Die Fachgruppenvertretung (FGV) – Eine aussterbende Spezies?
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Die Fachgruppenvertretung (FGV) – Eine aussterbende Spezies?

Für die Hochschulwahlen 2019 treten einige Fachgruppenvertretungen nicht mehr an. In der Professional School gibt es gar keine Fachgruppenvertretung (FGV) – Ist das Modell der FGV noch zeitgemäß?

In der Wahlbekanntmachung für die Hochschulwahlen vom 27-29.05.2019 fällt auf, dass es eine Nachfrist für die Einreichung von weiteren Vorschlägen für die Fachgruppenvertretung gab. Fachgruppenvertretungen (FGV) können aus mindestens drei jedoch maximal fünf Studierenden bestehen. Sollten mehr als fünf Kandidat*innen kandidieren, so erfolgt eine Urnenwahl. Sollten es weniger sein, so werden diese automatisch benannt, es muss jedoch mindestens zwei Personen geben.

Was ist der FGV?

Die Fachgruppenvertretungen (FGV) sind die studentischen Ansprechpartner*innen, wenn es um den eigenen Studiengang geht. Die FGV kümmern sich z. B. um studentische Belange rund um das Lehrangebot, Qualitätszirkel, Veranstaltungen wie die Ersti-Tage und helfen bei generellen Fragen und Problemen rund um das eigene Studienfach weiter. Die Fachgruppenvertretungen können sich zu Fachschaften zusammenschließen.

Fehlende FGVs

In der Fakultät Kulturwissenschaften fehlte es an Bewerbungen aus dem Studiengang Digital Media, welcher ein Kombinationsstudiengang mit der Hamburg Media School ist, bei dem die Studierenden zum Großteil in Hamburg verweilen. Aber auch in der Fakultät Nachhaltigkeit fehlt zum ersten Mal seit Jahren die FGV für den Studiengang Umweltwissenschaften.

Ein ähnliches Bild lässt sich in der Fakultät Wirtschaftswissenschaften erkennen, wo keine Studierendenvertreter*innen für Wirtschaftsinformatik oder Wirtschaftspsychologie gefunden werden konnten. Bei Wirtschaftspsychologie gab es zu wenige Bewerbungen. In den Master-Programmen Public, Economics & Law oder dem Doppel-Studiengang International Economics Law mit der Universität of Glascow gibt es ebenfalls keine FGV.

Professional School ganz ohne Studierendenvertretung

In der Leuphana Professional School, die berufsbegleitende (bezahlte) Master-Programme anbietet gibt es keinen einzigen FGV. Zwar gibt es zahlreiche Studiengänge, aber keinerlei Bewerber*innen. Somit formal keinerlei studentische Vertretung auf dem Sockel der FGV. Für berufsbegleitende Master-Programme kann es verständlich sein, da die Studierenden nur an Block-Terminen in Lüneburg sind, aber gänzlich ohne Studierendenvertretung wirft es keinen guten Blick auf die Studierendenschaft der Professional School. In einer Antwort auf eine E-Mail mit der Univativ bedauert zwar der Leiter der Professional School (Prof. Dr. Terhechte) diesen Umstand, sieht jedoch die Studierenden in der Pflicht sich zu engagieren. Man habe auf die Beteiligungsformate hingewiesen, heißt es von Prof. Terhechte. In einigen Gremien gibt es Studierende, die sich um die Belange der Studierenden der Professional School kümmern, aber institutionalisiert sieht anders aus. Aber Studierende die mehrere tausend Euro für einen Master hier bezahlen, haben andere Ansprüche und Bedürfnisse als die Vollzeit-Studierenden ohne Studiengebühren.

Keine FGV, Keine Fachschaft, keine Kohle

Mit den nunmehr fehlenden FGV stellt sich die Frage, was mit den jeweiligen Fachschaften passiert. Eine FGV kann mit einer anderen FGV einen Fachschaftsrat gründen. Somit besteht eine Fachschaft aus mindestens zwei Studiengängen, aber in der Vergangenheit gab es auch Fachschaften die nur aus einem Studiengang bestanden.

Durch den Wegfall der FGV steht somit den Fachschaften bzw. FGV weniger Geld zur Verfügung, denn bisher haben alle FGV und Fachschaften durch eine Formel maßgeblich anhand der Studierenden entsprechende Gelder erhalten bzw. eine Kostenstelle. Auch gibt es entsprechende Räume, die die Leuphana für die Studierendenvertretung vorsieht. Was mit diesen Räumen passiert ist fraglich, denn an der Leuphana herrscht permanente Raumnot.

Die Frage, die sich nun die bisherige Studierendenvertretung stellen muss, ist, ob das Modell der FGV noch ein zeitgemäßes Modell ist oder wie man zukünftig sicherstellen kann, dass die Studentischen Interessen auf der Studiengangsebene berücksichtigt werden können.


Foto: pixabay.com

28. Mai 2019

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Christopher Bohlens Schreibt immer irgendwas über Hochschule, Politik oder Veranstaltung wo es so richtig kracht, wie Festivals. Liebt Investigativen Journalismus und beschäftigt sich viel mit Daten.


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