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Deutschlands coolste Weinexpertin

Ein Interview mit Marlene Duffy über ihre Liebe zum Wein, Vorurteile und Bottleplot.com. „Hey, ich bin Marlene Duffy und das hier, meine lieben Weinfreunde, ist Bottleplot!“ So erfrischend begrüßt Marlene ihre Zuschauer in ihrem Video-Blog. Sie ist wohl die unkonventionellste Weinexpertin in Deutschland. Aber genau das macht Marlene so besonders. Hinter der zierlichen Person steckt nicht nur viel Energie, sondern auch noch großartiges Wissen über Wein. Denn als eine der Jahrgangsbesten hat Marlene Duffy 2008 ihre Ausbildung zur IHK-geprüften Sommelière abgeschlossen. Kein Wunder, dass täglich 1000 User Marlene’s Weinverkostungen mitverfolgen – direkt aus ihrer Küche und immer auf der Suche nach der neuen Nummer 1 der Weine. Marlene ist es gelungen, den Wein von der dicken Staubschicht und dem strengen Image zu befreien. Grund genug, die vielseitige Hamburgerin, die bereits bei einer TV-Produktionsfirma volontiert und eine Schauspielausbildung in London abgeschlossen hat, für die UNIVATIV zu treffen.

Univativ: Wann hast du deine Liebe zum Wein entdeckt?
Marlene Duffy: Bereits zur Abi-Zeit habe ich in der Gastronomie
gearbeitet und mich daher schon früh mit Wein
beschäftigt. Ich besuchte an Wochenenden Seminare und
Weingüter. In Australien hat es mich dann richtig erwischt:
Dort hatte ich einen Chef in der Gastronomie, der uns richtig
gepusht hat und uns viel beibringen konnte. Da war es
praktisch um mich geschehen.

Univativ: Stimmt es, dass der Beruf des Sommeliers
eine Männerdomäne ist?
Marlene Duffy: Mittlerweile ist dieses Vorurteil längst überholt.
Inzwischen ist der Anteil an Männern und Frauen
in dem Beruf ziemlich ausgeglichen. Frauen besetzen in
Deutschland immer mehr Spitzenpositionen.

Univativ: Gibt es noch andere Irrtümer über Wein, die du gerne aufklären möchtest?
Marlene Duffy: Da gibt es einige: Zum Beispiel sind viele der Meinung, dass Wein mit Schraubverschluss nicht hochwertig ist. Das ist aber ein Trugschluss: Denn viele Spitzenweine werden inzwischen verschraubt. Das ist eine wirklich sichere Alternative zum Korken. Eine andere längst überholte Meinung ist, dass Rotwein nicht zu Fischgerichten passt. Doch Rotwein kann besonders gut zu scharf angebratenem Fischfilet mit einer würzigen Sauce schmecken. Wichtig ist nur, dass der Wein den Geschmack von dem Fisch nicht übertönt. Zu einer fein gedünsteten Forelle passt ein leichter Weißwein natürlich besser.

Univativ: Wie bist du zum Video-Blog gekommen?
Marlene Duffy: Während meiner Ausbildung habe ich immer begeistert die Weinverkostungen von Gary Vaynerchuck im Internet gesehen. Daher kam schon meine Inspiration. Zu Weihnachten hat mein Mann mir dann eine eigene Domain geschenkt. Dann wurden die Pläne konkret. Da es in Deutschland noch keinen Wein Video-Blog gab, war es die ideale Möglichkeit für mich, damit anzufangen. Nach neun Monaten ist der Traum dann wahr geworden. Im Oktober 2008 sind wir online gegangen.

Univativ: Welches Motiv verfolgst du mit deinem Video- Blog?
Marlene Duffy: An erster Stelle steht natürlich der Spaß! Bottleplot.com verbindet einfach meine gesamten Hobbies. Toll ist auch, dass ich von zu Hause arbeiten kann. Eine andere Motivation für mich ist, Menschen mal etwas anders an das Thema Wein heranzuführen.

Univativ: Ob Welt am Sonntag, Zürcher Zeitung oder das Hamburger Abendblatt: Das Medienecho war wirklich überwältigend. Hast du mit so viel Erfolg gerechnet?
Marlene Duffy: Ich habe mir gar keine Gedanken darüber gemacht, da ich so in der Arbeit vertieft war und einfach keine Zeit dafür hatte. Für mich war es ein Projekt und es ging mir vor allem um den Spaß. Aber natürlich habe ich mich dann umso mehr über das tolle Feedback gefreut.

Univativ: Kann jeder etwas von Wein verstehen?
Marlene Duffy: Ja! Es ist natürlich ein sehr komplexes Thema. Aber jeder kann schmecken und beurteilen, ob er einen Wein mag oder eben nicht. Einige mögen sicher eine bessere Sensorik als andere haben und denen fällt es dann natürlich leichter. Aber tendenziell kann das jeder lernen. Desto mehr Herzblut man reinsteckt, desto schneller lernt man es dann auch.

