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Baby an Bord

Wie ein Kind den Studienalltag prägt. Sie ist 24 Jahre alt, Studentin der Kulturwissenschaften und seit dem 1.1.09 frischgebackene Mutter! Was zunächst ein schockierter Blick auf die zwei deutlich erkennbaren Streifen des Schwangerschaftstests war, ist nun das ganze Glück meiner Freundin Sarah. Stolz hält sie mir ihren Sohn entgegen und strahlt mich trotz tiefer Augenringe, die sie den hungrigen, schlaflosen Nächten des kleinen Yessins zu verdanken hat, begeistert an. Wie ihr, ergeht es laut dem deutschen Studentenwerk rund 123.000 anderen jungen Eltern in Deutschland. Das macht ca. 6 bis 7 Prozent aller Studenten/innen aus, die neben ihrem Fachgebiet auch noch ihren Nachwuchs studieren.

Für Sarah heißt es ab sofort Hausarbeit machen statt Hausarbeit schreiben. Babys nehmen leider für ihre Bedürfnisbefriedigungen und Aufmerksamkeitseinheiten keine Rücksicht auf angemessene Tages- oder Nachtzeiten. Füttern, waschen, spielen, schlafen – den Zeitplan erstellt der Nachwuchs. Ausgedehnte Lernsessions bleiben dabei leicht auf der Strecke und auch die Kraft zum Ausgehen dürfte zumindest in der Säuglingsphase des Kindes dahin siegen. Ein anderes Problem ist das Geld. In dem ohnehin schon chronisch unterfinanzierten Studentenleben setzt ein Baby dem Finanzdrama die Krone auf. Da kann man nur hoffen, dass bereits ein Elternteil für Geld in der frischen Familienkasse sorgt oder sich aber freundliche Sponsoren, meist aus dem familiären Kreise, ausfindig machen lassen. Nun mag vielleicht mit einem Baby zunächst die Teilhabe am Studentenleben rapide schrumpfen. Aber warum eigentlich nicht? Partys wird es auch noch im Berufsleben geben und stundenlange Kaffee-Klön-Treffen in der Mensa oder im Uni Café kann man auch verkürzt zuhause halten. Während andere feiern, arbeitet Sarah an ihren beruflichen Zusatzqualifikationen, die ihr später im Job zugute kommen werden.

Mütter müssen gezwungenermaßen über ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein und Organisationsgeschick verfügen. Wenn sie ihren künftigen Arbeitsplatz antreten, ist die intensivste Betreuungszeit der Kinder schon vorbei. Welchen Arbeitgeber locken solche Attribute nicht? Auch die Rolle der Zuverlässigkeit ist enorm. Junge Mütter und Väter sind sichere und dauerhafte Arbeitnehmer, die einiges tun würden um eine Entlassung zu verhindern. Genau genommen sind studentische Eltern doch auch wesentlich flexibler als Berufstätige. Freie Einteilung der Vorlesungen und Hausarbeiten, lernen wenn der Nachwuchs schläft oder anderweitig betreut wird und dazu noch die diversen Schmankerls der Universitäten. So erlassen die meisten Unis den Studenten beispielsweise die Studiengebühren. Auch die Vorgaben der Urlaubssemesteranzahl sind großzügig geregelt. So können Studenten/innen auch nach der Geburt noch bis zu drei Jahren pausieren ohne eine Exmatrikulation fürchten zu müssen. Im Berufsleben ist mit so generösen Angeboten nicht zu rechnen. Von Förderungen gleichwertiger Art sind viele Unternehmen noch weit entfernt, lediglich die Beförderung ins Karriereabseits ist oft inklusive.

Für all diejenigen Mutter- und Vatergefühle, die bei dieser Lektüre geweckt wurden, sollte bedacht werden, dass ein Wermutstropfen bleibt: die neuen Bachelor- und Masterumstellungen sind bei weitem noch nicht so kinderfreundlich strukturiert wie es wünschenswert wäre. So sind die Studienprogramme zum Teil so überfüllt, dass bis zu 50 Wochenstunden Uniarbeit anfallen. Zügiges und intensives Lernen mit Kind ist dabei unmöglich. Sarah hat dieses Problem nicht. Sie studiert an der Fernuniversität Hagen und kann sich ihre Arbeit gänzlich frei einteilen…und der kleine Yessin freut sich darüber gewiss! Vier Betreuungszentren für Sprösslinge zählt die Uni Lüneburg. Neben den „Zwergen“, und der Einrichtung „Elistu“ gibt es noch die beiden Kitas des Studentenwerks Braunschweigs „Kita Campus“ und „Kita Strolche“.

Für nähere Informationen schaut auf die Seite des Studentenwerks Braunschweig/Lüneburg: http://www.sw-bs.de/lueneburg/

Annika J. Höppner

8. April 2009

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