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Der Schnitt ins Leben

Weibliche Genitalverstümmelung macht Frauen zu menschlichen Wracks. Es ist nur ein Schnitt, aber er verändert das gesamte Leben. Die Folgen sind lebenslange Schmerzen oder der Tod. Doch die schlimmste aller Folgen ist eine zurückbleibende, verstümmelte Seele.

6000 Mädchen weltweit müssen täglich den schmerzhaften und unter Umständen tödlich endenden Ritus der Genitalverstümmelung über sich ergehen lassen. Dieses Verbrechen am weiblichen Körper ist weltweit bekannt und wird aktuell wieder stark diskutiert.

Beschneidung bedeutet Verletzung oder Amputation der Geschlechtsorgane der Frau. Die Folgen dieses Ritus sind für die betroffenen Frauen verheerend und lassen sie ein Leben lang körperliche und seelische Schmerzen erleiden: Infektionen, Schmerzen bei der Menstruation, beim Urinieren, beim Geschlechtsverkehr und bei Geburten. Auch der Tod durch Verbluten kann Folge der unhygienischen Bedingungen und der fehlenden Betäubung sein.

Wie kann eine Familie ihrem Kind das antun? Wieso nimmt sie den möglichen Tod ihres Kindes in Kauf? Diese Fragen drängen sich auf.

Fakt ist, dass den Familien die Folgen des Rituals aufgrund ihrer fehlenden Bildung oft nicht klar sind. Ein weit verbreiteter Glaube ist, dass kranke Kinder vom Teufel besessen sind. Daher werden die Folgen der Beschneidung nicht direkt mit dieser in Verbindung gebracht. Der Brauch bringt aus familiärer Sicht lediglich Vorteile für das beschnittene Mädchen und dessen Familie mit sich. Seit tausenden Jahren ist die Verstümmelung Tradition verschiedener Völker weltweit. Nur durch eine Beschneidung wird eine Frau in der Gesellschaft akzeptiert und als vollwertige Frau angesehen. Außerdem gelten nur beschnittene weibliche Geschlechtsorgane als hygienisch und schön. Mit dem Entfernen der Klitoris wird die weibliche Lust und Sexualität unterbunden. Lust ist ein Privileg der Männer. Diese Aspekte und vor allem der gesellschaftliche Druck erklären das konsequente Durchführen des Brauchs.

Wie ist es möglich, diese fest verwurzelte und in die Gesellschaft integrierte Tradition zu durchbrechen?

Die einzige Möglichkeit, die Mütter und Väter aufzurütteln, ist entsprechende Aufklärung. Dabei geht es nicht darum, den Menschen, Gemeinden und Ländern etwas zu verbieten und ihr Handeln als etwas Falsches darzustellen. Im Mittelpunkt sollte die Aufklärung über Risiken und Folgen stehen. So werden sich die Eltern den Folgen ihrer Taten bewusst und können sich anders entscheiden. Ist ein Brauch mehr wert als ein Kinderleben? Müssen junge Frauen ein Leben lang leiden, nur um anerkannter Teil der Gesellschaft zu sein? Nur durch Bildung erhalten Menschen die Möglichkeit, diese Fragen neu zu reflektieren.

Als TeilnehmerInnen des Seminars „Soziale Aspekte der Nachhaltigkeit am Beispiel von Mikroprojekten der Entwicklungszusammenarbeit” haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, in Guinea Bissau mithilfe eines eigens entworfenen Flyers aufzuklären. Menschen haben das Recht für sich selbst zu entscheiden. Wir hoffen, durch unsere Arbeit einen kleinen Teil dazu beitragen zu können, dass Frauen in Zukunft die Möglichkeit haben, sich zwischen Zwang und Freiheit zu entscheiden.

Von Stefanie Ambrus, Gina Becher und Raina Muhs

8. November 2010

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