also alles richtig gemacht, weiter so!

2 Als Bunthäuter bist du raus

Levitikus 19:28 Ihr sollt um eines Toten willen an eurem Leibe keine Einschnitte machen noch euch Zeichen einätzen.

Ja Mist. Eben noch hipper Musterchrist, jetzt mehr oder weniger schwarzes Schaf. Körperschmuck jeglicher Art ist nämlich eindeutig tattoo – ähhh tabu. Und auch wenn manch älterer Herr Arschgeweihe noch geil finden mag, der einzige alte Herr, dem du gefallen musst, findet das sicher nicht so toll!

3 Mustermix war gestern

Levitikus 19:19 …und lege kein Kleid an, das aus zweierlei Faden gewebt ist.

Ich würde ja sagen: fang schon mal an zu spinnen, aber wenn du diese Regel ernsthaft befolgen willst, dann tust du das ja schon. Geh doch einfach wie Gott dich schuf, dann kannst du nichts falsch machen. Na ja, du weißt schon. Im christlichen Sinne zumindest nicht. Außer du stolperst zufällig in die Probe der Regensburger Domspatzen.

4 Kamel-Burger sind bäh!

Levitikus 11:4ff Nur diese dürft ihr nicht essen von dem, was wiederkäut und gespaltene Klauen hat: das Kamel…; den Klippdachs…; den Hasen…; das Schwein.

Schalentiere übrigens auch nicht. Aber ja, vollkommen richtig gelesen: auch Christen dürfen kein Schwein essen! Absolut haram! Ist aber eh das ungesündeste Fleisch, alles halb so schlimm. Wie man sein restliches Leben ohne knusprige Kamellende oder saftiges Klippdachsfilet durchstehen soll, ist mir jedoch schleierhaft. Dann schon lieber 40 Jahre Wüste…

Ach ja: Insekten sind auch verboten. Alle. Abgesehen von Heuschrecken natürlich.

5 ACAB – All cows are bastards

Exodus 21:28 Wenn ein Rind einen Mann oder eine Frau stößt, dass sie sterben, so soll man das Rind steinigen und sein Fleisch nicht essen.

Die Moral dieser Regel: Wenn du dir deinen kleinen Zeh am Küchentisch brichst und dich deshalb nicht mehr rächen kannst, ist es absolut legitim und rational einen Freund zu beauftragen, besagtes Möbelstück mit einem Baseballschläger zu zerstören. Was fällt ihm auch ein dich anzurempeln!

6 Lass Mutti in Ruhe

Exodus 21:17 Wer Vater oder Mutter flucht, der soll des Todes sterben.

Ich gebe zu: eine durchaus sinnvolle Regel. Sollte man einhalten. Wie weit man diese Regel auslegen muss, ist hingegen fraglich. Ob du sie brichst, wenn du deinen Bruder mal wieder aus Versehen als Hurensohn bezeichnest, dazu befrage deinen örtlichen Pfaffen.

Eigentlich wollte ich mich aber nur über das doppelt gemoppelte Töten lustig machen; hehe, Doofies. Hiermit geschehen.

7 Frauen sind auch bäh

Levitikus 15:19 Wenn eine Frau ihren Blutfluss hat, so soll sie sieben Tage für unrein gelten. Wer sie anrührt, der wird unrein bis zum Abend.

Solange es sich nicht um meine Freundin handelt, kann ich mir die Befolgung dieser Regel durchaus vorstellen. Die Frage ist nur: wie erkennen? Die Lösung: einfach fragen. Entweder du bekommst eine Antwort, die sicher nicht mit „Wie aufmerksam von dir!“ beginnt, oder du erntest ein eisiges Starren und bist unten durch. So oder so, in beiden Fällen wird besagte Frau von ganz allein dafür sorgen, dass du sie sieben Tage meidest.

8 „Ich wollt doch nur Fieber messen“ zählt nicht

Levitikus 18:6ff Keiner unter euch soll sich irgendwelchen Blutsverwandten nahen, um mit ihnen geschlechtlichen Umgang zu haben.

Uns normalen Menschen ist das natürlich ziemlich klar. Christen hingegen… nun ja. Spätestens seit Adam und Eva wissen wir: ein bisschen Aufklärung tut ihnen doch ganz gut. Tipp: Liebe deinen Nächsten einfach nicht zu wörtlich nehmen.

9 Sei nett zu Behinderten

Levitikus 19:14 Du sollst dem Tauben nicht fluchen und du sollst vor den Blinden kein Hindernis legen.

Endlich mal eine durchdachte, humane Regel! Ein bisschen Spaß geht dabei zwar verloren, nett ist es aber allemal. Meinst du die Regel schließt das ins Gesicht furzen bei deinen besoffen schlafenden Mitbewohner mit ein? Probier’s aus und ruf mich an, sobald du dich unheilig fühlst.

