Das Glück der kleinen Dinge – Hurricane 2013
Titelblatt, Unikultur

Das Glück der kleinen Dinge – Hurricane 2013

Drei Tage auf dem Hurricane Festival – ein Erfahrungsbericht

Der Zug hält an und Scheeßel empfängt mich mit Wind, Regentropfen und vielen Rucksackträgern. Gemeinsam mit einer netten Zugbekanntschaft trotten alle wie Zombies die 1500 Meter bis zum Festivalgelände. Bändchen dran und schnell die Freunde plus Zelte suchen. Bei 75 000 Festivalbesuchern sind das ca. 25 000 Zelte, wenn alle zu dritt schlafen würden. Die Panik kriecht in mir hoch, kein Handyempfang, aber wie durch ein Wunder und die vagen Beschreibungen von Freundinnen finde ich unser Zelt. Ich werde von dröhnender Musik, Bier und glücklichen Gesichtern empfangen.

Hurricane 2013 kann beginnen.

Die Highlights des diesjährigen Festivals waren die kleinen Momente. Das Schlammcatchen, bei dem niemand mehr den Editors zuhörte, sondern alle gebannt auf die Männer im Schlamm fixiert waren. Der vorherige Regen hatte eine herrliche Spielweise bereitet und nicht wenige ließen sich in den stinkenden, schwarzen Matsch fallen. Festival halt! Meine Freundinnen und ich stellten uns lieber vor, es sei eine riesige Menge richtig dunkler Schokoladenkuchen.

Der Vorteil eines sehr großen Festival: Es wird nie langweilig. Der Nachteil: Reizüberflutung. Neben vier Bühnen, unzähligen Mitmachständen, Riesenrad und Essensständen war man einfach wie ein Kind im Süßigkeitenladen.

Das Riesenrad war bereits am Freitag ausgemachte Sache und während wir unsere Runden drehten, konnten wir The Hives aus der Vogelperspektive genießen. Musikalisch wollten wir uns Rammstein nicht entgehen lassen.

Ich bin keineswegs Rammsteinfan, aber von der Show und dem blutigen Schlachterkittel, den Frontmann Till Lindemann trug, konnte ich meinen Blick nicht abwenden. Musik hin oder her, ihre Show war einen Blick wert!

Am Samstag begannen morgens die Geschichten, wer was mit wem erlebt hatte. Währenddessen wurde Omas Marmelade, Knäckebrot, Spreewaldgurken und Salami verspeist.

Hungrig nach guter Musik zog es meine Freundin und mich schon früh aufs Festivalgelände – zum Aufwärmen ließen wir uns beim H&M Stand erst einmal schminken und frisieren. Festival ist Urlaub vom Alltag, aber ein wenig Style hat einem noch nie geschadet.

Bis zum Samstagabend hatte ich noch keinen Wow-Moment gehabt. Dieser lässt sich als Moment beschreiben, in dem Musik und Band dich so mitnehmen, dass Kälte, Hunger, Beinschmerzen und der Besoffene neben dir plötzlich völlig unwichtig werden.

Über die Leinwände sehen wir im Vorübergehen eine abgedrehte Band, die sich völlig in ihrer Musik verausgabt. Schlendernd kommen wir vor der Bühne an. Wenig Publikum, aber das ist den vier Herren auf der Bühne herzlich egal. Es ist Johnny Borrell und Zazou. Ja, der Johnny Borrell, der mit Razorlight seinen größten Erfolg gefeiert hat. Der Genuss an der Musik wird mit jeder ihrer Bewegung deutlich und die Frische mit der sie spielen, lässt mich ihre unbekannten Lieder total genießen. So frei von der Seele geben sie alles, egal dass nur 150 Leute zuhören.

Die kleinen Perlen auf einem großen Festival zu entdecken – das ist das Beste.

Am Sonntag morgen und dritten Festivaltag ist unsere Zeltgemeinschaft tiefenentspannt. Die nächtlichen Eskapaden haben uns zu einer Gemütlichkeit und einem Fressgelage bewegt. Bei unseren Zeltnachbarn, sympathische Vierzigjährige, schnorren wir uns mit Essen durch und fachsimpeln über die perfekte Campingorte auf dem Festivalgelände. Die letzten Konzerte vergehen wie im Rausch, Macklemore, Alt+J und Two Door Cinema Club feiern wir von ganz vorne. Alles tiptop Konzerte und mit Genuss wird das letzte Handbrot verspeist.

Der Weg zum Auto mit unserem Hab und Gut zieht die letzte Energie aus uns. Auf der Rückfahrt bin ich traurig, dass es schon wieder vorbei ist. Bis zum nächsten Jahr, liebes Hurricane!

Autorin: Hannah Fuhrmann

29. Juni 2013

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