Das Hakenkreuz auf dem Campus
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Das Hakenkreuz auf dem Campus

Zehn Jahre ist die Konferenzwoche 2009 her, in dem der Campus und die Stadt von dem Startwochen-Projekt „ARTotale“ mit Street-Art Kunst verziert wurde. Nun fiel erneut einigen Studierenden und dem AStA das Hakenkreuz am Hörsaal 4 auf.

In der ARTotale Startwoche unter der Leitung von Rik Reinking und dem Leuphana Präsidium drehte sich alles um Kunst und Kommunikation. Rund 35 international renommierte Street Art-Künstler wurden eingeladen, um mit ihrem Kunstwerk die Lüneburger Innenstadt und den Campus zu verschönern. Die Erstsemester-Studierenden mussten dabei die Kommunikationskonzepte der Künstler im Rahmen von Videoprojekten dokumentieren. Viele Videos sind heute noch auf YouTube aufrufbar. Die Landeszeitung Lüneburg berichtete 2015 darüber, was von den Kunstwerken übrig blieb.

In den letzten Wochen erregte das Kunstwerk von Daniel Man jedoch den Fokus einiger Studierenden und landete schließlich beim AStA, der sich dem Thema annahmen. In einem seiner Kunstwerke ist ein Hakenkreuz zu sehen. Auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne aus der NS-Zeit und dem heutigen Ort des Forschens und Lehren sei dies unvereinbar.

Über den Künstler

Für den Künstler Daniel Man sind immer wieder dieselben Themen zentral: Kultureller Zwiespalt und wissenschaftliche Neugier, wie es auf der Leuphana Seite stand. An der Leuphana erstellte er zwei Kunstwerke, eins im Rotenbleicher Weg und auf der Wand zum Hörsaal 4 in der Universitätsallee. Hierbei verlagert Daniel Man das Geschehen aus dem Innenraum mittels eines tafelähnlichen Motivs und weißen pseudowissenschaftlichen Skizzen nach Außen. Er suggeriert mit dieser Arbeit nicht nur „Bildung für alle“, sondern stellt eine ihm eigene Vorstellung eines Werte- und Gesellschaftssystems dar, so steht es auf der Leuphana Webseite.

Kunstwerk Hörsaal 4 – Foto (c): Christopher Bohlens

 

Kreuz des Anstoßes

Schließlich nahm der AStA zusammen mit dem Vizepräsidenten Christian Brei und der Ombudsperson Thies Reinck gemeinsam Kontakt zum Künstler auf, um einmal diese Thematik mit dem Hakenkreuz zu erörtern und Lösungen zu überlegen.

Die Univativ kontaktierte den Künstler mit der Thematik und erhielt umfassend Auskunft.

Zuerst wunderte sich Daniel Man über die späte Anfrage nach nunmehr zehn Jahren und dem weiterhin freien Feld unten rechts für Kommentare und Notizen auf dem Kunstwerk. Das Kunstwerk wird von Daniel Man selber „Rising Gods“ genannt. Sein Statement zur Deutungsebene „Hakenkreuz“:

„Das Ego des Menschen, das keinerlei Grenzen kennt, kürt sich selber zum „Gott“ und lässt durch Selektierung und Meinungsmache die extremsten Auswüchse in der Gesellschaft entstehen. In letzter Konsequenz erhebt sich dieser Mensch über seinesgleichen und richtet sie. Der Mensch macht die Swastika zum Hakenkreuz. Wir können das ändern, wenn wir nur wollen.“

Daniel Man selbst ist in China verwurzel ist, wo dort das Hakenkreuz als Swastika eine gänzlich andere Bedeutung hat. Die Bedeutungen könnten daher auch übereinandergelegt werden, da sich Man in beiden Welten (Deutschland und China) zu Hause fühlt.

Mögliche Lösungen zum besseren Verständnis

Den kurzen Text, wie oben erwähnt, sollte man auch an die Wand schreiben – mit Pinsel und Farbe, per Hand, sagt Daniel Man. Er sieht, dass für die Betrachter*innen eine Erklärung dabei sein sollte. Da er nicht nach Lüneburg reisen kann, würde er den AStA oder die Universitätsverwaltung bitten, das zu tun. Gerne kann der AStA ihn dazu kontaktieren, so Man.

Welche Lösung es endgültig geben wird, kann die Betrachter*in in den kommenden Monaten beobachten. Eine gezielte verschriftlichte Positionierung des AStA oder des StuPas gibt es bis jetzt in der Angelegenheit nicht. An das erwähnte Feld für Notizen/Kommentare im Kunstwerk traute sich in den letzten Jahren niemand etwas hineinzuschreiben.


Kunstwerk am Hörsaal 4 – Foto (c): Christopher Bohlens

3. Juni 2019

About Author

Christopher Bohlens Schreibt immer irgendwas über Hochschule, Politik oder Veranstaltung wo es so richtig kracht, wie Festivals. Liebt Investigativen Journalismus und beschäftigt sich viel mit Daten.


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