Alt gegen Neu – ein nie endender Kampf?
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Alt gegen Neu – ein nie endender Kampf?

Univativ-Online-Autorin Leonie hat sich „Philosophie in 10 Minuten“ gegönnt und erfahren, woher eigentlich der Konkurrenzkampf zwischen alt und neu stammt.

Philosophie in leichten Häppchen! Jeden Dienstag von 12 Uhr bis 12:10 Uhr halten Lehrende der Leuphana kleine Impulsvorlesungen, die zum philosophischen Nachdenken anregen. „Der Kampf des Alten mit dem Neuen“ war diese Woche Thema der Vortragsreihe 10 Minuten Philosophie.

Kleine Portionen Philosophie für alle! (c) Leuphana

Wem die 30 Minuten Pause zwischen den Veranstaltungen zu lang ist, hat zumindest immer dienstags eine gute Möglichkeit, sich ein wenig die Zeit zu vertreiben. In Hörsaal vier gibt es jede Woche Philosophie – aber nicht zu viel und gut verdaulich!

Kann man in 10 Minuten überhaupt großen philosophischen Fragen nachgehen? Man kann! Nicolas Dierks hielt diesen Dienstag, 30. Oktober 2012, nach Marco Iorio und Andreas Fritzsche den dritten von 14 Vorträgen. Er schaffte es, mit seinem Thema dem Publikum ein wenig Nachdenklichkeit mit auf den Weg in die nächste Veranstaltung zu geben. Nicolas Dierks ist Doktorand am Institut für Kulturtheorie, Kulturforschung und Künste im Bereich Philosophie. Er fragte sich, wer beim Kampf des Alten mit dem Neuen eigentlich gewonnen habe. Man hört oft von Konflikten zwischen alt und neu, ob in der Geschichte oder in der Mode oder im eigenen Leben.

Dierks betrachtet die Redensart aus geschichtlicher Perspektive und zeichnet kämpferische Umbrüche und die Entwicklung der Gesellschaft anhand der Problematik alt gegen neu nach. Von Friedrich Schlegel über Karl Marx, der Oktoberrevolution 1918 bis zur Wiedervereinigung ging er einmal quer durch die deutsche Geschichte.
In der DDR zum Beispiel wurde die Metapher vom Kampf des Alten mit dem Neuen instrumentalisiert, um den Aufbau des Sozialismus zu rechtfertigen. Denn dieser sei Naturgesetz, und jeder der sich diesem Fortkommen widersetze, sei ein Klassenfeind. Mit dem Mauerfall wurde diese von Stalin propagierte Lehre widerlegt.
Dies war nur eines seiner Beispiele, das illustrierte, wie der ständige Wettbewerb von alt und neu in jeder Etappe der gesellschaftlichen Entwicklung auftritt.

Doch wer hat nun den Kampf gewonnen? Das wusste auch Dierks nicht zu sagen. Von Fall zu Fall müsse unterschieden werden, meinte er und beendete damit seine kleine Reise durch die Philosophie.
Ein etwas schwammiges Ende, meint ihr? Vielleicht. Doch dieser offene Schluss klingt noch nach: für den Rest des Unitages, ob in der Mensa, in anderen Vorlesungen oder bei einem Initiativentreffen fragt man sich: wer hätte denn jetzt hier gewonnen – alt oder neu?
Fazit: 10 Minuten Philosophie ist eine spannende Vortragsreihe, in die es sich lohnt, zwischen den Veranstaltungen reinzuschnuppern. Ausprobieren und inspirieren lassen!

Autorin: Leonie Schlenker

5. November 2012

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