Crushing on Joco – Eine Liebeserklärung
Ausprobiert, Titelblatt

Crushing on Joco – Eine Liebeserklärung

Wo ist Waldo? / (C) Melissa Zaske
Wo ist Waldo? / (C) Melissa Zaske

Sie sind eine Einheit, ein Organismus auf der Bühne. Sie sind Joco und ja, wir lieben sie, wir geben es gerne zu.

Wir kannten Joco nicht und doch sind wir verliebt. Denn jetzt kennen wir sie. Sie sind ein großes Oh!, sie sind wundervoll, sympathisch, sie sind vorzeigbar und hörbar. Besser noch, jede Omi wäre glücklich mit ihnen als Schwiegertöchtern, weil sie eben berühmt sein werden und es noch nicht ganz sind. Sondern noch so ganz die netten Mädchen von Nebenan. Wir hoffen, dass das so bleibt.

„Das sind also Joco“, denken wir und schon nahmen sie uns mit auf eine Reise. Wir schlossen die Augen, schwebten über kühlen Bergen, flogen über weite Landschaften, über Bäume und Seen. Dabei waren wir noch immer im Asta-Wohnzimmer, dabei war es stickig, gefühlte 80 Grad, was wiederrum auch an Joco gelegen haben könnte. Vielleicht war es auch die Wärme all der Herzen, die sie mit ihrer Musik an diesem Abend erreicht haben. Denken wir uns. Und dass das kitschig ist. Vielleicht war es auch einfach zu klein und zu voll im Asta-Wohnzimmer, zu klein für die Präsenz von Joco, die noch gar nicht wissen, wie großartig sie sind.

Joco / (C) Melissa Zaske
Joco / (C) Melissa Zaske

Noch. Denn sie sind es, werden es bald sein. Joco ist zu groß für kleine Bühnen. Und trotzdem sind sie hier, so ganz Josepha und Cosima, die beiden netten Mädchen aus Ostfriesland, die auf einmal einen Vertrag mit Sony Music Entertainment hatten, einem der drei größten Plattenlabels der Welt. Die so gar nicht wissen, woher der ganze Erfolg kommt und die sich vielleicht ganz leicht und etwas schüchtern eingestehen, dass es an ihnen liegen könnte. Wir wissen, dass es an ihnen liegt. Wir wissen es, weil wir da waren. Und Joco war da und der ganze Raum war Joco, wurde zu Joco, wurde es mit jeder Faser des Organes, das Musik großartig findet, das noch niemand richtig entdeckt hat und das wissenschaftlich korrekt vielleicht Gehirn heißen würde. Doch wir wissen es besser, wissen, dass es unsere Seelen sind, die Joco berührt hat. Wissen es, weil wir immer noch Gänsehaut bekommen, wenn wir an ihre Songs denken, weil wir nur das Internet anschalten müssen, um ihre Musik wieder in uns zu spüren. In dem seltsamen Organ, das Seele heißt.

Wir müssen zu geben, wir wussten nicht, wer Joco ist, als man uns den Auftrag gab, über Joco zu schreiben. Wir gingen, weil wir gespannt waren und am Ende wollten wir nicht mehr gehen. Wir wollten nicht aufhören zu klatschen, weil es Joco waren, die nach gefühlten 10 Minuten schon wieder von der Bühne gehen wollten, die gerade erst gekommen waren und uns schon wieder verließen. Doch wir, wir wollten Joco nicht gehen lassen, wollten noch nicht, dass der Zauber endet, wollten mehr Joco, dabei haben sie doch schon eine Stunde gespielt und eine Zugabe gegeben. Wir haben schon wieder Gänsehaut und uns ist es ein bisschen peinlich, dass sich jemand so leicht in unser Herz schleichen konnte.

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Wir wissen, dass es ein großer Moment war, als Joco bei uns im Wohnzimmer spielten. Im kleinen und viel zu engen Wohnzimmer, zu klein für so viele Menschen, die Joco sehen wollen. Wir freuen uns trotzdem, obwohl wir wissen, dass sie bald nur noch auf großen Bühnen zu sehen sein werden. Das macht aber nichts, wir sind nicht eifersüchtig, nein, wir freuen uns für sie. Für diese beiden netten Mädchen, die mal Musik studiert haben, drüben in Holland, und die jetzt für uns singen. Josepha am Schlagzeug, Cosima am Keyboard, auch an der Gitarre, wir wollen sie am liebsten auf allen Instrumenten dieser Welt spielen hören, wenn sie nur weiter so schöne Musik machen. Mit ihrer Präsenz sind sie überall, auf der Bühne, in unseren Empfängern und sind dabei noch gar nicht die großen Stars, die sie mal sein werden. Sind die Netten von Nebenan und wir hoffen, dass das so bleibt.

Manchmal lächelt Joco. Wirklich schön lächelt sie dann, weil sie so gar nicht für uns lächelt, sondern für sich selbst. Und weil ihre Musik ihnen so viel Freude macht. Das ist schön, finden wir.

