Connection? Accomplished! – Nachbericht zur Slam Night des Policy Labs
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Connection? Accomplished! – Nachbericht zur Slam Night des Policy Labs

„Connection?“ – „Failed!“ Unter diesem Motto stand die erste Slam Night des Semesters am Donnerstag. In dem bunt gemixten Programm aus Wissenschaft, Poetry und Powerpoint-Karaoke trugen die Slammer*innen Verschiedenstes zum Thema Digitalisierung vor. Wir waren vor Ort.

Gut besuchter Science Slam / Foto: Policy Lab Lüneburg

Eigentlich kommt der Headliner am Schluss. Doch Dörte, die mittlerweile übrigens nicht mehr Posaune, sondern Horn spielt, musste noch zur Orchesterprobe. Daher begann der Abend direkt mit einem Highlight: Professorin Haftendorns Taschenrechner-Anekdoten mit dem Titel „Digitalisierung halb und halb“ sorgte für allgemeine Begeisterung unter den Anwesenden.

Das Moderatoren-Duo Marius Richter und Shirley Schley führte das Publikum mit Unterstützung von Amazons Alexa durch den Abend und ließ sich auch von kleinen technischen Problemen nicht aus der Ruhe bringen. Nicht umsonst wurde bereits am Anfang angekündigt, dass bei jedem Fehler auf den Zuruf „Connection?“ die Zuhörer*innen „Failed!“ antworten sollten. Für jede Panne bekämen die beiden hinterher etwas ausgegeben, sodass jeder technische Fauxpas mit einem begeisterten Griff zum Megaphon quittiert wurde.

Neben wissenschaftlichen Vorträgen kam auch die digitale Kunst nicht zu kurz. Für musikalische Einlagen sorgte zunächst Hannah Keymling mit einem Algorave, quasi “live programmierte Musik”. Später performten Kim Ly Lam und Finn Freund live zu ihrem selbst gedrehten Musikvideo. Der Rap zum Thema Programmieren war übrigens eine Prüfungsleistung, in der die beiden eigentlich etwas selbst hätten programmieren sollen, stattdessen aber lieber einen Text darüber verfasst haben – auch mit Kreativität kann man an der Leuphana punkten.

Das Team hinter den Kulissen. Foto: Univativ

Überrascht zeigten sich die Veranstalter*innen im Nachhinein von den positiven Reaktionen des Publikums auf das PowerPoint Karaoke. „Eigentlich war das mehr als Lückenfüller gedacht…“ meinte einer der Organisatoren hinterher, doch besonders diese Idee sorgte an dem Abend für eine Menge Spaß bei den Zuschauer*innen. In jeder der drei Runden musste ein*e Freiwillige*r aus dem Publikum eine unbekannte PowerPoint-Präsentation halten und dabei fünf vorher von den Zuschauer*innen genannte Begriffe einbringen. Am Ende konnte sich Timon mit einem gelungenen Vortrag über Drogen den Sieg sichern und somit beweisen, dass für eine gute Präsentation manchmal gar keine Vorbereitung nötig ist.

Juniorprofessor Mario Mechtel überzeugte

Dass trotz der vorangeschrittenen Uhrzeit und dem sehr fairen Bierpreis von einem Euro pro Flasche die Aufmerksamkeit auch bei wissenschaftlichen Themen durchaus noch hoch sein kann, bewies das Publikum bei dem Vortrag von Mario Mechtel. Dies zeigt einmal mehr: niemand braucht Anwesenheitspflicht, wenn die Dozent*innen ihre Vorträge so halten, dass man ihnen gerne zuhört.

Der Juniorprofessor für VWL konnte mit seinem Vortrag den Slam gewinnen und die per 3D-Drucker angefertigte Siegermedaille mit nach Hause nehmen. Themen seines Vortrags: Chips und Smartphones am Arbeitsplatz. Was die Chips anging: Packt man Chips in kleinere Tüten statt in eine große, isst man insgesamt weniger Chips, da die Hemmschwelle, eine neue Chipstüte aufzumachen, meistens zu hoch ist.

