BWLer – wenigstens reich
Satire, Unikultur

BWLer – wenigstens reich

Der BWLer ist der König des Dschungels. All seine Entscheidungen sind klug und effizient, sein McFit gestählter Körper ist auf ständiger Suche nach Proteinen in Pulverform.
In Gruppen streift er über den Campus.

Die Männchen erkennt man an verschiedenfarbigen Poloshirts, je höher der Status, desto größer das Ralph Lauren Logo, dazu kombinieren sie Segelschuhe; so perfektionieren sie den „lebst du noch oder golfst du schon?“-Look (man weiß ja nie, welchen Sport die Artgenossen im Dax-Vorstand später treiben).
Die raren Weibchen tragen die Haare meist als lange, glatte Mähne, idealerweise blond und ohne Pony (das kriegen sie dann von Papi zum Geburtstag).

Ihre Studienwahl ist dabei jedoch völlig verständlich. Die Wirtschaft ist schließlich überall und unersetzlich. Ich meine, könnt ihr euch eine Welt ohne BWLer vorstellen? Ohne Chief Executive Consultant Officer und CDS tradende Hedgefonds Manager? Also ich nicht. Dann schon lieber auf Krankenschwestern und Busfahrer verzichten, die schaffen eh kein Wachstum.
Und während die einen im festen Glauben an die sicher bevorstehende Vorstands-Position mit der Nase gen Himmel, die nächste Start-Up-Idee witternd, über den Campus stolzieren, haben andere lediglich die Hoffnung, dass in Zukunft im Schatten der weltbeherrschenden Großkonzerne wenigstens noch ein Plätzchen frei sein wird für einen einfachen Buchhalter, systemtreu und unkritisch.
Frei (beinahe schon Laissez-faire) nach dem Motto „Wer nichts wird wird Betriebswirt“ haben sicher auch einige BWL als den klassischen Studiengang für Ahnungslose gewählt (auf Platz 2 natürlich, direkt hinter Lehramt).
Und BusinessPunk war doch immer total spannend und so.

Ein Wirtschaftsfritze, wie andere ihn sehen / (C) flickr – mahalle stackpole

In der wenigen Freizeit, die sie zwischen Fächern wie Externem Rechnungswesen und Statistik II, die die Welt sicher einmal aus den Angeln heben werden, haben, besuchen sie ab und zu auch studentische Initiativen, mit wirtschaftlichem Hintergrund versteht sich. Viele von ihnen hängen nämlich Luthers prothestantischer Arbeitsethik nach (auch wenn sie es nicht wissen) und wollen sich und ihren Lebenslauf auf Hochglanz polieren, sechstellig verdient sich schließlich nicht von alleine. Und die Autobahn des Lebens lässt sich nun mal leichter mit nem Porsche Cabrio entlangfahren als mit dem VW Bus, die Ellenbogen kann man außerhalb des Autos ja noch oft genug spreizen.

Und während sie ihre Seelen Möet schlürfend an die Konzerne verkaufen und ihre Umwelt mit solch unschlagbar logischen Sätzen wie „Die Merkel, die hat schon unheimlich viel bewirkt.“ faszinieren, fahren wir weiter in unseren uralten 80er Opel auf der Landstraße, aber hören wenigstens gute Musik.

Und wenn ihr euch jetzt als coole Musik hörende sympathische Yuppiekids nicht angesprochen fühlt, dann seid ihr leider trotzdem schuld – einfach weil BWL auf eurem Studienausweis steht. Nur wenn euer eigentlicher Plan ist, das System von innen heraus zu zerstören, die Börse zu crashen, wenn ihr es nach eurem 30. Praktikum endlich an die Wall Street geschafft hat, dann seid ihr auf der richtigen Seite. Bei der Frage nach eurem Lieblingsfilm mit „Fight Club“ zu antworten reicht da leider nicht aus.


Aufgrund einiger Anfragen ein Hinweis: Das war Satire.

Titelbild: Zwei BWL-Bros üben für Mathe+Statistik I. (c) Rawpexels.com

Dank an: Kim Torster, Rieka Janssen

 

26. Juli 2015

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Ernst Jordan dont wait for me, if i care bout anything, anywhere losin myself, i get the stares what im lookin at, wasnt there (wasnt there)


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