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Die „universelle Lebensenergie“

Reiki – kuriose, dubiose oder doch famose Selbstheilungstechnik?

„Sorgen Sie für ein ruhiges, sauberes und angenehmes Ambiente. Bieten Sie Ihrem Klienten eine bequeme Liegefläche an. Waschen Sie Ihre Hände, bevor Sie beginnen.“ – Hört sich an, wie die Richtlinie einer dubiosen „Massagepraxis“? Richtlinie- ja. Massagepraxis- nein. Und dubios? Was in diesen Sätzen so gesetzes- wie auch gurumäßig anmutet, ist nichts anderes als eine Einleitung für einen Reiki-Kurs. Reiki steht für „universelle Lebensenergie“ und beschreibt eine japanische Handauflegetechnik, mit der Energie im Körper harmonisiert und verteilt wird.

Bei körperlichen Beschwerden, Anspannungen, Stress und kleineren Wehwehchen wenden sich Reiki-Patienten nicht nur an Arzt oder Apotheker, sondern konsultieren vertrauensvoll ihren Meister. Angelika Leisering aus Hamburg ist eine von ihnen, seit 1999 wendet sie reiki an: „Ki, also Energie, befindet sich im ganzen Universum. Als Reiki-Gebender kanalisiere ich diese Energie in mir und gebe sie durch meine Hände an den Empfänger weiter.“ Getreu dem Motto: was fehlt uns denn heute, Frau Müller?, spricht sie zunächst mit den Patienten. Dann kommen die „Liege“ und ihre Hände zum Einsatz. Beim Handauflegen gibt es unterschiedliche Methoden, eine Vorgehensweise ist das sogenannte „Sweeping“. Dazu streicht der Reiki-Meister mit seinen Händen über den Körper des Patienten und verteilt die blockierte Energie. Gestaute Energie – das ist wie ein mit Sahne gefüllter Windbeutel. Der schmeckt erst dann richtig, wenn die Füllung auf den gesamten Beutel verteilt ist. Der Reiki-Meister ist quasi die Spritze, die zuständig ist für das gleichmäßige Verteilen der Sahne respektive Energie. „Das Besondere an Reiki ist, jeder kann es erlernen und anwenden“, meint Leisering. In Wochenendseminaren (Kostenpunkt ab 80€) wird den Schülern beigebracht, zu meditieren, sich auf das Händeaufleg-Ritual einzustimmen und die reiki-Kraft zu nutzen.
Auch die Geschichte des Reiki wird den Schülern bei diesen Seminaren beigebracht. Glaubt man einer japanischen Legende, so geht die alternative Behandlungstechnik auf den Mönch Dr. Mikao Usui zurück. Er lebte im späten 19. Jahrhundert bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts und war auf der Suche nach Heilungsmethoden. Als er mit seinen Studien nicht weiterkam, begab er sich zum Fasten auf einen heiligen Berg in der Nähe Kyotos. In der Nacht zum 21. Tag sah er ein helles Licht, das ihn umhüllte. Dies soll die Nacht gewesen sein, in der er vom Universum die Reiki-Einweihung erhalten habe. Des weiteren besagt die Legende, dass er seinen Fuß an einem Stein stieß und Blut verlor. Als er seine Hand auf die Wunde legte, verschloss sie sich. Von da an beschloss er, auch andere Menschen mittels seiner Gabe zu heilen.
War Usui also ein moderner Jesus? Reiki-Praktizierende sträuben sich dagegen, mit einer bestimmten Religion, sei es der Buddhismus, sei es das Christentum in Verbindung gebracht zu werden. Worum es ihnen vor allem geht, ist Entspannung. „Besonders für Menschen, die im Alltag gestresst sind, ist Reiki eine gute Möglichkeit, die innere Balance zu stärken und Selbstheilungskräfte zu aktivieren“, meint Leisering. „Auch Studenten kann reiki z.B. in der Prüfungsphase helfen, ausgeglichener zu werden.“ Diese Erfahrung hat auch Lisa, Lehramtsstudentin im 5. Semester, gemacht: „Ich habe von einer Freundin von Reiki gehört. Zuerst war ich skeptisch, habe es aber ausprobiert. Nach der ersten Sitzung hab ich mich tatsächlich entspannter gefühlt.“
Alles nur Einbildung? Augenwischerei? Das „ich-möchte,-dass-es-mir-hilft,-also-hilft-es-mir-Syndrom“? Fraglich ist zumindest, ob Reiki bei z.B. Krankheiten ganz ohne ärztliche Behandlung helfen kann. Ärztekammern, Gesundheitszentren sowie Krankenkassen warnen, dass reiki nicht die medizinische Behandlung ersetzen kann. Auf Internetseiten und Infoblättern wird heftig gegen alternative Medizin und Methoden wie Reiki polemisiert. Einige Ärzte schränken aber auch ein, dass sich Reiki als zusätzliche Behandlungsmethode eigne, daher sei es durchaus zu empfehlen.
Letztlich bleibt gemäß eines japanischen Sprichworts nur noch soviel zu sagen: „Man braucht seinen Verstand nie so sehr, als wenn man mit einem Dummkopf zu tun hat.“ Was das mit Reiki zu tun hat? Nichts. Aber, seit wann hat Einbildung und Augenwischerei nichts mit Studieren zu tun?Dorothee Torebko
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Reiki-Zentren und Lehrer in Deiner Nähe:

Reiki-Meisterin und Lehrerin Katrin Frenke aus Lüneburg, Mail: katrin.frenke@t-online.de, Tel. 04103 1882118
Reiki-Zentrum Hamburg, Zwijndrechtring 31, Tel.: 040 44183392
Reiki-Akademie in Hamburg, Harvestehuder Weg 59, Tel.: 040 45039426
Reiki Ingrid Hald aus Hamburg, Wagnerkoppel 15 A, Tel.: 040 662980
Reiki-Kristall-Centrum Selina D.Launhardt in Buchholz, Am Gehölz 4, Tel.: 04187 1401

21. Mai 2008

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