Der Ruhm wird kommen, das ahnen wir bereits jetzt; Joco macht das keine Angst. Noch kein Gedanke über die Schattenseiten, dazu sind sie vielleicht auch zu nett. Sie freuen sich über jeden, der ihnen sagt, dass er ihre Musik mag, weil es eben auch wirklich ihre Musik ist. Niemand schreibt für sie, oder sagt ihnen, was sie zu tun haben, wie ihre Musik sein soll. Joco will Joco bleiben. Als der NDR sie fragte, ob sie beim Vorentscheid für den Eurovision Song Contest für Deutschland antreten wollen, sagten sie ja, aber nur, wenn ihnen niemand reinredet. Niemand wollte ihnen reinreden, nicht einmal Sony, die sie vor einem Jahr unter Vertrag nahmen. Wir vermuten, dass auch Sony ein bisschen begeistert von ihnen ist. Es sei ein Mythos, dass große Labels sich so viel einmischen würden, sagen sie. Wir glauben ihnen das, glauben aber auch gehört zu haben, dass das Musikbusiness hart ist, glauben gehört zu haben, dass es zerstören kann. Joco sagen, dass sie bisher keine negativen Erfahrungen gemacht haben. Wir freuen uns für sie und hoffen, dass das so bleibt.

Warum lieben wir Joco eigentlich auf einmal so sehr? Vielleicht, weil wir noch das Gefühlen haben, sie ein bisschen mit zu entdecken. Obwohl das ja nicht stimmt, Sony war schneller.

Blick auf die Hater / (C) Melissa Zaske
Blick auf die Hater / (C) Melissa Zaske

Die nächste Band kommt auf die Bühne, schließlich ist Schatztruhe und schließlich kommen dann immer zwei Bands auf die Bühne. Die nächste Band ist großartig, trotzdem sind wir unkonzentriert. Joco ist noch da, nur schwer können wir uns von ihrem Zauber losreißen. Sie sind noch in uns, wirken nach, wir denken an Vollmonde und Landschaften und wir schämen uns ein bisschen, weil die andere Band gut ist und unsere Aufmerksamkeit verdient hat. Trotzdem sind die „Whooos“ ein bisschen weniger und ein bisschen leiser als zuvor. Wir unterhalten uns leise mit den Nachbarn, bewegen uns wieder; die Band hat gemerkt, dass sie drauflegen müssen, dass wir abgelenkt sind. Es ist nicht eure Schuld, möchten wir sagen, ihr seid großartig, nur, ihr müsst verstehen, Joco war gerade da, könnt ihr uns das nachsehen?

Der Abend geht zu Ende, auch die andere Band bekommt noch den großen Applaus, den sie verdient hat. Es ist nicht leicht nach Joco zu spielen, denn Joco ist ein Hauptact, das ist uns klargeworden. Vielleicht sollte man die Reihenfolge beim nächsten Mal überdenken. Wir gehen selig nach Hause, nur um uns dort Joco anzumachen. Wir wollen wieder ein bisschen fliegen. Schön weit weg. Dahin, wo die Stimmen von Joco vielleicht herkommen. Es muss ein schönes Land sein.

Leise, verstohlen hört man jemanden „why, why, why“ singen oder vom Vollmond flüstern.

Wir gehen nach also nach Hause und schreiben diesen Artikel, googeln. Wer ist eigentlich Joco? Nicht mal ein Eintrag bei Wikipedia ist vorhanden. Doch da, ein YouTube-Video, wir öffnen, wir sehen, wir hören wieder Joco, sie sind wieder da. Wir reisen wieder. Ganz Joco.

Joco, das sind melodisches Piano und angenehm kraftvolles, doch dezentes Schlagzeug. Mit großer Präsenz und dabei unaufgeregt, geerdet, wer ihre Musik hört, wird das verstehen. Aber was wissen wir schon. Das Internet wird bald mehr über Joco zu berichten haben, hoffen wir. Nein, da sind wir uns sicher.

Autor: Andreas Hussendörfer

29. Januar 2016

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2 COMMENTS ON THIS POST To “Crushing on Joco – Eine Liebeserklärung”

  1. Lieber Andreas, deine neuronendurchschauerte Hirnmaschine scheint auf eine hinreißend warmherzige Art zum Verfassen leidenschaftlichster Liebeserklärungen an elfengleiche Musikerinnen determiniert. Mein Brain war und ist auch völlig weg vom Sirenengesang von Josepha und Cosima. Kannst dein zerebrales Steuergerät da nicht mal ein Date klarmachen? Im ersten Anlauf für uns vier? Mein Illusions-Ich würd so gern mit Cosima schon mal darüber nachdenken, ob diese riesige schwarzgebeizte Eichentruhe wirklich unbedingt mit ins frisch renovierte Loire-Schlösschen geschleppt werden muss und womit unser im Kopf gelegener Teil unseres zentralen Nervensystems und seine physischen Dependancen sich die Zeit vertreiben könnten, bis in Frankreich genügend qualifiziertes Personal eingestellt ist.

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