Univativ: Nun gibt es ja schon sehr günstigen Wein vom Discounter. Was hälst du davon?
Marlene Duffy: Grundsätzlich finde ich, dass jeder den Wein kaufen kann, worauf er Lust hat. Aber Discounter Weine sind meistens industriell hergestellt worden. Ich persönlich greife lieber zu den Winzerweinen. Die schmecken einfach interessanter mit ihren vollen Aromen.

Univativ: Worauf sollte man beim Kauf eines Weines achten?
Marlene Duffy: Auf dem Etikett sollte immer ein Weingut genannt werden. Wenn auf der Flasche kein Weingut als Hersteller vermerkt ist, wird der Wein nämlich in der Regel von einer Riesenfabrik als Massenprodukt industriell hergestellt. Ich persönlich mag es lieber, wenn ich weiß, wer den Wein gemacht hat. Die meisten Weingüter sind im Internet vertreten. Da kann ich mir dann sogar Bilder der Rebberge angucken, von denen die Trauben kommen.

Univativ: Wieviel sollte man für einen Wein ausgeben?
Marlene Duffy: Ich kaufe Weine ab fünf Euro aufwärts. Wenn die Flasche vom Weingut direkt kommt, kann der Preis auch einmal darunter liegen. Allerdings ist das wichtigste, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmig ist. Das gilt für Weine aus dieser Preisklasse genauso wie für teurere Flaschen.

Univativ: Hast du einen Lieblingswein?
Marlene Duffy: Da kann ich mich nicht genau festlegen. Ich finde, dass das auch immer sehr situationsabhängig ist. Es muss einfach alles gut zusammenpassen: das Essen, die Stimmung, die Gesellschaft und natürlich der Wein. Einer meiner Favoriten ist aber der Riesling von der Mosel. Generell mag ich lieber Weißweine. Ein Lieblingsweingut habe ich aber: Heymann-Löwenstein. Das mag wohl auch daran liegen, dass ich dort ein Praktikum gemacht habe.

Univativ: Nun bist du bald auch Dozentin an der Deutschen Wein- und Sommelierschule in Hamburg. Welche Aufgaben erwarten dich dort?
Marlene Duffy: Ich werde unter anderem Tagesseminare zum Thema Sensorik geben. Das ist ein sehr komplexes Thema in der Weinbranche. Daher besuche ich momentan als Gast-Dozentin meine Kollegen in den Vorlesungen, um noch mehr darüber lernen zu können.

Univativ: Welchen Umgang mit Wein wünschst du dir für die Zukunft in der Gesellschaft?
Marlene Duffy: Respekt vor Wein und Winzern muss weiterhin gegeben sein. Doch momentan sehen viele Leute das Thema Wein noch viel zu ernst. Bei Weinverkostungen machen die Leute eine ernste Miene und dabei fehlt meiner Meinung nach einfach die Freude am Wein. Der Genuss und der Spaß am Wein sollten wieder weiter in Vordergrund rücken. Mit Freunden zusammen sitzen, Wein trinken und darüber reden. Man sollte einfach entspannter an das Thema rangehen. Zum anderen sollte aber auch wieder ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, was man im Glas hat.

Univativ: Welche Rolle spielt dabei das „Weinselbstbewusstsein“, von dem du häufig sprichst?
Marlene Duffy: Jeder sollte dazu stehen, was er in einem Wein schmeckt und ob er ihn mag. Nur weil einem Weinexperten ein Wein nicht schmeckt, heißt das noch lange nicht, dass der Wein schlecht ist. Wein ist ein Genussmittel und daher einfach nur Geschmackssache. Geschmack ist sehr individuell und jeder sollte zu seinem Empfinden stehen und sich nicht durch Weinexperten verunsichern lassen.

Univativ: Möchtest du später einmal deinen eigenen Weinberg haben?
Marlene Duffy: Schön wäre es schon. Irgendwie eine romantische Vorstellung, aber momentan kann ich mir das noch nicht für mich vorstellen. Immerhin habe ich nun einen kleinen Teil im Garten von meinen Eltern in Bremen zur Verfügung gestellt bekommen. Dort möchte ich nun erst einmal rund 50 Rebstöcke anbauen.

Univativ: Können wir also bald auch mit einem Wein von dir rechnen?
Marlene Duffy: Nein, das ist eher ein Spaß Projekt. Ich habe bereits so viel Theorie zum Thema Weinanbau gehört, nun möchte ich es einfach selber einmal ausprobieren. Aber der Wein wird wohl eher nur zum Eigengebrauch reichen.

Univativ: Vielen Dank für das Interview.

Das Interview führte Katarina Trost

9. April 2009

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