10 Du sollst nicht töten. Außer du kaufst es vorher.

Exodus 21:20f Wer seinen Sklaven oder seine Sklavin schlägt mit einem Stock, dass sie unter seinen Händen sterben, der soll dafür bestraft werden. Bleiben sie aber ein oder zwei Tage am Leben, so soll er nicht dafür bestraft werden; denn es ist sein Geld.

Eine Regel für alle modernen Christen, die denken das C in CDU stünde tatsächlich für Werte, wie sie Jesus vertreten hätte. Dass man Sklaven, zumindest die eigenen, nicht töten sollte, dem wird sicher ein jeder zustimmen. Schließlich steht schon in der Bibel: die (Wert-)Schöpfung bewahren.

Klar, diese veralteten und zurecht mäßig bekannten Vorgaben sind amüsant und bestens geeignet, um sich ein bisschen über die Heilige Schrift lustig zu machen. Nichtsdestotrotz sollte man hier eine Lehre ziehen:

Genau wie bei Märchen der Gebrüder Grimm oder Southpark-Folgen steht auch in der Bibel die Moral im Vordergrund.

Die Moral an dieser Stelle ist aber nicht: Befolge alle Regeln so penibel wie möglich und du kommst in den Himmel. Die Moral der Bibel findet man nicht einmal bei den Regeln des Alten Testaments, sie findet sich erst im Neuen Testament, bei Jesus.

Der hat nämlich, um den trockenen Bibelsprech mal zu umgehen, gesagt: Leute, chillt. Lasst mal Fünfe grade sein. Macht nicht aus jedem David gleich einen Goliath.

Jesus betrachtete die genaue Befolgung aller Regeln nicht als das Wesentliche, Gott sei Dank. Denn sonst wäre das, was wir mit unserer Cousine zweiten Grades auf Opis 70sten gemacht haben, so gar nicht koscher. Aber auch weniger lustige Regeln müssten dann strikt befolgt werden, beispielsweise Levitikus 18:22 Du sollst nicht bei einem Mann liegen wie bei einer Frau; es ist ein Gräuel. Ganz genau, Du darfst nicht schwul sein steht bei den selben Regeln, über die du dich gerade noch lustig gemacht hast. Wer also damit ankommt, schwul sein wäre aus biblischer Sicht eine Sünde, darf das gerne behaupten. Er muss sich dann aber auch selbst treu sein, einen langen Bart und alte Kartoffelsäcke (nur aus einem Faden!!) tragen. Und am besten noch auf einer Obstplantage in Arschlochhausen arbeiten, denn Cherrypicking ist offensichtlich seine Lieblingsbeschäftigung.

Nein, Jesus ging es nicht um die Befolgung philiströser Regeln. Es ging ihm vielmehr darum zu zeigen, dass Gott kein kleinkariertes Waschweib ist, das eure Instragram-Accounts checkt, um sicherzugehen, dass ihr auch ja keinen Hummer esst. Will man die Moral der Bibel auf eine Regel runterbrechen, dann hat diese nichts mit Essen oder Kleidung zu tun. Sie würde einfach lauten: Habt euch lieb.

Autor: Ernst Jordan, Atheist

*Zweites Buch: Exodus; Drittes Buch: Levitikus

21. Oktober 2015

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Ernst Jordan dont wait for me, if i care bout anything, anywhere losin myself, i get the stares what im lookin at, wasnt there (wasnt there)


3 COMMENTS ON THIS POST To “„Du sollst nicht besteigen deines Nächsten Ziege“ – 10 biblische Regeln, die du garantiert noch nie gehört hast”

    • Wenn sich mal alle Christen daran halten würden.
      In Mitteleuropa tun das zwar viele, was aber sicher nicht an der Freundlichkeit des Christentums liegt, sonder daran, dass bei uns nun mal fast jeder gemäßigt ist und nicht aus eigenen Motiven anderen nach dem Leben trachtet.
      Ohne Religion wäre die Welt weitaus besser dran.
      Der Autor

      • Solange am Ende gelebte Nächstenliebe und aufgeklärte Menschlichkeit steht, ist es ja wohl egal, wie der Weg dorthin aussieht. Ob man durch Glaube oder durch Logik zu diesem Punkt kommt, ist für das Resultat gleichgültig.
        Die Behauptung, ohne Religion sei die Welt besser dran, spricht ihr die Möglichkeit ab, positiv zu wirken.
        Ohne falsch verstandene oder als Vorwand missbrauchte Religion wäre die Welt besser dran, das ist korrekt.
        Doch das liegt am schlechten Menschen und nicht am Glauben an sich.
        Es gibt einen Unterschied zwischen dem Glauben an Nächstenliebe und die Verantwortung eines Jeden, die Welt ein Stück weit besser zu machen und dem Glauben an die Obrigkeit der bspw. katholischen Kirche etc.

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