Bei den Smartphones wurde es etwas komplexer. Die Universität Trier vergab 100 Halbtagsjobs. Alle Mitarbeiter*innen bekamen ein eigenes Büro. Einige von ihnen dazu ein Schild mit dem Schriftzug, dass Mobiltelefone am Arbeitsplatz verboten seien. Gemeinsam mit zwei Kolleg*innen stellte Mechtel fest, dass am Ende die Mitarbeiter*innen mit Verbotsschild zehn Prozent produktiver gearbeitet haben. Etwa 90 Prozent der Teilnehmer*innen dieses Experiments nahmen das Verbot nicht als Signal des Misstrauens wahr.


Im Anschluss an die Veranstaltung stand Mechtel uns für ein Interview zur Verfügung:

(c) Marius Richter

Univativ: Was würden Sie eher in ihren Vorlesungen verbieten: Smartphones oder Chips?“

Mechtel: Ganz klar Smartphones. Aber Chips werden weniger verwendet in den Vorlesungen, zumindest kriege ich nichts mit.

Univativ: Wenn beides gleich verwendet werden würde, was wäre unproduktiver?

Mechtel: Ich glaube Smartphones, weil die Chips knuspern vielleicht ein bisschen und machen Lärm, aber Smartphones lenken die Studierenden mehr ab.

Univativ: Wenn Sie jetzt also sagen es ist sinnvoll eine große Chipstüte in mehrere kleine aufzuteilen, um so den Konsum zu kontrollieren, wäre das nicht vielleicht auch eine Idee für Smartphone-Nutzung in Vorlesungen? 

Mechtel: Ja vielleicht. Also ich hab den Eindruck, dass zunehmend die Aufmerksamkeitsspanne kürzer wird bei den Studierenden. Und wenn das so ist, könnte man überlegen, ob man vielleicht mal nach einer halben Stunde eine Minute lang eine „Facebook-Pause“ macht. Das geht vielleicht in die Richtung, die Sie gesagt hatten. Vielleicht baut das bei Manchen ein bisschen Druck ab.

Univativ: Das ist ja nicht das erste Mal, dass Sie an so einem Science-Slam teilnehmen. Was hat Sie dazu gebracht, auch mal eine Vorlesung für ein Publikum zu geben, welches mit der VWL nicht viel am Hut hat?

Mechtel: Ich bin vor 7 Jahren angesprochen worden, weil ich ein Paper geschrieben habe, in dem wir die ganzen statistischen und ökonometrischen Methoden, die man so braucht als empirischer Forscher, auf eine Frage im Bereich Fußball angewendet haben. Da bin ich kontaktiert worden von Organisatoren eines Science-Slams in Berlin. Ich kannte dieses Format gar nicht, bis sie mir das erzählt haben, um was es geht. Ich dachte: Oh klingt spannend, fährst mal hin.  So bin ich dazu gekommen und ich habe den Eindruck, dass man den Leuten dadurch sehr gut zeigen kann, was alles in der Volkswirtschaftslehre steckt. Ich habe letztes Jahr was zu Statuskonsumgütern (z. B. teure Autos, Anm. d. Red.) erzählt. Beim Leuphana-Slam werde ich was zu Fußball erzählen. Alles Themen, die mir zeigen, wie breit die VWL aufgestellt ist. Und mir macht es großen Spaß, wenn hinterher auch nur eine Person sagt, sie findet das spannend. Dann ist mein Ziel erreicht.


Alles in Allem zeigten sich die Veranstalter*innen von Policy Lab sehr zufrieden mit der Slam Night, die ein gelungener Auftakt für das Wintersemester war.

Aber noch ein kleiner Hinweis: Mit etwas weniger Tratsch hätten wir manche Acts besser hören können.

Bereits am 29. November geht es auch schon in die nächste Runde, dieses Mal allerdings organisiert von Rock Your Life.  

Autor*innen: Theresa Brand, Jan Gooss, Merle Wilkening

21. November 2017

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Theresa Brand


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