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Astra unterwegs

Der Weg vom Getreidefeld auf den WG-Tisch. Gutes Bier darf auf keiner WG-Party fehlen. Bei norddeutschen Studierenden befindet sich dieses meist in einer auffälligen kleinen Flasche mit rotem Herzlogo, das neben Heimatverbundenheit auch einen bestimmten Lifestyle repräsentiert. Doch kaum einer kennt Geschichte und Herkunft des beliebten Bieres. Zwei Univativ-Redakteurinnen haben eine Brauereiführung mitgemacht und sich bei diversen Bierproben mit einem der Urgesteine der Hamburger Brauereigeschichte unterhalten.

Das Astra gibt es schon seit 350 Jahren. Früher hieß es „Bavaria Bier“. Seit die Bavaria-St.Pauli-Brauerei 2003 geschlossen wurde, wird das Astra in der Holstenbrauerei in Altona gebraut. Neben Astra werden dort Carlsberg, Duckstein, Lübzer und natürlich das Holsten gebraut. Am Eingang begrüßt uns unser Guide Karl-Heinz Schreiber mit einem typisch hamburgischen „Moin“. Seit über 40 Jahren engagiert er sich für den Betrieb. In den nächsten zwei Stunden wird er uns in die Geheimnisse des Bierbrauens einweihen. Doch zuerst werden wir mit stetoskop- ähnlichen Funk-Kopfhörern ausgestattet und warten auf den Rest der Gruppe. Als diese in Form von zwanzig angeheiterten Philosophiestudierenden wenig später eintrifft, machen wir uns auf den Weg.

Auf dem Gelände riecht es angenehm nach Hefe. Schreiber erklärt uns die ersten Herstellungsschritte, während neben uns gerade eine Ladung Malz geliefert wird: „Dat wird jeden Tach vom Bauer Piepenbrinck geliefert. Der sucht die verschiedenen Getreidesorten aus, die den Geschmack des Bieres bestimmen. Danach lässt er die in Wasser aufquellen und keimen, bevor dat Ganze getrocknet, entkeimt und zu uns gebracht wird.“ Dabei entscheidet die Höhe der Temperatur über die spätere Farbe des Bieres. Je höher die Temperatur, desto dunkler wird das Bier.

Mittlerweile sind wir bei der sogenannten Maischpfanne angekommen. Hier herrschen tropische Verhältnisse und unsere Hightech-Kopfhörer übertragen Schreibers keuchenden Atem in zwölffacher Lautstärke. Man versteht gerade noch, dass hier das vom Bauern gelieferte Malz mit Wasser zu sogenannter Maische vermischt wird.

Die nächste Station auf dem Weg zum Bier ist der Läuterbottich. Hier werden die festen Bestandteile der Maische von den flüssigen getrennt. Die festen werden zu Tierfutter verarbeitet, die flüssige „Würze“ wird mit Hopfen angereichert. Je mehr Hopfen, desto herber das Bier. Anschließend müssen noch die Trübstoffe aus der Würze entfernt und das Ganze abgekühlt werden.

„Hopfen und Malz, Gott erhalt’s!“, meldet sich unser Guide zu Wort. „Dat sind schon mal zwei von insgesamt vier Zutaten, die nach dem deutschen Reinheitsgebot in ein Bier gehören.“ Das Reinheitsgebot ist die älteste bis heute gültige lebensmittelrechtliche Vorschrift der Welt. Seit dem 16. Jahrhundert regelt es, welche Inhaltsstoffe im Bier erlaubt sind. Die anderen beiden Zutaten sind Hefe und Wasser.

Im Gärtank wandelt die Hefe Malzzucker in Kohlensäure und Alkohol um. Beim Astra dauert dieser Prozess ungefähr eine Woche. Danach muss das fast fertige Bier im Lagertank nachgären, bevor es in der Abfüllanlage in die Flasche gelangt. Die Anlage bietet eindeutig den beeindruckendsten Anblick: Wir beobachten, wie eine schier endlose Reihe von Flaschen auf einem Fließband den Prozess des Reinigens, Abfüllens und Etikettierens durchläuft. In der riesigen Halle waren früher hunderte Mitarbeiter beschäftigt. Heute schaffen moderne Abfüllanlagen bis zu 100.000 Flaschen pro Stunde. „Tja, die Technik ist nicht aufzuhalten“, merkt Schreiber pragmatisch an.

Mittlerweile sind wir eine gute Stunde durch die Brauerei gelaufen und machen uns auf den Weg zu unserer letzten Station: der „Trinkstube“. „Soo, die ersten zwo Bestellungen gehen aufs Haus!“, ruft Schreiber und verschwindet in Richtung Bar. Wenig später sitzen wir alle mit den „fertigen Endprodukten“ an den massiven Holztischen. An der Wand hängt ein gerahmtes Zitat: „Optimismus ist der Glaube daran, dass aus einem Gerstenkorn irgendwann einmal ein Fass Bier wird.“ Den ganzen Prozess dazwischen haben wir heute beobachtet. Die nächste WG-Party kann kommen.

Von Natalja Fischer und Ann-Christin Busch

30. April 2011

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